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Martin Diebel


E-Mail: diebel.martin@yahoo.de


Thema der Dissertation:

Angst vor der Bombe. Zivilschutz und Civil Defence in Deutschland und England 1960-1985

Das Projekt fragt nach dem politischen und sozio-kulturellen Umgang mit vermeintlich die Existenz der modernen Industriegesellschaft bedrohenden Gefährdungslagen. Hierbei ist die Bedrohung aus der Luft und der Versuch einer administrativen sowie planerischen Bewältigung des Atomkrieges ein ­ wenngleich zentraler ­ Aspekt des Zivilschutzes. Der in den 1960er- Jahren beginnende Wandel von Katastrophenwahrnehmungen und Kriegsbildern steht im Mittelpunkt der Studie. Der die Arbeit strukturierende Leitbegriff ist dabei die Sicherheit.

Hierbei bietet sich ein Vergleich der Zivilschutzpolitik zwischen Deutschland und Großbritannien, also zwischen zwei demokratischen Industriestaaten, an. Gerade aufgrund ihrer unterschiedlichen sicherheitspolitischen Ausgangsposition im Kontext des Kalten Krieges, ist es möglich, gemeinsame Entwicklungstendenzen auf der einen sowie kulturelle bzw. gesellschaftliche Besonderheiten auf der anderen Seite schärfer herauszuarbeitenEine deutsch-britische Geschichte des Zivilschutzes ermöglicht es demnach erstens, zeitgenössische Bedrohungswahrnehmungen sowie Sicherheitsvorstellungen westlicher Staaten in den Blick zu nehmen und sie auf ihren Wandel hin zu untersuchen. Zweitens blickt die Studie auf das Verhältnis von Bürger und Staat in Deutschland und Großbritannien, ging es im Zivilschutz doch nicht zuletzt auch um die Prioritäten und das grundsätzliche Verhältnis von individuellem und kollektivem Schutz, den demokratische Gesellschaften ihren Bürgern geben wollten oder konnten. Drittens ist eine solche Geschichte auch ein Beitrag zu Geschichte einer neuen Gruppe transnationaler Experten, deren Aufgabe es war, das Undenkbare, den Atomkrieg, zu denken. Gutachten und Gegengutachten waren zentraler Bestandteil der öffentlich ausgetragenen Kontroversen um Sicherheit und Risiko - und wissenschaftliches Wissen damit eine zentrale Kategorie der politischen Auseinandersetzung. Gleichwohl basierte dieses Wissen nicht zuletzt auf der Auswertung beispielsweise der Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges und damit auf einer sehr fragilen Größe. Viertens ermöglicht die Studie, ein neu entstehendes internationales Politikfeld, den Zivil- und Katastrophenschutz als Teil der Auseinandersetzungen des Kalten Krieges zu untersuchen und damit auch Internationale bzw. international agierende Organisationen wie das Rote Kreuz oder das Technische Hilfswerk als wichtige Akteure in den Blick zu nehmen.