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Beschreibung des Dissertationsvorhabens


Mediatisierung von Sprachideologien in der italienischen Presse: die cronache linguistiche im 20. und 21. Jahrhundert

 

Im Zentrum des Dissertationsvorhabens stehen sprachideologische Diskurse (language ideological debates, vgl. u.a. Blommaert 1999)1 in der italienischen Presse von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. Die Forschung definiert Sprachideologie heute v.a. als „Repräsentationen, die explizit oder implizit die Intersektion von Sprache und Mensch in einer sozialen Welt bilden“ und als „vermittelndes Bindeglied zwischen sozialen Formen und Sprechformen“ fungieren (vgl. Woolard 1998).2 Es geht hauptsächlich um Ansichten darüber, was als Sprachnorm gilt, und was in konkreten Situationen als „Sprachproblem“ empfunden wird. Prädestinierte Textsorte zur Erzeugung und Verbreitung von Sprachideologien in der Presse ist die Sprachchronik, die sich als regelmäßig erscheinende Artikelserie definieren lässt, in der Autoren mit öffentlich anerkannter Sprachkompetenz sich zu sprachlichen Phänomenen äußern und Werturteile über den öffentlichen Sprachgebrauch bilden. Sprachchroniken haben sowohl informativ-divulgative als auch pädagogische Funktion und verfolgen meist das Ziel bewusst in den Sprachgebrauch der Bevölkerung einzugreifen und diesen zu verbessern.

Bezogen auf den italienischen Sprachraum sind Untersuchungen zu sprachideologischen Diskursen bisher wenig systematisch erfolgt (vgl. Dehmel 2007).3 Die Analyse dieser öffentlichen Diskurse über Sprache ist aber gerade für Italien besonders interessant, da die Durchsetzung der Standardsprache als alltägliche Gebrauchssprache breiter Bevölkerungsschichten dort ab den 1950er Jahren maßgeblich durch die Massenmedien gestützt und gelenkt wird und die Standardnorm seither zudem grundlegende Veränderungen erfahren hat.

Im Rahmen des Promotionsprojekts soll einerseits die theoretische und praktische Grundlage für eine systematisch angelegte Datenbank von italienischen Sprachchroniken in der italienischen Presse seit den 1950er Jahren erarbeitet werden, die mit ähnlichen Korpora für andere romanische Sprachbereichen im Rahmen des 2013 angelaufenen Verbundprojekts RomMed (Romance Languages in the Media: Representations, Identity, Ideologies) zu einer gesamtromanischen Datenbank zusammengefasst werden soll. Andererseits wird es darum gehen, das Korpus hinsichtlich verschiedener soziologischer, publizistischer, sprachnormativer, sozio- und textlinguistischer Parameter zu analysieren und einen Beitrag zur Theoriebildung der systematischen Interpretation von intentionalen Eingriffen in den Sprachgebrauch zu liefern.



1 Blommaert, Jan (ed.) (1999), Language Ideological Debates. Germany: De Gruyter Mouton.

2 Woolard, Kathryn (1998): "Introduction. Language Ideology as a Field of Inquiry", in: Schieffelin Bambi B. et al., 3-47.

3 Demel, Daniela (2007): Si dice o nen si dice? Sprachnormen und normativer Diskurs in der italienischen Presse, Frankfurt etc.:    Peter Lang.