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Moderne Militärgeschichte


Militär war ein wichtiger Faktor in der deutschen wie der europäischen Politik des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Vorbereitung, die Androhung und der Gebrauch kriegerischer Gewalt stellten einen zentralen Aspekt der zwischenstaatlichen Beziehungen dar. Neben mentalitäts-, sozial- und kulturgeschichtlichen Ansätzen bezieht Militärgeschichte deshalb Arbeitsweisen und Fragestellungen der Geschichte der internationalen Politik mit ein. Die Interdependenz von innenpolitischem Kalkül, Rüstungsfragen und Machtpolitik in der Ära Bismarck steht in Mittelpunkt der Dissertation von Michael Schmid. In seiner Habilitationsschrift setzt sich Günther Kronenbitter mit der Rolle des Militärs im außenpolitischen Entscheidungsprozess Österreich-Ungarns zwischen 1906 und 1914 auseinander. Timothy Hadley untersucht in seinem Dissertationsprojekt die militärdiplomatischen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg. Sicherheitspolitische Debatten nehmen einen wichtigen Platz in der Dissertation von Andreas Rose über britische Außenpolitik im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ein. Michael Schmids neues Forschungsprojekt analysiert die Entwicklung der Sicherheitspolitik seit der Kubakrise.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Studien zur Sicherheitspolitik ist die Untersuchung von Lernprozessen der Machteliten. Im Mittelpunkt des Interesses stehen solche Lernprozesse in einem Forschungsprojekt von Günther Kronenbitter zum Wandel von Kriegsbild und Kriegsvorbereitung in europäischen Großmachtarmeen des 19. Jahrhunderts. In der Dissertation zu Militär und Kriegsvölkerrecht in Deutschland zwischen 1899 und 1940 aus der Feder von Andreas Toppe wird die Verarbeitung der Erfahrungen von 1870/71 und vor allem von 1914-18 im völkerrechtlichen Diskurs, an dem Militärs wichtigen Anteil hatten, analysiert. Mit einem transatlantischen Lernprozess setzt sich Esther Krug in ihrem Dissertationsprojekt über deutsch-amerikanische Militärkontakte im Rahmen der Operational History (German) Section auseinander.  Ein Dissertationsprojekt zum Zusammenhang von Kriegserfahrung und politischer Orientierung von ehemaligen Offizieren der k.u.k. Armee nach 1918 ist in Vorbereitung.

Forschungsschwerpunkte bestehen im Zeitalter der Weltkriege. Im Mittelpunkt stehen dabei Wahrnehmungsformen, Mentalitäten und Kriegsplanungen hoher Militärs.

Ausgewählte Publikationen:

Günther Kronenbitter, Stig Förster, Christian Jansen (Hrsg.), Rückkehr der Condottieri? Krieg und Militär zwischen staatlichem Monopol und Privatisierung, Paderborn (2009)

Günther Kronenbitter, „Krieg im Frieden". Die Führung der k. u. k. Armee und die Großmachtpolitik Österreich-Ungarns 1906-1914, München 2003.

Günther Kronenbitter, Die Macht der Illusionen. Julikrise und Kriegsausbruch 1914 aus der Sicht des deutschen Militärattachés in Wien, in: Militärgeschichtliche Mitteilung 57 (1998) S. 519-550.

Günther Kronenbitter, Waffenbrüder. Der Koalitionskrieg der Mittelmächte 1914-1918 und das Selbstbild zweier Militäreliten, in: Volker Dotterweich (Hg.), Mythen und Legenden in der Geschichte, München 2004, S. 157-186.

Günther Kronenbitter, Von „Schweinehunden“ und „Waffenbrüdern“. Der Koalitionskrieg der Mittelmächte 1914/15 zwischen Sachzwang und Ressentiment, in: Gerhard P. Groß (Hg.), Die vergessene Front. Der Osten 1914/15. Ereignis, Wirkung, Nachwirkung, Paderborn u.a. 2006, S. 121-143.

Michael Schmid, Der „Eiserne Kanzler“ und die Generäle. Deutsche Rüstungspolitik in der Ära Bismarck (1871-1890), Paderborn u.a. 2003.

Andreas Toppe, Militär- und Kriegsvölkerrecht. Rechtsnorm, Fachdiskurs und Kriegspraxis in Deutschland 1899-1940 (abeschlossene Dissertation, erscheint München 2008).

Martin Schmitz, Verrat am Waffenbruder? Die Siedlice-Kontroverse im Spannungsfeld von Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik, Militärgeschichtliche Zeitschrift, 2008, Nr.67 (2), Der Erste Weltkrieg, S.385-407.

Laufende Projekte:

Günther Kronenbitter, Innovation und Beharren. Kriegsbild und Kriegsvorbereitung europäischer Heere 1850-1890 im Vergleich.

Esther Krug, Die „Operational History (German) Section“ und ihre Nachfolger. Die deutsch-amerikanischen Militärkontakte im Spannungsfeld von Kriegserinnerung, Geschichtspolitik und strategischer Planung im Kalten Krieg 1945-1961 (Dissertationsprojekt)