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Gabriele Bickendorf (10. August 1953 - 12. November 2016)


Nachruf des Lehrstuhls für Kunstgeschichte/Bildwissenschaft der Universität Augsburg

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Lehrbeauftragten des Lehrstuhls für Kunstgeschichte/Bildwissenschaft trauern um ihre Lehrstuhlinhaberin Gabriele Bickendorf.

Gabriele Bickendorf, seit 2002 Inhaberin des Lehrstuhls für Kunstgeschichte, hat in Heidelberg studiert, wo sie 1983 mit einer fachgeschichtlichen Dissertation über Gustav Friedrich Waagen promoviert wurde. 1997 erfolgte die Habilitation über Die Historisierung der italienischen Kunstbetrachtung im 17. und 18. Jahrhundert an der Freien Universität Berlin. Nach einer Vertretungsprofessur in Freiburg und einer Oberassistenz an der Technischen Universität Berlin nahm sie 2002 den Ruf nach Augsburg an.

Als Forscherin prägte Gabriele Bickendorf den Blick auf die Geschichte der Kunstgeschichte Deutschlands und Italiens maßgeblich. In der Lehre nutzte sie die Beschäftigung mit der historischen Erforschung insbesondere der italienischen Kunst der Frühen Neuzeit zu Seminaren, die auf tiefgründige Weise das methodische Spektrum der Kunstgeschichte als akademischer Disziplin reflektierten.

Neben dem „Standbein“ der Fachgeschichte bezeichnete sie die Beschäftigung mit der Moderne und insbesondere der amerikanischen Nachkriegsmoderne als ihr „Spielbein“. So hat Gabriele Bickendorf neben ihren Schriften zur Berliner Schule und zur italienischen Kunstgeschichtsschreibung nach Vasari, die heute Standardwerke sind, auch Aufsätze zum Abstrakten Expressionismus und den europäischen Avantgarden nach 1945 publiziert. Auch diese Gegenstandsbereiche prägten ihre Lehre und waren das Thema von Vorlesungen und Seminaren.

Sowohl aus der Perspektive der Forschung zur Frühen Neuzeit als auch aus der zur Moderne begrüßte Gabriele Bickendorf eine methodische Öffnung des Fachs gegenüber Bildern jenseits der künstlerischen Gestaltung nachdrücklich und regte die Umbenennung des Lehrstuhls in Kunstgeschichte/Bildwissenschaft an. Sie selbst trug dieser Erweiterung des Themenspektrums u.a. mit Lehrveranstaltungen zur Fotografiegeschichte Rechnung.

Als Lehrstuhlinhaberin vermochte sie den Standort Augsburg für die Kunstgeschichte wesentlich zu stärken. Insbesondere ihr Einsatz für die Einbindung der Universität Augsburg in den durch das Elitenetzwerk Bayern geförderten Masterstudiengang Historische Kunst- und Bilddiskurse (später Aisthesis. Historische Kunst- und Literaturdiskurse) trug zur Vernetzung der Augsburger Lehre mit nationalen und internationalen Instituten bei. Entscheidend wirkte sie überdies im Zusammenschluss des Fächerverbunds von Kunstgeschichte, Archäologie, Ethnologie, Musikwissenschaft und Landesgeschichte unter einer kulturhistorischen Orientierung sowie an der Gründung der Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften mit, deren erste Sprecherin sie war.

Mit den zahlreichen Dissertationen, die Gabriele Bickendorf in Augsburg betreute, bleibt die Erinnerung an eine Wissenschaftlerin verbunden, die in Seminaren und Kolloquien den Weg für den wissenschaftlichen Nachwuchs öffnete und dessen Forschungen mit ebenso viel Scharfsinn wie Esprit begleitete.

Der Tod von Gabriele Bickendorf bedeutet einen großen Verlust für uns. Unser herzliches Mitgefühl gilt den Angehörigen.