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Forschungsprofil


Im 'weiten Feld' der EUROPÄISCHEN KULTURGESCHICHTE, wie sie im Fachprofil der Fakultät beschrieben ist, ergeben sich die Forschungs- und Lehrschwerpunkte des Lehrstuhls aus dessen personeller Zusammensetzung. Besonderes Gewicht kommt der Kultur der Frühen Neuzeit zu, weitere Epochenschwerpunkte bildet das 19. und 20. Jahrhundert. Das Hauptaugenmerk richtet sich zum einen auf das Mediensystem als wesentlichem Träger kultureller Information, im Fokus stehen außerdem Probleme des Kulturtransfers sowie wissens- und wissenschaftsgeschichtliche Fragestellungen. Konkret heißt dies, dass Druckerzeugnisse wie Zeitungen, Flugblätter, Flugschriften, Kalender, Zeitschriften, aber auch literarische und wissenschaftliche Publikationen, daneben bildliche Darstellungen, Skulpturen und architektonische Relikte hinsichtlich ihrer kulturellen Bedeutung und Leistung in einem spezifischen historischen Moment befragt werden.

Des Weiteren geht es darum zu untersuchen, wie wissenschaftliche und künstlerische Konzepte, religiöse und ethische Überzeugungen, soziale und ökonomische Vorstellungen, die ganz entscheidend durch Medien erzeugt und vermittelt werden, über nationale Grenzen hinweg Wirkung entfalten konnten. Insbesondere der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und den romanischsprachigen Ländern (Italien, Frankreich, Spanien) steht dabei im Mittelpunkt.

Drittens wird danach gefragt, wie Wissen in je spezifischen historischen Konstellationen generiert, organisiert, vermittelt und perzipiert wurde. Ein besonderes Interesse gilt dabei der Popularisierung gelehrten Wissens, der Frage also, auf welche Weise neue wissenschaftliche Erkenntnisse eine breite Bevölkerung erreichten und welchen Einfluss sie auf individuelle und kollektive Denk- und Empfindungsmuster ausgeübt haben. Kennzeichnend für die Auseinandersetzung mit den genannten Forschungsfeldern ist, dass sie unter konsequentem Einbezug verschiedener Disziplinen und methodisch bewusst erfolgt.

Zu den Aufgaben, die der Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte in Augsburg sich seit seiner Gründung stellte, gehört deshalb auch die Auseinandersetzung mit wichtigen theoretischen Konzepten, welche die moderne Kulturgeschichte geprägt haben und immer noch prägen. In diesem Zusammenhang sind am Lehrstuhl eine Reihe von Publikationen entstanden, die maßgeblich zur Profilierung der ‚neuen Kulturgeschichte‘ in Deutschland beigetragen haben. Informationen dazu finden Sie hier.

Laufende Forschungsprojekte der MitarbeiterInnen des Lehrstuhls finden Sie unter Aktuelle Forschungen.


Am Lehrstuhl für Europäische Kulturgeschichte entstandene Publikationen zur Wissenschaftsgeschichte sowie zu Theorie- und Methodenproblemen der Kulturgeschichte:

Bücher:

Achim Landwehr/Stefanie Stockhorst: Einführung in die Europäische Kulturgeschichte. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2004, 419 S.

Einführung kl

Die Kulturwissenschaften überwinden gegen-wärtig eine auf die Nationalstaaten fixierte Betrachtungsweise. Der Band liefert eine Einführung in die Kulturgeschichte Europas mit einem Schwerpunkt auf der Frühen Neuzeit. Behandelt werden Kultur und Kulturgeschichte als Konzepte fächerübergreifender Forschung, ihre zentralen Themen und die besonderen Merkmale des europäischen Kulturraums seit dem Beginn der Neuzeit. Zahlreiche Abbildungen, Hinweise zu Arbeitstechniken und eine Auswahlbibliographie vervollständigen den Band.

  

 

Silvia Serena Tschopp/Wolfgang E. J. Weber: Grundfragen der Kulturgeschichte. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, 152 S.

