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Die Lehrstühle für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums und für Neuere und Neueste Geschichte laden ein zum Vortrag „Zionismus zwischen Ideologie und Pragmatismus in der NS-Judenpolitik“ von Professor Dr. Francis R. Nicosia (University of Vermont) am 9. Juni 2011, 19:30 in der Neuen Stadtbücherei (Ernst-Reuter-Platz 1, Augsburg).

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Zum Thema: In seinem Vortrag wird Professor Nicosia darlegen, dass die NS-Judenpolitik häufig durch Nützlichkeitserwägungen gegenüber der Ideologie dominiert wurde. In Zusammenhang mit dieser ambivalenten Haltung hatten sich die Nazis drei von Juden angeregte Initiativen als Bestandteile ihrer Auswanderungspolitik vor 1941 zu Eigen gemacht. Dies zeigt sich vor 1941 in den oft erbitterten Streitigkeiten über Ideologie und Politik zwischen Staats- und Parteidienststellen, wobei die Widersprüche zwischen Ideologie und Politik beim Festhalten an jüdischen Initiativen wie Haavara, Hachschara, und Aliyah-beth vor 1941 offenkundig waren. Der Ideologie zufolge war das jüdische Vermögen dem deutschen Volk gestohlen worden; dennoch ermöglichte das Haavara-Abkommen den teilweisen Transfer jüdischen Vermögens nach Palästina. Auch wenn die Juden unfähig waren, “anständiger Arbeit” nachzugehen, warum wurden die Hachschara-Programme als Mittel zur Vorbereitung junger Juden auf  Landwirtschaft und Handwerk in Palästina und anderswo anerkannt? Und wenn die Nazis die völlige Trennung der Juden von Ariern verlangte, so erforderte die Hachschara-Arbeit zur Umschulung junger Juden doch den Kontakt zwischen Juden und Ariern, da die Juden sehr oft bei arischen Landwirten und Handwerkern lernen mussten. Schließlich stand die ideologische Ablehnung eines unabhängigen jüdischen Staates ganz und gar im Widerspruch zur praktischen NS-Judenpolitik, in der die jüdische Auswanderung (auch illegal durch die Aliyah-beth) nach Palästina eine so große Rolle spielte.

 

Zur Person: Professor Nicosia ist seit 2008 Raul Hilberg Distinguished Professor of Holocaust Studies an der University of Vermont und einer der profiliertesten amerikanischen Experten für die deutsche Nahostpolitik während des Dritten Reiches. Nicosias Lehrstuhl war 2006 zu Ehren des bekannten Holocaust-Forschers und langjährigen Professors in an der University of Vermont Raul Hilberg (wichtigste Veröffentlichung: „Die Vernichtung der europäischen Juden“, 3 Bände) eingerichtet worden.

Prof. Nicosia wurde 1978 promoviert und veröffentliche 1985 eine Darstellung über die Politik des Dritten Reiches in der Palästinafrage. 2000 folgte in Zusammenarbeit mit Donald Niewyk die Veröffentlichung des „The Columbia Guide to the Holocaust“. 2008 erschien sein neuestes Buch „Zionism and Anti-Semitism in Nazi Germany“, welches dieses Jahr im Wallstein Verlag auf Deutsch erscheinen wird. Nicosia ist zudem Mitherausgeber und Verfasser zahlreicher Artikel und Bücher zur Geschichte des Dritten Reiches und des Antisemitismus.

1992 – 1993 war Nicosia ResearchFellow am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin sowie 2002 am U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington D.C.

Derzeitig arbeitet Professor Nicosia an einer umfassenden Darstellung der Nahostpolitik des Dritten Reiches. Weitere Informationen zu Professor Nicosia sind zu finden auf den Internetseiten der University of Vermont.

Alle Informationen in der > Einladung

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