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Kristian Buchna, Nationale Sammlung an Rhein und Ruhr. Friedrich Middelhauve und die nordrhein-westfälische FDP 1945-1953 (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 101), München (Oldenbourg) 2010, 248 S., ISBN 978-3-486-59802-5

 

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Nationale Sammlung – das Schlagwort stand zu Beginn der Bundesrepublik für das politische Ziel, einen dritten Block rechts von CDU/CSU und SPD zu schaffen. Vordenker und Protagonist dieser Politik war Friedrich Middelhauve. Der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen FDP wollte seinen Landesverband zum Ausgangspunkt einer rechtsnationalen Sammlungsbewegung machen und gewann für sein Vorhaben zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten. Die Gefahr einer „Nazi-FDP“ (Theodor Heuss) konnte erst 1953 in Folge der sog. Naumann-Affäre gebannt werden, in der rechtsextreme Aktivisten mit Kontakten zum Umfeld Middelhauves durch die britische Besatzungsmacht verhaftet wurden. Kristian Buchna untersucht akribisch die Geschichte eines höchst umstrittenen politischen Projekts und stellt den Versuch der Nationalen Sammlung in die ideengeschichtlichen Traditionen des deutschen Liberalismus.

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Sarah Bornhorst, Selbstversorger. Jugendkriminalität während des Ersten Weltkriegs im Landgerichtsbezirk Ulm, Konstanz (UVK) 2010, 374 S., ISBN 978-3-86764-249-1

 

Selbstversorger

 

Die »Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts« wirkte sich massiv auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung an der sogenannten »Heimatfront« aus. Am Beispiel eines süddeutschen Landgerichtsbezirks werden die speziellen Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auf die Kriminalität Jugendlicher analysiert: Einerseits werden deren Erscheinungsformen in den Blick genommen, andererseits wird nach dem Umgang der Richter mit den vor ihnen stehenden delinquenten Jugendlichen gefragt. Denn »Jugend« und »Kriminalität« waren Themen, die die wilhelminische Gesellschaft in besonderem Maße beschäftigten – gerade unter den Bedingungen des Krieges.
 
Mit der vorliegenden Arbeit, die mit dem Geschichtspreis der Museumsgesellschaft Ulm e.V. ausgezeichnet wurde, promovierte die Autorin 2008 an der Universität Augsburg.

 

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Martina Steber, Ethnische Gewissheiten. Die Ordnung des Regionalen im bayerischen Schwaben vom Kaiserreich bis zum NS-Regime (Bürgertum, Neue Folge 9), Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2010, 638 S., ISBN 978-3-525-36847-3

Steber, Ethnische Gewissheiten

Vom Kaiserreich bis in die NS-Zeit prägten kleinräumige Lebenswelten das Dasein. Für die Zeitgenossen war das alltägliche Handeln im kleinen Raum selbstverständlich. In einer sich wandelnden Welt stifteten die eigene Gemeinde, Stadt und Region Identität und Sinn. In welchem Verhältnis standen hierbei regionale Identität und andere identitäre Bezugssysteme, welche Ideen verbanden sich mit dem Entwurf des Regionalen und welchen Einfluss übte er auf Gesellschaft und Politik aus? Martina Steber verfolgt am Beispiel des bayerischen Schwaben die mentale Konstruktion des Regionalen und taxiert seine Funktion und Relevanz in eben jenem Zeitraum, in dem sich die Ambivalenz der Moderne so schillernd und grauenvoll zugleich zeigte.

Inhaltsverzeichnis

Dr. Martina Steber ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Historischen Institut London.

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Franz Josef Merkl, General Simon. Lebensgeschichten eines SS-Führers, Augsburg (Wißner) 2010, 600 S., ISBN 978-3-89639-743-0

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1899 in Breslau geboren, nahm Max Simon ab 1917 als Sanitäter am Ersten Weltkrieg und danach an Grenzschutzeinsätzen in Schlesien teil. Er trat in die Reichswehr über und schied nach zwölfjähriger Dienstzeit als Wachtmeister in einem Reiterregiment aus. Seit 1932 Mitglied der NSDAP, trat er 1933 der SS bei und machte in den KZ-Wachmannschaften eine erstaunliche Karriere. In den Mörderschulen Sachsenburg und Dachau hatte er wesentlichen Anteil an der Kriminalisierung, Brutalisierung und Militarisierung der jungen SS-Männer. Seine Karriere setzte er trotz des Fehlens jeder mehr als nur handwerklichen militärischen Qualifikation in der Waffen-SS fort, kam in Frankreich, der Sowjetunion, Norditalien und Süddeutschland zum Einsatz und brachte es bis Kriegsende zum Kommandierenden General eines SS-Armeekorps.

Nach dem Krieg wurde er wegen Massenmorden seiner Division an der Zivilbevölkerung in Norditalien zum Tod verurteilt, mehrfach begnadigt und 1954 aus politischen Gründen aus britischer Haft entlassen. Ein sowjetisches Verfahren gegen ihn fand trotz schwerer Vorwürfe nicht statt. Zwischen 1955 und 1960 sprachen ihn drei bayerische Schwurgerichte vom Vorwurf des Mordes an den drei „Männern von Brettheim" frei. Die deutsche Öffentlichkeit begleitete die skandalösen Verfahren kritisch. Einem vierten Prozess kam Simons überraschender Tod 1961 zuvor.

Die in fast allen Lebensgeschichten Simons unübersehbar enge Verbindung von exzessiver, oft krimineller Gewalt mit gleichzeitigem Statusgewinn legt eine Orientierung an der neueren Täterforschung nahe. Simons enge Kooperation mit der Wehrmacht und das spätere Eintreten ranghoher Offiziere für ihn ermöglichen zudem einen Blick auf das gar nicht so schlechte Verhältnis zwischen Wehrmacht und Waffen-SS. Der Umgang der Justiz mit ihm zeigt die vergangenheitspolitische Milde der jungen Bundesrepublik. Max Simons schärfster Gegner wurde die deutsche Öffentlichkeit, die den Mord an ihren Brettheimer Landsleuten geahndet sehen, aber von seiner Rolle im KZ-System und während des Krieges nichts wissen wollte. Trotzdem brachte der Streit um Simons deutsche Opfer die Diskussion um die „unbewältigte Vergangenheit" wesentlich voran.

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Stefan Paulus, Vorbild USA? Amerikanisierung von Universität und Wissenschaft in Westdeutschland 1945 - 1976, herausgegeben vom Institut für Zeitgeschichte, Bd. 81, München (Oldenbourg) 2010, 617 S., ISBN 978-3-486-59642-7

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Die aktuelle Debatte über die Reform der Hochschulen ist offensichtlich an US-amerikanischen Vorbildern ausgerichtet. Überraschen mag, dass diese Auseinandersetzung bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurückreicht. Stefan Paulus beleuchtet erstmals die amerikanisch-deutschen Interaktionen und den amerikanischen Einfluss auf die deutsche Universitäts- und Wissenschaftspolitik nach 1945. unter kultur- und wissenschaftshistorischer Perspektive werden die Voraussetzungen, der Verlauf bis zur Verabschiedung des ersten Hochschulrahmengesetzes im Jahre 1976 analysiert. Die Orientierung an amerikanischen Modellen wird dabei stets thematisiert.