Grundfragen Kulturgeschichte kl

Kulturgeschichte bearbeitet ein schier grenzenlos großes Gebiet, sucht sie doch die unterschiedlichen menschlichen Erfahrungs-welten in ihrer Gesamtheit und in ihren Wechselbeziehungen in den Blick zu nehmen. Seit ihrem Entstehen in der Aufklärung und im 19. Jahrhundert wurden heftigste Debatten über Ausrichtung und Methoden dieser Disziplin geführt. Heute sind die Kulturwissenschaften vitaler denn je, weshalb es dringend notwendig ist, Übersicht in die Vielfalt zu bringen. Silvia Serena Tschopp und Wolfgang E.J. Weber führen in die wesentlichen theoretischen und thematischen Bereiche der Kulturgesichte ein und geben einen Überblick über die dazu maßgeblichen Kontroversen. In einem abschließenden Kapitel werden die wesentlichen Quellen, das Arbeitsmaterial der Kulturgeschichte systematisch beleuchtet: Text – Bild – (symbolische) Handlung – Objekt. Eine ausführliche Bibliographie schließlich macht den Band zu einem Grundlagenwerk zum Einstieg in die Kulturgeschichte.

Silvia Serena Tschopp (Hg.): Kulturgeschichte. Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2008, 250 S.

Kulturgeschichte Basistexte kl

Kulturgeschichte stellt ein aktuelles, jedoch keinesfalls neues Paradigma historischer Forschung dar. Bereits im 19. Jahrhundert forderten ihre Vertreter, das „Ganze der Geschichte“ in den Blick zu nehmen – und diskutierten Grundprobleme historischer Erkenntnis, die heute auch die „Neue Kulturgeschichte“ beschäftigen: Was soll den Gegenstand historischer Forschung bilden? Durch welchen methodischen Zugriff lässt sich geschichtliche Erfahrung adäquat begreifen? Und in welchen Darstellungsformen findet sie den ihr angemessenen Ausdruck? Diese Anthologie stellt Studierenden und Lehrenden zentrale Texte der Forschungsgeschichte zur Verfügung, die einen Einblick in die begrifflichen und theoretischen Prämissen, die Programmatik und Methodologie sowie die wichtigsten Forschungsfelder der Kulturgeschichte geben. Eine ausführliche Einleitung, die die Beiträge erläutert und in ihren wissenschaftshistorischen Kontext einordnet, rundet den Band ab.

Aufsätze mit programmatischem Charakter:

Tschopp, Silvia Serena: Dilettantismus versus Wissenschaft? Kulturgeschichte und die Formierung der Geschichtswissenschaft als ‚akademischer Zunft‘ im späten 19. Jahrhundert in Deutschland. In: Macht und Kommunikation. Augsburger Studien zur Europäischen Kulturgeschichte. Hg. von Dies. und W. E J. Weber (Hg.), Berlin 2012 (Colloquia Augustana 30), S. 135-166.

Tschopp, Silvia Serena: Kulturwissenschaft versus Kulturwissenschaften? In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) 36 (2011), S. 401-407.

Tschopp, Silvia Serena  Die Neue Kulturgeschichte – eine (Zwischen)Bilanz. In: Historische Zeitschrift 289 (2009), S. 573-606.

Tschopp, Silvia Serena: Das Unsichtbare begreifen. Die Rekonstruktion historischer Wahrnehmungsmodi als methodische Herausforderung der Kulturgeschichte. In: Historische Zeitschrift 280 (2005), S. 39-81.

Silvia Serena Tschopp: Programmatischer Eklektizismus. Kulturgeschichte im Spannungsfeld europäischer Wissenschaftstraditionen. In: Kulturgeschichte. Fragestellungen, Konzepte, Annäherungen. Hg. von C. Lutter, M. Szöllösi-Janze und H. Uhl,  Innsbruck u.a. 2004, S. 37-59.

Landwehr, Achim: Diskurs – Macht – Wissen. Perspektiven einer Kulturgeschichte des Politischen. In: Archiv für Kulturgeschichte 85 (2003), S. 71-117.