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Ursula Reutner: Sprache und Identität einer postkolonialen Gesellschaft im Zeitalter der Globalisierung


Die Entstehung der Kreolsprachen aus dem Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen im Kontext der Sklaverei gibt ihnen eine Sonderstellung unter den Regionalsprachen Frankreichs und ist auch in der heutigen soziolinguistischen Situation auf den französischen Antillen noch präsent. Erst die Regionalismusbewegung hat mit dem Stellenwert der Sprache als wertvollem Kriterium lokaler kultureller Identität die traditionelle französische Haltung zumindest offiziell modifiziert, was schließlich im Jahre 2000 zur Anerkennung des Kreolischen als Regionalsprache und 2001 zum Sekundarlehrerdiplom CAPES de créole führte.
In der Studie geht es darum, die Auswirkungen dieser Entwicklung im Sprachverhalten und Sprach- bewusstsein in Guadeloupe und Martinique aufzuzeigen. Gespräche mit engagierten Persönlichkeiten und eine systematische Enquête unter Studenten ermöglichten, die derzeitige Verwendung von Französisch und Kreolisch zu charakterisieren und das heutige Sprachdenken zwischen regionalem Identitäts- verständnis und globaler Verflechtung festzuhalten und zu analysieren.
Das erstellte begriffliche und methodologische Instrumentarium trägt der besonderen Situation Rechnung und bringt dadurch für die Allgemeine Sprachwissenschaft weiterführende Definitionen von Diglossie und Sprachkonflikt. In Ausdifferenzierung des metasprachlichen Bewusstseins erweist sich die ideolinguistische Perspektivierung insgesamt als sehr nützlich und erfordert u.a. eine Anpassung im Verständnis des üblichen Kontinuums von Nähe- und Distanzsprache an die neuen Gegebenheiten.

346 Seiten. 3-87548-423-1.
Kartoniert. Euro 58,–