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Volker Dotterweich / Karl Filser (Hg.), Landsberg in der Zeitgeschichte - Zeitgeschichte in Landsberg, München (Vögel) 2010, 556 S., ISBN: 978-3-89650-310-7

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Zeitgeschichte in Landsberg - im 20. Jahrhundert wird Landsberg in einer wohl einzigartigen Verdichtung zum Schauplatz der großen Geschichte: als Ort der Festungshaftanstalt, in der Hitler und weitere Akteure des Novemberputsches von 1923 wegen Hochverrats einsaßen; als Ort der Außenlager des KZ Dachau, an dem Tausende überwiegend jüdischer Häftlingsarbeiter einem wahnwitzigen Rüstungsprojekt zum Opfer fielen; als Ort eines der bedeutendsten Auffanglager für Überlebende des Holocaust (Displaced Persons Camp); und als Ort des Kriegsverbrechergefängnisses Nr. 1 der amerikanischen Besatzungsmacht, in dem bis 1951 nicht weniger als 285 Todesurteile vollstreckt wurden. Zeitgeschichte in Landsberg - das sind Szenarien der Vergangenheit,die den Namen der Stadt weltweit bekannt gemacht haben.

Landsberg in der Zeitgeschichte - das ist der Weg einer Bayerischen Kleinstadt ins 20. Jahrhundert und ihre Entwicklung vom Ersten Weltkrieg über die Weimarer  Republik und das Dritte Reich bis in die Nachkriegszeit. Landsberg in der Zeitgeschichte, das sind die großen historischen Zäsuren "vor Ort": der Umsturz der Revolution von 1918 /19, das Scheitern der ersten deutschen Demokratie, die nationalsozialistische Diktatur und der Neubeginn und Neuaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, nach Flucht, Vertreibung und politischer Säuberung, das sind auch individuelle Entscheidungen und Lebenslinien im historischen Kontext, nicht aber moralische und politische Verantwortlichkeiten der Gesamtbevölkerung einer Stadt, die es als moralisch und politisch verantwortliches Kollektiv hier - wie andernorts - ohnehin nicht gibt.

Landsberg in der Zeitgeschichte - Zeitgeschichte in Landsberg umfasst auch die Frage, wie Mitlebende die Momente der Geschichte des 20. Jahrhunderts wahrgenommen haben.

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Stig Förster / Christian Jansen / Günther Kronenbitter (Hrsg.), Rückkehr der Condottieri? Krieg und Millitär zwischen staatlichem Monopol und Privatisierung, Paderborn (Schöningh), 326 S., ISBN: 978-3506767547

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Spätestens mit dem Krieg der USA im Irak ist die bedeutende Rolle privater Sicherheitsfirmen im modernen Krieg deutlich geworden. Ist die Zeit der großen Armeen zu Ende, kehrt die der privaten "Unternehmer des Krieges" zurück?
Der Band untersucht das historische Spannungsverhältnis zwischen privaten Truppen, Söldnern, Condottieri und Kriegsherren einerseits und der Monopolisierung der bewaffneten Macht, des Krieges und der Kriegsführung durch den Staat andererseits, von der Antike bis zur Gegenwart.

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Stefan Grüner: Geplantes "Wirtschaftswunder"? Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973, München (Oldenbourg) 2010, 493 S., ISBN: 978-3-486-56600-0

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Die "Goldenden Jahre" hohen Wirtschaftswachstums und beschleunigten strukturellen Wandels nach dem zweiten Weltkrieg zählen zu den prägnantesten Abschnitten der Zeitgeschichte. Zwischen den ausgehenden 1940er Jahren und der Rezession nach 1973/74 erlebten die westlichen Industriestaaten eine beispiellose Phase der Prosperität. Allerdings verlief der begleitende sozialökonomische Wandlungsprozess in den Teilräumen der Bundesrepublik keineswegs einheitlich, wie Stefan Grüner am Beispiel Bayerns nachweist. Bayern stieg vom Agrargland zu einer führenden Industrie- und Dienstleistungsregion auf und entwickelte sich bis in die 1980er Jahre neben Baden-Württemberg zum wirtschaftlich dynamischsten Bundesland. Im Mittelpunkt der Analyse steht die Frage nach den Möglichkeiten, aber auch den Grenzen politischer Steuerung: Welche Rolle spielten dabei Perzeptionen und Leitbilder? Wie stand es um das Verhältnis von Lenkungskonzeptionen und deren Umsetzung, wie um die Verflechtung von finanzpolitischen, raumordnenden und regionalwirtschaflichen Strategien?

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Andreas Wirsching (Hrsg.): Das Jahr 1933. Die nationalsozialistische Machteroberung und die deutsche Gesellschaft. Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Göttingen (Wallstein) 2009, 284 S., ISBN: 978-3-8353-0512-0

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Das Jahr 1933 bildet einen klassischen Gegenstand der zeitgeschichtlichen Forschung. Anknüpfend an ältere Forschungsergebnisse, erweitern die Autorinnen und Autoren dieses Bandes das Spektrum und fragen vor allem nach den konkreten gesellschaftlichen Bedingungen der nationalsozialistischen Machtdurchsetzung und den unmittelbaren Reaktionen auf Hitlers Herrschaft. Welche gesellschaftlichen Zustimmungspotenziale gab es? Wie bedeutsam war politisch und materiell geleiteter Opportunismus? Welche Rolle spielten staatliche Repression und Gewalt?

Welches Gewicht diesen Elementen im einzelnen zukam und wie sie sich zueinander verhielten, ist eine wichtige Forschungsfrage, die freilich nicht abschließend geklärt ist. Die Einzelbeiträge des Bandes untersuchen sie aus unterschiedlichen Perspektiven und thematisieren unter anderem die Rolle der Eliten, sozialer Interessengruppen und Verwaltungsinstanzen. Übergreifende Deutungen werden dabei mit Forschungsergebnissen zur Regionalgeschichte verknüpft.

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Elke Seefied (Hrsg.), Theodor Heuss. In der Defensive. Briefe 1933 - 1945, München (K. G. Saur) 2009, 646 S., ISBN: 978-3-598-25124-5

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Unter dem nationalsozialistischen Regime geriet Theodor Heuss rasch in die Defensive. Er verlor fast alle seine öffentlichen Ämter und Funktionen. Doch als Publizist verteidigte Heuss seine liberalen Überzeugungen. Wir begegnen einem Bildungsbürger, der versuchte, sich in einer feindlichen politischen Umwelt Freiräume zu erkämpfen. In den 194 ausgewählten, zumeist unbekannten Briefen spiegeln sich seine aufregende Biographie und die dramatischen Zeitläufe von der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 bis zum Kriegsende 1945.

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Thomas Raithel, Andreas Rödder, Andreas Wirsching (Hrsg.), Auf dem Weg in eine neue Moderne? Die Bundesrepublik Deutschland in den siebziger und achtziger Jahren, München (Oldenbourg) 2009, 205 S., ISBN: 978-3-486-59004-3.

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Die jüngste Geschichte der westlichen Staaten ist von einem fundamentalen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Transformationsprozess gekennzeichnet. Welche Faktoren können es in diesem Zusammenhang rechtfertigen, den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts einen besonderen Ort zuzuweisen? Und umgekehrt, welche Aspekte sprechen dagegen, von einer eigenständigen Periode auszugehen? Solche Fragen am Beispiel der Bundesrepublik, zu diskutieren, ist das Anliegen dieses Bandes.

