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Promotionsprojekt


Medien und Praktiken der Erinnerung am Beispiel des Sechsfachmordes Hinterkaifeck von 1922 (Arbeitstitel)

In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1922 wurden auf dem oberbayerischen Einödhof Hinterkaifeck eine ganze Bauernfamilie sowie deren Magd grausam ermordet. Der Fall konnte bis heute nicht aufgeklärt werden und gilt als einer der bekanntesten bayerischen Kriminalfälle. Eingeschrieben in das regionale Gedächtnis stellt er einen Teil der bayerischen Kriminalitätsfolklore dar. Die schwierigen Familienverhältnisse der Opferfamilie, zahlreiche Gerüchte, über hundert Verdächtigungen und vielfältige Widersprüche  kennzeichnen den Fall als Mysterium. Zentraler Moment sind die viel diskutierten Spekulationen um Täter und Tatmotiv, die u.a. in verschiedenen Medien und Praktiken ihren Ausdruck finden und die Erinnerungen an die Tat bis heute wachhalten.

Im Zentrum des Dissertationsprojektes steht die Frage nach dem Wandel von Wahrnehmungen und Erinnerungen sowie den emotiven Mustern innerhalb der Auseinandersetzung mit Hinterkaifeck seit 1922 bis in die Gegenwart. Mittels volkskundlich-ethnologischen methodenpluralistischen Annährungen werden die verschiedenen Praktiken und Medien der Erinnerung im Sinne einer multi-sited ethnography, herausgefiltert einander gegenübergestellt und vor dem Hintergrund der jeweiligen Gegenwart analysiert.