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Fabian Fiederer


E-Mail: ffiederer@yahoo.de


Thema der Dissertation:

Lebenswelt und Selbstverständnis des Hochadels am Beispiel des Fürstenhauses Thurn und Taxis in der Zeit Fürst Albert I. (1888-1952)

 

In der Adelsforschung das 19. und 20. Jahrhundert betreffend stehen sich die beiden gegensätzlichen Deutungsmuster des „Niedergangs“ und des „Obenbleibens“ gegenüber. Lange Zeit war eine Sichtweise vorherrschend, die den Adel als eine Gruppe betrachtete, die sich auf einem kontinuierlichen Weg des Verlusts an Macht und Eigentum befand, unfähig, sich modernen Zeitverhältnissen anzupassen. Der Adel schien pauschal ein „Verlierer der Geschichte“ zu sein, verkommen und dekadent, eine überkomme Elite, die sich über die Vergangenheit definierte. Eckard Conze hat in seiner Arbeit über die Grafen von Bernstorff jedoch festgestellt, dass eine strikte Festlegung auf das Gegensatzpaar „Obenbleiben“ und „Niedergang“ zu kurz greift. Denn es liegt hier kein grundsätzlicher Widerspruch vor, vielmehr handelt es sich um ein umfangreiches Geflecht verschiedenartiger Entwicklungen. Es gab neben dem Niedergang durchaus eine unübersehbare, erfolgreiche Selbstbehauptung in Teilen des Adels im Verlauf des 19. bis hinein in das 20. Jahrhundert.

In dieser Arbeit soll die Entwicklung des Regensburger Fürstenhauses Thurn und Taxis in der „Regierungszeit“ Fürst Albert I. von 1888 bis 1952 untersucht  werden. 1867 als viertes Kind von Erbprinz Maximilan Anton von Thurn und Taxis und Erbprinzessin Helene in Bayern geboren, wird der junge Prinz Albert nach dem frühen Tod seines Bruders Maximilian Maria 1888 mit dem Erreichen der Volljährigkeit Fürst und Thurn und Taxis und steht seinem Haus lange 64 Jahre lang vor, vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik.

Die Arbeit folgt Heinz Reifs Postulat, insbesondere auch adelige Lebenswelten zu untersuchen, Sozialprofile zu entwerfen und damit Beiträge zur Sozialgeschichte zu leisten. Der Adel soll dabei als durch und durch soziales Phänomen betrachtet werden, dem spezifische Handlungsmuster und Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Dabei verspricht der Ansatz aussichtsreich zu sein, eine familienbiographische Darstellung mit lebensweltlich bezogenen Fragen zu kombinieren, gleichwohl aber die großen politischen Ereignisse und Entwicklungen der Zeit nicht außer Acht zu lassen.

Der eindeutige Schwerpunkt der Untersuchung soll dabei auf den Bereich der hochadeligen Lebenswelt und das Selbstverständnis eines mediatisierten Fürstenhauses gelegt werden. Hier wird die Anpassungsfähigkeit an neue Zeitverhältnisse bei gleichzeitigem Festhalten an Altbewährtem ebenso untersucht wie die Fähigkeit zur Selbstbehauptung sowie eine fortwährende Demonstration von Exklusivität und Machtbewusstsein.

Hinsichtlich des zu bearbeiteten Zeitraums schließt sich die Arbeit der Forderung von Autoren wie Eckard Conze oder Monika Wienfort an, Adelsgeschichte über das Jahr 1918 hinaus zu schreiben. Die macht- und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen verschlechterten sich mit der Zäsur der Revolution für den Adel weiter, mit dem Kaiserreich  war das den Adel legitimierende Staatsmodell in sich zusammengebrochen. Wie das Haus Thurn und Taxis auf diesen Umbruch reagiert, wie man sich nach 1933 unter den nationalsozialistischen Machthabern verhält und nach der „Stunde null“ 1945 erneut behaupten kann, soll in dieser Arbeit nicht ausgespart bleiben.