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Jürgen Finger, Sven Keller und Andreas Wirsching, Vom Recht zur Geschichte. Akten aus NS-Prozessen als Quellen der Zeitgeschichte, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2009, 301 S., 4 Abb., ISBN 978-3-525-35500-8.

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Die juristische Aufarbeitung war ein zentrales Element des Ringens um einen adäquaten Umgang mit der NS-Vergangenheit. Die aus der Strafverfolgung von NS-Verbrechen hervorgegangenen Justizakten werden von der zeithistorischen Forschung längst als unverzichtbare Quelle für die Erforschung der nationalsozialistischen Verbrechen und der Vernichtungspolitik des NS-Regimes herangezogen.

In diesem Band schildern ausgewiesene Historiker Hintergründe der Strafverfolgung von NS-Verbrechen. Auf der Basis ihrer eigenen Forschungsinteressen stellen sie quellenkritische und methodische Überlegungen an, reflektieren Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung juristischen Aktenmaterials aus NS-Prozessen als Quelle und geben Anregungen und praktische Hinweise für künftige Forschungen.

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Andreas Wirsching, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft (Enzyklopädie Deutscher Geschichte 58), 2., um einen Nachtrag erweiterte Auflage, München (Oldenbourg) 2008, 198 S., ISBN 978-3-486-58736-4.

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In der zweiten Auflage diskutiert Andreas Wirsching in einem ausführlichen Nachtrag die Schwerpunkte der seit 2000 zu verzeichnenden Forschung und ergänzt die seitdem erschienene Literatur. Er führt dem Leser eingehend vor Augen, wie viele unterschiedliche Faktoren beim Untergang der Weimarer Republik zusammenwirkten. Zu keinem Zeitpunkt war das Scheitern der ersten deutschen Demokratie unausweichlich vorprogrammiert; doch ihr fehlte die Zeit, um aus der Krise von Weltkriegsniederlage und Revolution gestärkt hervorzugehen und zu einer stabilen "Normalität" zu gelangen. Dieses Grundproblem der Weimarer Republik schlug sich in ihrer ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklung gleichermaßen nieder. Wichtige Stichworte hierfür lauten: Probleme des Parlamentarismus und des Parteiensystems, die Überforderung der Weimarer Republik als Sozialstaat, die überwiegend prekäre wirtschaftliche Situation, Probleme der politischen Kultur, schließlich der politische Extremismus.

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Richard Heigl, Oppositionspolitik. Wolfgang Abendroth und die Entstehung der Neuen Linken (1950-1968) ( Berliner Beiträge zur kritischen Theorie Bd. 6), Hamburg (Argument) 2008, 372 S., ISBN 978-3-88619-333-2.

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Das Jahr 1968 war der Höhepunkt einer weltweiten politischen Mobilisierung. Bis heute prägen viele Erkenntnisse, politische Handlungsmuster und das Geschichtsbild jener Jahre die außerparlamentarische Politik und Kultur. Die globale Epochenwende von 1968 verlief allerdings sehr unterschiedlich. Die Entwicklung in Deutschland wird im kollektiven Gedächtnis weitgehend mit der antiautoritären Neuen Linken und ihren Symbolfiguren Rudi Dutschke und Fritz Teufel identifiziert. So konzentrierte sich die historische Forschung auf die Revolte von 1967/68 und die von der antiautoritären Linken durchgesetzten politisch-kulturellen Neuerungen. Damit war der Blick auf die linkssozialistische Strömung verstellt, die nicht nur maßgeblichen Anteil an der »intellektuellen Gründung der Bundesrepublik« hatte, sondern für die Bildung der außerparlamentarischen Opposition unverzichtbar war. Am Beispiel des Marburger Juristen und Politologen Wolfgang Abendroth (1906–1985) rekonstruiert und veranschaulicht Richard Heigl in einer historisch-kritischen Studie linkssozialistische Theorie und Praxis.

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Andreas Wirsching (Hrsg.) und Jürgen Eder (Hrsg.), Vernunftrepublikanismus in der Weimarer Republik. Politik, Literatur, Wissenschaft (Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus. Wissenschaftliche Reihe, Bd. 9), Stuttgart (Steiner) 2008, 330 S., ISBN 978-3-515-09110-7.

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Der vorliegende Band stellt diesen über lange Jahre bestehenden Forschungskonsens in Frage, indem er den Begriff des „Vernunftrepublikanismus“ zum Ausgangspunkt der Reflexion macht. „Vernunftrepublikanismus“ war bislang ein konturloses Schlagwort, das sich lediglich auf einige bürgerlich-liberale Intellektuelle bezog und diese mit dem Vorwurf konfrontierte, die Weimarer Republik nicht mit dem „Herzen“ verteidigt zu haben.

Die Autorinnen und Autoren des Bandes erweitern dieses enge Begriffsverständnis und untersuchen, inwieweit „vernunftrepublikanische“ Haltungen in unterschiedlichen Segmenten von Politik, Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft der Weimarer Republik zu identifizieren sind. Der Begriff des „Vernunftrepublikanismus“ gewinnt dadurch an Tiefenschärfe und eröffnet die Chance, die Geschichte der Weimarer Republik unter neuen Gesichtspunkten zu diskutieren.

Inhaltsverzeichnis des Bandes (pdf, 100KB).

Tagungsbericht von Martina Steber bei H-Soz-u-Kult v. 5.11.2006 oder bei der AHF: AHF-Information Nr. 152/2006 v. 17.10.2006 (pdf, KB).


Josef Becker (Hg.), Bismarcks spanische "Diversion" 1870 und der preußisch-deutsche Reichsgründungskrieg. Quellen zur Vor- und Nachgeschichte der Hohenzollern-Kandidatur für den Thron in Madrid 1866-1932, 3Bände, hier Bd. 3: Spanische "Diversion", "Emser Depesche" und Reichsgründungslegende bis zum Ende der Weimarer Republik. 12. Juli 1870 - 1. September 1932, Paderborn u.a. (Schöningh) 2008, XXXV + 638 Seiten, 11 Abb., ISBN 978-3-506-70720-8.

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Stimmen zu Bd. 1 und 2 (s. Archiv):

"(...) eine wissenschaftliche Leistung, die gar nicht hoch genug anerkannt werden kann." Hans-Ulrich Wehler

"(...) a model of its kind - (...) the most exciting collection of Bismarckiana in a generation." David Wetzel, Berkeley

 

"Große Kriege der Geschichte werden zu großen Kriegen über die Geschichte." (M. Óren) Nach der Entlassung Bismarcks durch Wilhelm II. 1890 und im Zusammenhang mit den folgenden Enthüllungen des Reichsgründers über die Vorgänge um die »Emser Depesche« begann in Frankreich und im Deutschen Reich eine intensive Diskussion über die Ursachen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Nach der Niederlage des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg, die in Deutschland nicht verstanden wurde und unverarbeitet blieb, wurde die Debatte während der Weimarer Republik in Verbindung mit dem Kampf gegen den „Kriegsschuldparagraphen« des Versailler Vertrags in verschärfter Form fortgeführt.

