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5.5 Ein Beispiel: Das alte Perserreich


Die frühen, stets regional begrenzten "Weltreiche" sind ohne Fortentwicklung und Perfektionierung des Nachrichtenwesens völlig undenkbar. Beispielsweise galt das Post- und Verwaltungssystem des Perserreiches, dessen Machtausdehnung vom Indus bis nach Libyen im 6./5. Jahrhundert v. Chr. ihren Höhepunkt erreichte, sowohl Griechen und Römern als auch Chinesen als Vorbild (vgl. dazu besonders Schmidli 1997). Unter Dareios dem Großen (522-486 v.Chr.) wurden auf der neuen, ca. 2600 km langen so genannten "Königsstraße" zwischen Sardes und der persischen Hauptstadt Susa, die vor allem militärischen und wirtschaftlichen Zwecken dienten, mehrere Postdienstlinien mit 111 Etappen eingerichtet. Von reitenden Kurieren und Schnellläufern transportiert, benötigte die Post auf der Gesamtstrecke nur wenige Tage, während Karawanen und gewöhnliche Reisende mehr als drei Monate unterwegs waren. "Es gibt nichts Schnelleres unter den sterblichen Wesen als diese persischen Boten", schreibt Herodot (Herodot VIII, 98). Bei besonders dringenden Nachrichten, die z.B. Aufstände oder Naturkatastrophen betrafen, sollen die Großkönige auch auf eine "Feuerpost" zurückgegriffen haben, ein spezielles Feuerzeichen-Relais (Staffel-System), das von den Ägäischen Inseln bis nach Susa reichte.

Verbesserungen der Fernkommunikation konnten auch der Spionage und dem Lancieren von Gerüchten und Falschmeldungen zugute kamen. So sollen Griechen, die sich im Perserreich befanden, dessen vorzüglich ausgebautes Kommunikationsnetz heimlich genutzt haben, um vor dem Hellas-Feldzug (480 v. Chr.) des Xerxes (Regierungszeit: 486 - 465 v. Chr.) Informationen über persische Angriffspläne auf die Peloponnes zu senden. Herodot (VII, 239) berichtet, dass der spartanische Ex-König Demaratos, der am persischen Hof im Exil lebte, Nachrichten über die Angriffspläne des Xerxes nach Griechenland gesendet habe. Die königliche Straßenkontrolle muss allerdings so vorzüglich gewesen sein, dass er sich gezwungen sah, die Nachricht mit einer List zu verbergen.

Bei den griechischen Stadtstaaten beruhte damals die "Fernmelde"-Technik größtenteils auf einem System von Fußboten und Avisoschiffen (d.h. Späh- bzw. Erkundungsboote). Als einschlägige Beispiele sind hier zu nennen: die berühmte Nachricht vom Sieg in der Schlacht bei Marathon (490 v. Chr.), die durch einen Schnellläufer übermittelt wurde, und die Feuerzeichen bzw. die Fackeltelegraphie, von der Thukydides (ca. 460 - 400 v. Chr.) berichtet. Sie soll nach persischem Vorbild während des Peloponnesischen Krieges im 5. Jahrhundert v. Chr. verwendet worden sein. Und wenn man im "Agamemnon", Teil der "Orestie" des Aischylos (525 " 456 v. Chr.) eine Beschreibung findet, wie die Nachricht vom Sieg der Griechen über Troja mittels einer Feuerzeichenkette zu Agamemnons Gattin Klytämnestra über mehrere Hunderte von Kilometern in das peloponnesische Argos übermittelt worden sein soll, dann darf man schließen, dass die Erwähnung dieser Technik nicht auf purer Erfindung beruht, sondern im zeitgenössischen kulturellen Wissen der Zuschauer präsent war.

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