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UA im Lichte der Aufklärung


Die Universität Augsburg im Lichte der Aufklärung


DFG fördert neues Forschungsprojekt: Die französische Autorin Marie Leprince de Beaumont steht seit Januar 2015 im Mittelpunkt eines Projektes, das zum Ziel hat, neue Perspektiven der Aufklärungsforschung zu eröffnen.



Bereits im Dezember 2013 organisierte der Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft (Französisch/Italienisch) an der Universität Augsburg ein internationales Kolloquium zum Thema „Marie Leprince de Beaumont – une éducatrice des lumières“.


Aufklärung in Europa
Marie Leprince de Beaumont (1711 – 1780), Romanautorin, Journalistin und Pädagogin, zählt zu Lebzeiten zu den meist gelesensten Autorinnen in Frankreich und ganz Europa. Das Recht auf Bildung überschreitet in ihrem Werk sowohl Geschlechter- als auch Standesgrenzen.


Das Gesamtwerk der Marie Leprince de Beaumont veranschaulicht ihren Glauben an den Fortschritt und die Perfektibilität des Menschen. Es schreibt sich ein, in das aufklärerische Projekt der Divulgierung der damaligen Wissensbestände, welches auch Anliegen der Enzyklopädisten war. Darüber hinaus kämpft sie für das Recht der Frauen auf Wissen und intellektuelle Gleichstellung. Sie problematisiert in ihrem Werk mehrfach die Frage der sozialen Hierarchien und stellt Forderungen, wie die nach Freiheit und Gleichheit. Damit schreibt sich Marie Leprince de Beaumont voll und ganz in die intellektuellen und religiösen Debatten ihrer Zeit ein. Als Vertreterin der katholischen Apologetik wird sie allerdings bisher von der Forschung zur Bewegung der „Gegenaufklärung“ gezählt. Der Fall der Marie Leprince de Beaumont stellt deshalb in besonderem Maße die Frage nach den Wertehierarchien der französischen und europäischen Aufklärung und ihre Auswirkungen auf die heutige französische und europäische Gesellschaft.


Projektprogramm
Die vorgesehenen Tagungen, die Herausgabe von Originaltexten, ein virtuelles Museum sowie die angestrebten wissenschaftlichen Arbeiten sollen zur Rehabilitierung einer bis heute von der Forschung vernachlässigten, wichtigen Autorin des 18. Jahrhunderts und damit zur Revision des literarischen Kanons beitragen. Ein transkultureller Zugang zu dieser Autorin und ihrem Werk soll dazu dienen, das Konzept der Aufklärung in Frankreich und Deutschland zu überdenken.


Binationale Forschung
Die Zusammenarbeit der beiden Projektleiterinnen in Augsburg und Nancy (Prof. Rotraud von Kulessa/Prof. Catriona Seth) im Rahmen des deutsch-französischen PhD-Tracks „Europäische Kommunikationskulturen vom Zeitalter der Aufklärung bis in die Gegenwart“ hat bereits eine Forschungsinfrastruktur etabliert. Das neue Forschungsprojekt wird diese existierende Struktur nicht nur im Bereich der Forschung, sondern auch im Bereich der universitären Lehre weiter ausbauen.



Kontakt:
Prof. Dr. Rotraud von Kulessa (Augsburg)
Lehrstuhl für Romanische Literaturwissenschaft (Französisch/Italienisch)
rotraud.kulessa@phil.uni-augsburg.de
Prof. Dr. Catriona Seth (Université de Lorraine an der Universität Augsburg)
Lettres Modernes/18e siècle
Catriona.Seth@univ-lorraine.fr

Meldung vom 20.01.2015