Für die Forschung war und blieb es dabei ein Handikap, dass ihr wegen der Geheimhaltungspolitik aller Reichsregierungen bis zum Ende von Hitlers »Drittem Reich« die sekreten preußischen Akten für die Vorgeschichte der kriegsauslösenden spanischen Thronkandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen versperrt blieben. Die vorliegende umfassende Edition in drei Bänden enthält erstmals die Originalversion der bislang nur in einer englischen Übersetzung von 1957 vorliegenden geheimen Dossiers des Auswärtigen Amtes sowie die einschlägigen Dokumente der süddeutschen Hohenzollern aus Sigmaringen und Bukarest. Ergänzt wird die Publikation durch die hochinteressante zeitgenössische Korrespondenz zwischen König Wilhelm I. und Königin Augusta (der gescheiterten Gegenspielerin Bismarcks), durch Materialien aus privaten Nachlässen, durch diplomatische Akten aus einer Reihe europäischer Archive sowie durch die Benutzerdossiers des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes für die preußischen Geheimakten (bis 1932).




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Andreas Wirsching (Hrsg.), Herausforderungen der parlamentarischen Demokratie. Die Weimarer Republik im europäischen Vergleich (Schriftenreihe der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte 13), München, (Oldenbourg) 2007, 883 Seiten, ISBN 978-3-486-58337-3.

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Die Krise des Parlamentarismus erfasste in der Zwischenkriegszeit nicht nur die Weimarer Republik, sondern fast alle europäischen Demokratien. Sieger wie Besiegte mussten die wirtschaftlichen, sozialen und mentalen Folgelasten des Ersten Weltkrieges bewältigen. Während sich in Großbritannien und zunächst auch in Frankreich das parlamentarische System stabilisierte, erlag es in Italien dem Faschismus und in Deutschland dem Nationalsozialismus. Die Frage, inwieweit sich diese unterschiedlichen Entwicklungen aus Besonderheiten der Parteiensysteme, der Rolle der Verbände oder sozial- und arbeitsmarktpolitischer Problemlagen der jeweiligen Länder ableiten lassen, durchzieht die Beiträge dieses Sammelbandes. (Umschlagtext)

Aus dem Inhalt: Vorwort | Einleitung von Andreas Wirsching | Hans Mommsen: Die Krise der parlamentarischen Demokratie im Europa der Zwischenkriegszeit | Erster Teil: Parlamentarismus und Kriegsfolgen | Thomas Mergel: Das parlamentarische System von Weimar und die Folgelasten des Ersten Weltkrieges | Sven Reichardt: Der Zusammenbruch des Parlamentarismus in Italien nach dem Ersten Weltkrieg 1919 bis 1929 | Thomas Raithel: Krise und Stabilisierung des Parlamentarismus in Frankreich 1918 bis 1926 | Zweiter Teil: Politische Parteien und gesellschaftliche Interessen | Stefan Grüner: Probleme des Weimarer Parteiensystems im Vergleich | Werner Plumpe: Der Reichsverband der Deutschen Industrie und die Krise der Weimarer Wirtschaft | Klaus Schönhoven: Kommentar zu den Beiträgen von Stefan Grüner und Werner Plumpe | Dritter Teil: Arbeitsmarkt und Sozialstaat in der parlamentarischen Demokratie | Matthias Reiß: Staat, Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit in Deutschland und Großbritannien in den 1920er und 1930er Jahren | Gabriele Metzler: Die sozialstaatliche Dimension der parlamentarischen Demokratie im Europa der Zwischenkriegszeit | Werner Müller: Kommentar zu den Beiträgen von Matthias Reiß und Gabriele Metzler.



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Peer Oliver Volkmann, Heinrich Brüning (1885-1970). Nationalist ohne Heimat. Eine Teilbiographie (Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte, Band 52), Düsseldorf (Droste) 2007, 883 Seiten, ISBN 978-3-7700-1903-8.

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Heinrich Brüning, Zentrumspolitiker und Reichskanzler (1930–1932), gelang 1934 die Flucht vor den Nationalsozialisten. Er kam nach Aufenthalten in Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz in die USA, wo er von 1939 bis 1951 an der Harvard Universität lehrte. Brüning versuchte durch seine Kontakte zum deutschen Widerstand und zu führenden britischen und amerikanischen Politikern und Diplomaten, einen europäischen Krieg abzuwenden. Als sich die deutsche Kriegsniederlage abzeichnete, warb er für einen „soft peace“ zugunsten seines „Vaterlandes“. In der Nachkriegszeit forderte er ein Ende der Demontage- und Entnazifizierungspolitik, unterstützte die Gründung der CDU, lehnte aber die Außenpolitik Adenauers entschieden ab. Eine Rückkehr in die Politik blieb ihm versagt. Seine „Memoiren 1918–1934“ lösten bei ihrem Erscheinen 1970 heftige Kontroversen in Wissenschaft und Publizistik aus. (Klappentext).

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Elke Seefried, Reich und Stände. Ideen und Wirken des deutschen politischen Exils in Österreich 1933-1938 (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 147), Düsseldorf (Droste) 2006, 594 Seiten, ISBN 3-7700-5278-1.

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Österreich diente zwischen 1933 und dem »Anschluß« 1938 als Refugium für deutsche Emigranten. Der Zentrumspolitiker und ehemalige Reichskanzler Joseph Wirth, die späteren CDU-Bundestagsabgeordneten Hermann Görgen und Hubertus Prinz zu Löwenstein, »Konservative Revolutionäre«, Liberale, Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten fanden vorübergehend Zuflucht. Insgesamt flohen etwa 5000 Menschen von Deutschland nach Österreich.

Die Untersuchung »Reich und Stände« von Elke Seefried weist erstmals Österreichs Bedeutung als Exilland nach. Auf umfassender Quellengrundlage leistet die Autorin einen wichtigen Beitrag zur Emigrationsforschung. Darüber hinaus arbeitet sie in einem ideengeschichtlichen Zugriff langfristige ideelle Traditionslinien zwischen Weimarer Republik, Exilzeit und Nachkriegszeit heraus. Gruppenbiographische Längsschnittanalysen zeigen, wie sich politische Deutungsmuster über die äußeren Brüche hinweg erhielten oder unter dem Eindruck von Flucht, Exilerfahrung und der Remigration nach 1945 einem Transformationsprozeß unterlagen.

Im Mittelpunkt steht die katholische und konservative Emigration, die im »Ständestaat« eine kongeniale Operationsbasis vorfand. Zwei Leitideen, die sich eng mit dem Exilland Österreich verbanden, rücken ins Zentrum der Betrachtung: Zum einen Visionen eines deutschen oder mitteleuropäischen »Reiches«, die in der Endphase der Weimarer Republik, aber auch im Exil in ganz unterschiedlichen Lesarten evident werden, im Sinne übernationaler, nationaler oder nationalistischer Ordnungsmuster. Zum anderen prägten Vorstellungen einer »ständischen Ordnung« als Ergänzung oder Alternative zum demokratischen Parlamentarismus sowohl den politischen Diskurs Weimars als auch das Denken des deutschen Exils in Österreich. So dienten »Reich« und »Stände« als programmatische Integrationsklammern für die kurzzeitige Zusammenarbeit von katholisch-konservativen und konservativ-revolutionären Emigranten. Weil sich diese Ideen zum Teil mit österreichischen konservativen Denkmustern vermengten, gelang es mehreren politischen Emigranten, in der publizistischen Landschaft des »Ständestaates« eine bedeutsame Rolle zu spielen.

