1913 schrieb der Historiker und Nachrichtentechniker Wolfgang Riepl in seinem Buch "Das Nachrichtenwesen des Altertums" über die Geschichte der Fern- und Telekommunikation:
"Entsprechend dem Fortschreiten der menschlichen Kultur von den einfachen Lebensverhältnissen der Urzeit bis zu der Höhe unserer Zivilisation mit ihren vielfachen Interessen, verfeinerten Bedürfnissen, gesteigerten Ansprüchen sind die Aufgaben, Bedingungen, Leistungen des Nachrichtenwesens quantitativ und qualitativ ungemein gesteigert worden. [] Trotz aller solchen Wandlungen ist indessen festzustellen, dass neben den höchstentwickelten Mitteln, Methoden und Formen des Nachrichtenverkehrs in den Kulturstaaten auch die einfachsten Urformen bei verschiedenen Naturvölkern noch heute im Gebrauch sind, und um sie zu finden, braucht man nicht die Südseeinseln oder auch nur das Innere Marokkos aufzusuchen, in Europa selbst, in Gegenden, die sich schon vor den Römern einer verhältnismäßig hoch entwickelten Kultur erfreuten, so bei den Albanesen z.B. ist das Nachrichtenwesen bis heute fast auf der Urstufe geblieben. Andererseits ergibt sich gewissermaßen als ein Grundgesetz der Entwicklung des Nachrichtenwesens, dass die einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur dass sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen. Denn nicht nur die Nachrichtenmittel, ihre Leistungen und Verwendungsmöglichkeiten vermehren und steigern sich unausgesetzt, auch das Gebiet ihrer Verwendung und Ausnützung ist in fortwährender Erweiterung und Vertiefung begriffen. Sie machen einander die einzelnen Felder dieses Gebietes streitig, finden aber in dem fortschreitenden Prozeß der Arbeitsteilung alle nebeneinander genügend Raum und Aufgaben zu ihrer Entfaltung, bemächtigen sich verlorener Gebiete wieder und erobern Neuland dazu. So ist, um nur eines zu erwähnen, die mündliche Nachricht, welche am Anfang der Entwicklungsreihe steht, durch die schriftliche und später durch die telegraphische stark zurückgedrängt, wenn auch keineswegs verdrängt worden, hat jedoch im Lauf der letzten 3 Jahrzehnte mit Hilfe des Telephons gewaltige Gebiete zurückerobert, ohne ihrerseits die schriftliche oder telegraphische verdrängen, ja auch deren Tätigkeit nur wesentlich verringern zu können.[] Um die Mitte dieses Jahrhunderts bezeichnet die Einführung der Elektrizität in den Dienst der Nachrichtenvermittlung den tiefsten Einschnitt und die nachhaltigste, heute noch nicht abgeschlossene Umwälzung in der Entwicklungsgeschichte des Nachrichtenwesens. Sofort bei ihrem Eintritt verbindet sich die Elektrizität mit der Telegraphie, reißt diese plötzlich aus ihren bescheidenen Anfangsstadien zur höchsten Entfaltung ihrer Eigenschaften fort, spornt alle bis dahin bekannten Nachrichtenmittel zur intensiven Anspannung ihrer Kräfte an und fordert die reiche Fülle der neuen Hilfsmittel, welche das beginnende Jahrhundert der Technik hervorbringt, von der Dampfmaschine bis zum Luftschiff und Flugzeug, zum höchstgesteigerten Wettbewerb im Dienste der Nachrichtenvermittlung heraus. Nunmehr folgen die Neuerungen und Fortschritte einander auf dem Fuße, überstürzen sich zuweilen, und kaum ist ein neues Problem von der Technik gelöst, bemächtigt sich dessen sofort das Nachrichtenwesen. Einen Stillstand gibt es nicht mehr, und eine geringe Zahl von Jahren bringt durchgreifendere Umgestaltung hervor als früher von Jahrhunderten."Aus: Riepl, Wolfgang: Das Nachrichtenwesen des Altertums. Mit besonderer Rücksicht auf die Römer, Leipzig/ Berlin 1913, S. 4-7.