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Globalisierung des Privaten – Deutsch-ausländische Familien und Politik seit 1870

Bei jeder siebten Ehe, die in Deutschland heute geschlossen wird, haben die Ehepartner einen unterschiedlichen Pass. Bei den Geburten sind die Zahlen noch höher: Jedes dritte Kind entstammt aus bi-nationalen Verbindungen, was widerspiegelt, wie vielfältig die Migrationsgesellschaft in der Bundesrepublik geworden ist. Inzwischen leben Angehörige von ca. 190 Nationen in der Bundesrepublik und bilden eine ca. sieben Millionen-starke Gruppe ohne deutschen Pass. Zu Beginn der ersten Globalisierung, die um die Wende zum 20. Jahrhundert verortet wird, waren die Zahlen noch deutlich niedriger. Mit der Wende von 19. zum 20. Jahrhundert überstieg der Anteil der Ausländer im Deutschen Kaiserreich erstmals ein Prozent der Gesamtbevölkerung. Dennoch waren bi-nationale und Mischehen ein Thema, das damals schon Politik und Gesellschaft beschäftigte – und das blieb durch das ganze Jahrhundert so, wenngleich in ganz unterschiedlichen Konstellationen. Am Bekanntesten und am besten erforscht ist das Verbot deutsch-jüdischer Mischehen im Nationalsozialismus. Andere Aspekte des Themas sind kaum erarbeitet. An dieser Forschungslücke setzt das Buchprojekt an, das die rechtlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Dimensionen bi-nationaler Ehen auslotet. Verwaltungspraxen interessieren ebenso wie kulturelle Zuschreibungen und das alltägliche Leben. Ein weiterer Aspekt ist die wirtschaftliche Komponente von Heiratsmigration. Grundlage der Arbeit sind sowohl Behördendokumentationen als auch individuelle Lebensgeschichten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der verflechtungsgeschichtlichen Dimension mit Osteuropa.