        Inhaltsverzeichnis (.pdf, 321 KB, externer Link auf www.kgparl.de)

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Andreas Wirsching, Abschied vom Provisorium. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1982-1990 (Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, 6), München (DVA) 2006, 848 S., 7 Zeichnungen, ISBN 3-421-06737-6.

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Als 1982 Helmut Kohl unter dem Schlagwort der »geistig-moralischen Wende« Kanzler wurde, hofften seine Anhänger auf Stabilität nach den unruhigen siebziger Jahren, seine Gegner fürchteten eine Zeit der Restauration. 1990 lag die erste Hälfte seiner Kanzlerschaft hinter ihm: Sie war geprägt von Auseinandersetzungen um Nachrüstung und Umweltpolitik; Massenarbeitslosigkeit und Rentendiskussion verunsicherten die Bevölkerung, die Medienlandschaft wurde revolutioniert.

Andreas Wirsching entwirft ein breites Panorama der achtziger Jahre. Er spürt den Tiefenkräften der bundesdeutschen Gesellschaft nach und beschreibt einen Epochenwechsel, der sich in drei Erscheinungen ausdrückt: einer Individualisierungsspirale, der Expansion des Sozialstaats und der Unterspülung seiner Fundamente infolge des demographischen, ökonomischen und soziokulturellen Wandels. Am Ende stand jedoch das alles überstrahlende Ereignis: die Wiedervereinigung. (Verlagswerbung)

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Andreas Wirsching (Hg.), Oldenbourg Geschichte Lehrbuch. Neueste Zeit, München (Oldenbourg) 2006, 478 S., 58 Abb., ISBN 3-486-20029-1.

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Eine Einladung in die Neueste Zeit!
Das Oldenbourg Geschichte Lehrbuch (OGL) Neueste Zeit gibt allen Studierenden der Neueren Geschichte den für ein erfolgreiches Studium entscheidenden Überblick über die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Band setzt mit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts ein, er erschließt die Epoche so im Ganzen.

Das OGL verbindet Lerneffekt und Leselust: Alle Beiträge funktionieren als abgeschlossene Themen- und Lerneinheiten; Querverweise stellen die Verbindungen her; Abbildungen, Graphiken und Karten veranschaulichen einzelne Aspekte. (Verlagswerbung)

Inhaltsverzeichnis (.jpg, 300 KB)

Autoren: Almut Bues, Christoph Conrad, Eckart Conze, Sabine Doering-Manteuffel, Jürgen Eder, Philipp Gassert, Constantin Goschler, Bernhard Grau, Stefan Grüner, Günter Hägele, Peter Helmberger, Thomas Hertfelder, Gerhard Hetzer, Manfred Hildermeier, Johannes Hürter, Lutz KLinkhammer, Hans-Christof Kraus, Günter Kronenbitter, Werner Lengger, Marcus Llanque, Stefan Martens, Herfried Münkler, Merith Niehuss, Alexander von Plato, Thomas Raithel, Cornelia Rauh-Kühne, Andreas Rödder, Ralf Roth, Peer Schmidt, Günther Schulz, Dirk Schumann, Willibald Steinmetz, Benedikt Stuchtey, Silvia Serena Tschopp, Thomas Welskopp, Udo Wengst, Andreas Wirsching, Jürgen Zarusky.

Oldenbourg Geschichte Lehrbuch (Homepage der Reihe)

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Babett Bauer, Kontrolle und Repression. Individuelle Erfahrungen in der DDR 1971-1989. Historische Studie und methodologischer Beitrag zur Oral History (Schriften des Hannah-Arendt-Instituts 30), Göttingen (Vandenhoeck & Rupprecht) 2006, 492 S., 2 Abb., ISBN 3-525-36907-7.

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Nähere Informationen finden Sie auf den Seiten des Hannah-Arendt-Instituts an der Technischen Universität Dresden.

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Andreas Zellhuber, "Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu ...". Das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die deutsche Besatzungsherrschaft in der Sowjetunion 1941-1945 (Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg 71), München (E. Vögel) 2006, 416 S., Abb., ISBN 9-783896-502131.

Der Band erscheint gleichzeitig in der von Peter März und Klaus Schroeder herausgegebenen Reihe Berlin & München. Studien zu Politik und Geschichte, Band 3, ISBN 9-783896-502124.

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Sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht die NS-Herrschaft über weite Teile Europas noch immer im Zentrum des zeitgeschichtlichen Interesses. Nach wie vor stellt sich der Forschung die Aufgabe, Lücken in der Geschichte der deutschen Besatzungsherrschaft zu schließen. Mit Andreas Zellhubers Studie liegt nun erstmals eine systematische Untersuchung des 1941 ins Leben gerufenen Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete vor.

Als oberste Besatzungsbehörde für die zivilverwalteten Gebiete der Sowjetunion nahm das von Alfred Rosenberg besetzte Ostministerium gegenüber vergleichbaren NS-Institutionen eine Sonderstellung ein. Allein die Zentrale in Berlin beschäftigte rund 1.600 Mitarbeiter. Hinzu kamen mehr als 20.000 Beamte, Angestellte und Offiziere in den okkupierten Gebieten (Baltikum, Weißrußland und Ukraine).

Die Dimensionen des „Mammutministeriums“ stehen im Gegensatz zu dem Bild, das Zeitgenossen und Zeithistoriker von der Leitung und Wirksamkeit der Besatzungsverwaltung überliefern. Rosenberg erscheint als „untüchtiger Philosoph“ im Ministerrang, seine Behörde als schwach, einflußlos und unfähig. Trieb die Verwaltung der Ostgebiete, wie ein Zeitgenosse resignierend feststelle, tatsächlich „mit unausweichlicher Folgerichtigkeit einer Katastrophe zu“?

In Auseinandersetzung mit dieser These fragt Andreas Zellhuber nach dem Rußlandbild der deutschen Planungs- und Verwaltungseliten, der Gründungsgeschichte des Ministeriums und der Organisationsstrukturen des Verwaltungsapparates, nach der ideologischen und mentalen Prägung der Mitarbeiter sowie nach dem Verhältnis von Verwaltung und Vernichtung in den besetzten Ostgebieten. Er bringt so die persönlichen und die strukturellen Ursachen für das Scheitern des Ministeriums Rosenberg sowie die Mitverantwortung des Ministers und seines Stabes für den Holocaust in den Blick.

Inhaltsverzeichnis (.pdf, 500 KB)

Dr.phil. Andreas Zellhuber war Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, an dem auch das Projekt als Dissertation entstand (Homepage des Dissertationsprojekts).

Homepage der Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg

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Bernhard Gotto Nationalsozialistische Kommunalpolitik. Administrative Normalität und Systemstabilisierung durch die Augsburger Stadtverwaltung 1933-1945 (Studien zur Zeitgeschichte 71), München (Oldenbourg) 2006, 476 S., 16 Abb., ISBN 3-486-57940-1.

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Entgegen bisheriger Annahmen waren die Kommunen im „Dritten Reich“ keine hilflosen Objekte zwischen der Willkür von Parteidienststellen und einem rigiden Staatszentralismus. Bernhard Gotto weist nach, dass die Augsburger Stadtverwaltung ein eigenständiges und aktives Glied innerhalb eines regional austarierten Herrschaftssystems war. Sie nutzte ihre erheblichen Gestaltungsmöglichkeiten stets im Sinne des "Führers". Zudem stabilisierte sie das „polykratische“ NS-Herrschaftssystem durch beständige Koordinationsleistungen, wie der Autor vor allem für die Kriegszeit belegt. Insgesamt wandelt sich so das Bild der Kommunalverwaltung von einem Widerpart der Partei hin zu einer tragenden Säule des NS-Regimes.

