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Global Holocaust? Die Vernichtung der europäischen Juden als Gegenstand transatlantischer Erinnerung im globalen Kontext.

Ungeachtet einer Entgrenzung der Erinnerung an die Ermordung der europäischen Juden – die sich in Schlagwörtern wie „Universalisierung“ und „Globalisierung“ des Holocaust niederschlägt – fragt dieses Projekt, inwiefern sich tatsächlich von einer Globalisierung des Holocaust sprechen lässt. Wo liegen die potentiellen Grenzen „westlicher Erinnerung“, nicht zuletzt angesichts der wachsenden Rolle von aufstrebenden Schwellenmächten wie China und Indien? Wie wirkt sich zugleich die „innere Globalisierung“ der westlichen Länder auf die Erinnerungskulturen im alten Westen aus, da wachsende Teile der Bevölkerung aus Ländern stammen, die historisch nicht in der gleichen Weise in der Tradition der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges stehen?

Diese Fragen sind von einschneidender Bedeutung für die Zukunft der transatlantischen Beziehungen und der Beziehungen Europas zu Israel, stoßen doch Europäer und Amerikaner mit ihrem Anspruch auf Universalisierung der Holocaust-Erinnerung immer wieder auf Widerspruch bei ihren Partnern außerhalb des nordatlantischen Westens, aber auch innerhalb ihrer Gesellschaften. Hat „der Westen“ hier ein identitätsstiftendes Gemeinsames gefunden, das zugleich dazu führt, dass er sich mit seiner Holocaust-zentrischen Erinnerungskultur – so der Vorwurf „postkolonialer“ Kritiker – von nicht-westlichen Kulturen abgrenzt? Und wie gehen ethnische Minoritäten in den jeweiligen Ländern mit dem hegemonialen Erinnern an den Holocaust um?

Zur Erörterung dieser Problematik und zur Entwicklung einer Agenda für weitere Forschungen veranstaltet die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums (GETK) gemeinsam mit dem Center for Holocaust Studies der University of Vermont und dem Haifa Center for German and European Studies mehrere Workshops.

Der erste Workshop fand am 10./11. Juni 2011 an der Universität Augsburg statt (Programm und Bericht, veröffentlicht auf HSozKult), der zweite Workshop am  4./5. Januar 2012 an der Universität Haifa (Programm und Bericht). The Bulletin of the Carolyn an Leonard Miller Center for Holocaust Studies brachte im Frühling 2012 einen Bericht über beide Workshops (Zum Artikel).
Für den Herbst 2013 ist eine Abschlusskonferenz an der University of Vermont geplant.

Das Forschungsprojekt wird von der Stiftung Deutsch-Amerikanische Wissenschaftsbeziehungen (SDAW) teilfinanziert und von Prof. Dr. Philipp Gassert (Augsburg), Prof. Dr. Gilad Margalit (Haifa) und Prof. Dr. Alan E. Steinweis (Vermont) geleitet.



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