Inhaltsverzeichnis (.pdf, 33 KB)

Der Autor, Dr. phil. Bernhard Gotto, ist Projektmitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (Homepage). Das Projekt entstand als Dissertation im Rahmen eines Forschungsprojekts zur "Systemfunktion der Gemeinden im NS-Regime", das von der VW-Stiftung finanziert wurde (Homepage des Projekts).

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Thomas Wittek, Auf ewig Feind? Das Deutschlandbild in den britischen Massenmedien nach dem Ersten Weltkrieg (Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London 59), München (Oldenbourg) 2005, 437 S., ISBN 3-486-57846-4.

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Die britische Propaganda zeichnete im Ersten Weltkrieg sehr wirkungsvoll das Zerrbild von den Deutschen als bestialischen Hunnen, die mordend und plündernd über ihre Nachbarn herfielen. Zur Verbreitung nutzten die staatlichen Propagandastellen insbesondere die modernen Massenmedien Presse und Film. Thomas Wittek untersucht erstmals, welche Folgen die Exzesse der Kriegspropaganda für das Deutschlandbild in diesen Medien nach dem Ende des Krieges hatten.

Die Wahrnehmung Deutschlands zwischen dem Waffenstillstand 1918 und dem Locarno-Pakt 1925 blieb jedoch nicht auf ein Feindbild fixiert, sondern wandelte sich. Sowohl die außenpolitischen Interessen Großbritanniens, die auf eine Normalisierung der Beziehungen abzielten, als auch innenpolitische Entwicklungen nahmen dabei Einfluss auf die Darstellung des einstigen Kriegsgegners.

Nähere Informationen finden Sie in der Besprechung auf HSK.

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Sabine Mecking und Andreas Wirsching (Hg.), Stadtverwaltung im Nationalsozialismus. Systemstabilisierende Dimensionen kommunaler Herrschaft (Forschungen zur Regionalgeschichte 53), Paderborn u.a. (Ferdinand Schöningh) 2005. ISBN 3-506-7179608-9

Titelbild

Neben der Polizei, der Wehrmacht, dem Parteiapparat und zahlreichen Sonderbehörden bildete die städtische Verwaltung einen integralen Bestandteil des nationalsozialistischen Herrschafts- und Terrorsystems. Während die Regellosigkeit und Unüberschaubarkeit der Macht- und Entscheidungsträger im "Dritten Reich" in den vergangenen Jahrzehnten intensiv diskutiert wurden, sind die ordnenden Strukturen in der Forschung bisweilen vernachlässigt worden. Die Autorinnen und Autoren dieses Sammelbandes untersuchen deshalb anhand verschiedener regionaler Beispiele die Tätigkeitsfelder und Handlungsspielräume der Stadtverwaltungen im NS-Staat. Ihre Fragestellungen gruppieren sich um drei große Themen-komplexe: die Personalpolitik, die Gestaltungsspielräume kommunaler Aufgabenwahrnehmung und die von städtischen Dienststellen vollzogenen Verfolgungsmaßnahmen.

Die Aufsätze zeigen, wie die Kommunen mit ihrer funktionalen Verwaltung erheblich zur Stabilisierung des NS-Regimes beitrugen. Von städtischen Einrichtungen gingen entscheidende Impulse für die Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik im "Dritten Reich" aus. Zu- und Sachbearbeiter, Amts- und Dienststellenleiter waren als Verwaltungsfachleute an der Schnittstelle von "Normen- und Maßnahmenstaat" tätig. Dabei stellte die wechselseitige Dynamisierung zwischen lokaler und staatlicher Ebene einen entscheidenden Faktor der nationalsozialistischen Kraftentfaltung dar. Dass dieser Mechanismus nahezu bis Ende des Krieges funktionierte, verweist zum einen auf den erheblichen Anteil der Gemeinden an der Ressourcenmobilisierung des Regimes. Zum anderen wird deutlich, dass die Deutschen überaus gut verwaltet in den Untergang marschierten.

Inhalt: Vorwort | Sabine Mecking / Andreas Wirsching, Stadtverwaltung als Systemstabilisierung? Tätigkeitsfelder und Handlungsspielräume kommunaler Herrschaft im Nationalsozialismus | I. Personalpolitik und –verwaltung: Bernhard Gotto, Stabilisierung von unten. Die Personalpolitik der Stadtverwaltung Augsburg 1933-1939 | Bettina Tüffers, Politik und Führungspersonal der Stadtverwaltung Frankfurt am Main. Die personelle Zusammensetzung des Magistrats | Sabine Mecking, "Beamte mit sportgestähltem Körper, hellem Geist und einem soldatischen Herzen"? Städtische Personalpolitik während des Krieges in Münster. | II. Konsolidierung und Versorgung: Christoph Schmidt, Gelsenkirchener Kulturverwaltung im "Dritten Reich". Gestaltungsspielräume und Grenzen kommunaler Selbstbestimmung | Yvonne Wasserloos, Damnatio memoriae. Die städtische Kulturpolitik und die Demontage des Mendelssohn-Denkmals in Leipzig | Roland Schlenker, Vom Personalmangel zur Zwangsarbeit. Aufgabenstellung und Beschäftigungssituation rheinischer und westfälischer Kommunen 1936-1945 | Jörn Brinkhus, Auftragsverwaltung der Gemeinden im Krieg. Das Beispiel rheinischer und westfälischer Städte | Katrin Holly, Gestaltungsspielräume kommunaler Steuerpolitik 1930-1945 in Augsburg und Memmingen. | III. Verfolgung: Maren Janetzko, Die Verdrängung jüdischer Unternehmer und die "Arisierung" jüdischen Vermögens durch die Stadtverwaltungen Augsburg und Memmingen | Doris Eizenhöfer, Die Stadtverwaltung Frankfurt am Main und die "Arisierung" von Grundbesitz | Rüdiger Fleiter, Das Städtische Gesundheitsamt Hannover und die Umsetzung der nationalsozialistischen Erb- und Rassengesetzgebung | Karl Reddemann, Zwischen Widerspruch und Anpassung. Eine Fallstudie zur politischen Disziplinierung in der Stadtverwaltung Münster Abkürzungsverzeichnis | Literatur | Autorinnen und Autoren | Register.

Zur Mit-Herausgeberin: Dr. Sabine Mecking ist Wissenschaftliche Referentin am Westfälischen Institut für Regionalgeschichte in Münster. Sie wurde mit der Studie " 'Immer treu'. Kommunalbeamte zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik" (Essen 2003) promoviert und arbeitet derzeit an einem Projekt zur Kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen in den 1960er und 1970er Jahren (Homepage)

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Andreas Wirsching (Hg.), Nationalsozialismus in Bayerisch-Schwaben. Herrschaft - Verwaltung - Kultur (Augsburger Beiträge zur Landesgeschichte Bayerisch-Schwabens 9), Ostfildern (Jan Thorbecke) 2004, 307 S., ISBN 3-7995-7510-3.

Inhalt: Andreas Wirsching, Einleitung | Martina Steber, "Die Totalität des Schwabentums". Nationalsozialismus und Region im Gau Schwaben | Clemens Mennicken, ... aber ein Allgäu ist es nicht. Heimatkonstruktion und Heimaterfahrung Kemptener Soldaten im Zweiten Weltkrieg | Patrick Kehl, Der Aufstieg der NSDAP in Augsburg - eine Wahlanalyse | Bernhard Gotto, der Augsburger Oberbürgermeister Josef Mayr in der NS-Zeit | Bernd Jäckle, Augsburg unter dem Vierjahresplan | Maren Janetzko, Die "Arisierung" von Textileinzelhandlesgeschäften in Augsburg am Beipsiel der Firmen Heinrich Kuhn und Leeser Damenbekleidung GmbH | Paul Hoser, Spielraum und Grenzen nationalsozialistischer Parteiherrschaft am Beispiel Memmingens | Petra Schweizer-Martinschek, Tbc-Versuche an behinderten Kindern in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee 1942-1944 | Sven Keller, Die Heimat des "Todesengels". Josef Mengeles Heimatstadt Günzburg als Brennpunkt deutscher Vergangenheitsbewältigung.

Schwäbische Forschungsstelle Augsburg der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

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Andreas Wirsching, Agrarischer Protest und Krise der Familie. Zwei Versuche zur Geschichte der Moderne (Otto von Freising-Vorlesungen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt 23), Wiesbaden (Verlag für Sozialwissenschaften) 2004, 102 S., ISBN 3-531-14274-7.

Die Geschichte der Moderne ist gekennzeichnet von dem steten Bewußtsein ihrer Krise. Indem das moderne Individuum zur unaufhörlichen Selbstreflexion gezwungen ist, konstruiert es die Krise seiner Existenz zwar immer wieder neu, jedoch in wiederkehrenden Formen. Als Beispiele solcher beständigen Reproduktion modernen Krisenbewußtseins bieten sich konkret zu untersuchende "Indikatoren" an. Die Anhandlung schlägt hierür den in der Moderne sprichwärtlich "ewigen" Protest der Landwirtschaft und die ebenso andauerne Klage über den Verfall der Familie vor. Der Erkenntnishorizont erstreckt sich dabei sowohl auf einen nationalen wie auf einen diachronen Vergleich. (Umschlagtext)

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Volker Dotterweich (Hg.), Mythen und Legenden in der Geschichte (Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg, 64), München (E. Vögel) 2004, 303 S., Ill., ISBN 3-89650-128-3.

Vornehmlich in Zeiten krisenhafter gesellschaftlicher Prozesse besteht ein breites Bedürfnis nach möglichst einfachen Erklärungen für komplexe politische, soziale und ökonomische Zusammenhänge. Die Folge ist die emotionale Hinwendung zu stereotypen, legendären oder mythische Vorstellungen, bildern und Deutungen aus der Geschichte. Denn, so erinnerte sich der ehemalige sowjetische Botschafter in der Bundesrepublik Valentin Falin: "Die Wissenschaft ist zu kalt für uns. Wir ziehen Mythen und Legenden vor."

Es gehört zum traditionellen Selbstverständnis der modernen Geschichtswissenschaft, die "historischen Schattenwinkel" (K. D. Bracher/H.-P. Schwarz) zu erhellen, in denen sich Geschichtsmythen und Geschichtslegenden einnisten. Aus dieser Aufgabe bezieht die Geschichtswissenschaft zu einem guten Teil ihre Legitimation. In jüngster Zeit haben Historiker indes gelernt, mythische Geschichtserzählungen durchaus auch als einen positiven Bestandteil der Erinnerungskultur zu begreifen. Beide Aspekte – Konstruktion und Dekonstruktion von Geschichtsmythen und Geschichtslegenden – sind Gegenstand der Beiträge dieses Bandes.

Inhalt: Volker Dotterweich, Zur Einführung | Gunther Gottlieb, Kriegerische Mythen im alten Griechenland - das Beispiel Athen im 5. Jahrhundet v. Chr. | Veit Rosenberger, Die "furchtbaren Gallier". Überlegungen zur Gallierfurcht und zur zweiten Gründung Roms | Bernhard Schimmelpfennig, Die Päpstin Johanna - Realität oder Legende? | Rolf Kießling, "Wer etwas sucht, der sucht es offt an viel steten, da es nit ist" - Stadtgründungslegenden schwäbischer Reichsstädte im Spätmittelalter | Sabine Döring-Manteuffel, Das Einhorn. Von der Arche Noah zum Fantasy-Roman | Johannes Burkhardt, Kriegsgrund Mythos? bilder und Überlegungen zum Zusammenhang von historischer Gedächtniskultur und Frieden in der Neuzeit | Wolfgang E.J. Weber, Konstruktion und De(kon)struktion. Der Bismarck-Mythos in der deutschen Geschichte | Günther Kronenbitter, Waffenbrüder. Der Koalitionskrieg der Mittelmächte 1914-1918 und das Selbstbild zweier Militäreliten | Andreas Wirsching, "Augusterlebnis" 1914 und "Dolchstoß" 1918 - zwei Versionen derselben Legende? | Volker Dotterweich, Von der "Brunnen-" zur "Rassenvergiftung". Transformation und Trivialisierung einer antijüdischen Legende - zum Beipsiel A. Dinter und H.St. Chamberlain | Walther L. Bernecker, Franco. "Retter der spanischen Neutralität" im Zweiten Weltkrieg? | Karl Filser, "Wenn die Vergangenheit sich nicht fügt ...". Nationale Mythen im Geschichtsunterricht? | Theo Stammen, "Denkmalsturz" - Politische Mythen im Transformationsprozeß.

Schriften der Philosophischen Fakultäten der Universität Augsburg

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Rebecca Heinemann, Familie zwischen Tradition und Emanzipation. Katholische und sozialdemokratische Familienkonzeptionen in der Weimarer Republik (Schriftenreihe der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, Bd. 11), München (Oldenbourg) 2004, 349 S., ISBN 3-486-56828-0.

In der öffentlichen Diskussion über die Familie bündelt sich die politische Kultur der Weimarer Republik in einem zentralen Thema. Mit der Frage, auf welchen normativen Grundlagen die Familie beruhe, welche Funktionen ihr zukämen und durch welche Maßnahmen sie zu fördern sei, verbanden sich tief greifende historische und kulturelle Divergenzen. Die Konturen dieser Diskussion waren maßgeblich durch die Positionen von Katholiken und Sozialdemokraten bestimmt, deren Familienvorstellungen durch die Weltanschauungsgegensätze des 19. Jahrhunderts geprägt waren, über Traditionslinien bis ins 20. Jahrhundert verfügten und entscheidende Kristallisationskerne familienpolitischer und familienideologischer Argumentation bildeten. Die Studie bietet eine historische Grundlegung katholischen und sozialdemokratischen Familiendenkens. Ausgehend von der Renaissance der Familienidee seit dem Ersten Weltkrieg einerseits, der durch die Folgen des Krieges verschärft wahrgenommenen „Familienkrise“ andererseits, werden die von Katholiken und Sozialdemokraten unterschiedlich formulierten Antworten auf die aktuellen Problemlagen der Familie der Weimarer Zeit und deren Einschätzung der künftigen Familienentwicklung dargestellt.

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Günther Kronenbitter, „Krieg im Frieden“. Die Führung der k. u. k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906-1914 (Studien zur Internationalen Geschichte, Band 13), München (Oldenbourg) 2003, VIII, 579 S., ISBN 3-486-56700-4.

Seit 1906 forderte die Führung der k.u.k. Armee immer wieder, auf Krieg als Mittel zur Stabilisierung der Großmachtposition Österreich-Ungarns zurückzugreifen. Dabei verfügte das Habsburgerreich gar nicht über die militärischen Ressourcen für einen Kampf an mehreren Fronten: Die politischen Strukturen der Doppelmonarchie verhinderten eine massive Aufrüstung und die militärischen Absprachen mit Deutschland und Italien boten keinen Ersatz für mangelnde eigene Schlagkraft. Der Wiener Generalstab setzte dennoch auf umfassende Operationsplanungen und die rigorose Ausrichtung des Friedensalltags der Armee auf den Kriegsfall. In den Krisen ab 1908 bestimmten daher auch keineswegs nur die Versatzstücke zeitgenössischer Weltanschauungsangebote oder konkrete Gruppeninteressen das Handeln der Militärelite; genauso wichtig waren die durch den "Krieg im Frieden" geprägten Denkmuster.

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Josef Becker (Hg.), unter Mitarbeit von Michael Schmid, Bismarcks spanische „Diversion“ 1870 und der preußisch-deutsche Reichsgründungskrieg. Quellen zur Vor- und Nachgeschichte der Hohenzollern-Kandidatur für den Thron in Madrid 1866-1932, in 3 Bänden, Paderborn, München, Wien, Zürich (Verlag Ferdinand Schöningh):

Bd. 1: Der Weg zum spanischen Thronangebot (2003, 538 S., ISBN 3-506-70718-3).

Bd. 2: Aus der Krise der kleindeutschen Nationalpolitik in die preußisch-französische Julikrise 1870 (2003, 633 S., ISBN 3-506-70719-1).

Band 3 befindet sich in Vorbereitung.

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Michael Schmid, Der „Eiserne Kanzler“ und die Generäle. Deutsche Rüstungspolitik in der Ära Bismarck (1871-1890) (Otto-von-Bismarck-Stiftung, Wissenschaftliche Reihe, Bd. 4), Paderborn, München, Wien, Zürich (Verlag Ferdinand Schöningh) 2003, 751 S., ISBN 3-506-79224-5.

(aufgenommen in die Publikationsreihe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft)

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Sven Keller, Günzburg und der Fall Josef Mengele. Die Heimatstadt und die Jagd nach dem NS-Verbrecher (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 87), München (Oldenbourg) 2003, 211 S., ISBN 3-486-64587-0.

Josef Mengele (1911-1979), Sproß einer Günzburger Unternehmerfamilie, war einer jener Mediziner, die auf der Rampe von Auschwitz Abertausende in die Gaskammern schickten, und er nutzte seine Verfügungsgewalt über die Gefangenen zu grausamen Menschenversuchen mit meist tödlichem Ausgang. Als "Todesengel" von Auschwitz war er jahrelang der meistgesuchte NS-Verbrecher der Welt. Da er 1949 mit Hilfe seiner Familie nach Südamerika geflohen war, wo er sich erfolgreich verbarg, mußte er sich jedoch nie für seine Taten verantworten. Ein erster Haftbefehl erging 1958, aber erst im Zuge des Frankfurter Auschwitzprozesses (1963-1965) wurde eine breite Öffentlichkeit auf Josef Mengele aufmerksam. Schnell rückte damit auch seine Heimatstadt Günzburg in den Fokus von Ermittlern und Medien. Es entstand der "Günzburg-Mythos": Die soziale und ökonomische Vorrangstellung der Unternehmerfamilie Mengele nährte die Vorstellung, der ganze Ort sei in eine Verschwörung zum Schutze des flüchtigen Massenmörders eingebunden. Sven Keller analysiert im Kontext der Biographie Mengeles und der Entwicklungsphasen westdeutscher Vergangenheitsbewältigung die Projektionen, mit denen die schwäbische Kleinstadt von außen belegt wurde, und die Reaktionen von Bürgern und Kommunalpolitik auf den "Günzburg-Mythos" – ein Mythos mit immerhin einem wahren Element: Als 1985 bekannt wurde, daß Josef Mengele sechs Jahre zuvor beim Baden ertrunken war, erfuhr die Öffentlichkeit auch, daß der engste Familienkreis bis zuletzt Kontakt mit ihm gehalten und noch seinen Tod verschwiegen hatte. (Umschlagtext)

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Stefan Grüner und Andreas Wirsching, Frankreich: Daten, Fakten, Dokumente, Tübingen und Basel (A. FranckeUTB 2401) 2003, 220 S., ISBN 3-8252-2401-5.

Rasch auf zum Teil verstreute und schwer zugängliche Informationen über andere Länder zugreifen zu können, ist heute notwendiger denn je. Solchen Bedürfnissen kommt dieses Buch entgegen, das zuverlässig über die wichtigsten Prozesse in Politik und Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft Frankreichs informiert. Dabei wird ein Rückblick auf das Mittelalter und die Frühe Neuzeit gegeben, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Entfaltung des modernen Frankreich seit der großen Französischen Revolution 1789. Eine Zeittafel sowie zahlreiche Tabellen und Übersichten bereiten die Informationen anschaulich auf; über die politische Geschichte informiert die ausführliche Dokumentation der wichtigsten Verfassungstexte ebenso wie eine knappe Einführung in die Verfassungs- und Parteiengeschichte Frankreichs. Ein Glossar mit wichtigen Schlüsselbegriffen zur französischen politischen Kultur rundet den Band ab. (Umschlagtext)>/p>

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Stefan Grüner, Paul Reynaud (1878-1966). Biographische Studien zum Liberalismus in Frankreich (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 48), München (Oldenbourg) 2001, X, 426 S., ISBN 3-486-56523-0.

Kaum ein Staatsmann Frankreichs hat bereits zu Lebzeiten so kontroverse Einschätzungen hervorgerufen oder ein vergleichbares Maß an Anfeindungen selbst aus dem eigenen Lager auf sich gezogen wie Paul Reynaud. Sein glückloses Agieren als Ministerpräsident und die Umstände seines Rücktritts im Frühsommer 1940 verknüpfen seinen Namen zudem mit einem Abschnitt der französischen Zeitgeschichte, der das kollektive Gedächtnis des Landes traumatisch belastet hat. Die katastrophale militärische Niederlage und die anschließende Selbstpreisgabe der parlamentarischen Demokratie überschatten so zu Unrecht das politische Lebenswerk eines Mannes, der lange als einer der innovativsten und mutigsten Politiker Frankreichs aufgetreten war. Die Untersuchung folgt ihrem Protagonisten auf wichtige Reflexions- und Handlungsfelder und erarbeitet ein Politikerprofil, das in vielem als paradigmatisch für die noch über den Zweiten Weltkrieg hinaus parteigeschichtlich kaum faßbare rechte Mitte Frankreichs gelten kann. (Umschlagtext)

Paul Reynaud was one of the few French statesmen whose activities were controversial even while he was still alive. His unfortunate term as Prime Minister and the circumstances of his abduction 1940 will forever link him to the issue of the German occupation of France, a situation which has left a deep impact in the French collective consciousness. Grüner works to show the unknown facets of Reynaud´s biography and personality and proves that he was one of the most innovative politicians of his time.

Eine "kenntnisreiche und quellensatte Studie". (FAZ, 16.5.2001)


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