"Telekommunikation" und "Globalisierung" sind Schlüsselbegriffe der Gegenwart. Die globale Nutzung von Internet und E-Mail, Festnetz- und Mobiltelephon, Telefax oder Funk zur Nachrichtenübermittlung über weite Strecken (Alternativkarte) lassen es gerechtfertigt erscheinen, zu Beginn des 21. Jahrhunderts von einem "Zeitalter der Telekommunikation" zu sprechen.
Doch der Begriff "Telekommunikation" ist bereits über 100 Jahre alt. Veranlasst durch die Nutzbarmachung von Elektrizität für die Nachrichtenübertragung und die Fertigstellung eines weltumspannenden Telegraphennetzes (1902), erfand der französische Nachrichtentechniker Edouard Estaunié (1862-1942) im Jahre 1904 (vgl. "Traité de communication électrique") das Kunstwort "Telekommunikation", um damit Telegraphie und Telephonie, die neuen Nachrichtenübermittlungssysteme seiner Zeit, zu bezeichnen.
Dieser Begriff setzt sich aus der griechischen Vorsilbe "tele" für "weit, fern" und dem lateinischen Nomen "communicatio" für "Unterredung, Mitteilung" zusammen. Doch bereits bei Estaunié bedeutete "tele-" nicht nur "fern", sondern vor allem auch "elektrisch vermittelter Nachrichtenaustausch".
Damit schloss der Begriff "Telekommunikation" viele, teilweise sehr alte Formen der Fernkommunikation aus: sowohl die nicht-elektrischen optischen oder akustischen Zeichensysteme (z.B. Feuer-, Rauch- oder Klangsignale), die die Geschichte der Menschheit schon seit langem begleiteten (z.B. bei Gefahrenabwehr oder Kriegführung), als auch den insgesamt weitaus wichtigeren Transport mündlicher und schriftlicher Nachrichten per Boten. Bei diesem gelangten die Nachrichten stets um das Maß zeitlich versetzt beim Empfänger an, das die menschlichen oder tierischen Boten (z.B. Brieftauben) " unter wechselnden geographischen, klimatischen u.a. Bedingungen und ggf. mit unterschiedlichen Hilfsmitteln (z.B. Reittiere, Schiffe, Wagen)" benötigten, um die räumliche Distanz zwischen Absender und Empfänger zu überbrücken: auf dem Landweg, zu Wasser und, schon vor dem Flugzeug, auch in der Luft.
Nicht anders als in vormodernen Epochen muss auch die heutige Briefpost noch "reale" Wegstrecken bewältigen. Doch im Vergleich mit Segelschiff, Reiterstaffel oder Postkutsche sind die modernen Transportmittel" Eisenbahn, Automobil, Flugzeug oder motorengetriebenes Schiff " weitaus schneller, leistungsstärker und witterungsunabhängiger geworden. Unverändert aber gilt, dass sie weiterhin noch häufig Nachrichten zusammen mit Personen und Gütern transportieren, z.B. im Zug, Flugzeug, Schiff oder Postbus. Die Telekommunikation hingegen lässt nur die Übertragung immaterieller Einheiten, d.h. elektrischer Signale, zu. Doch erfolgt hier die Übermittlung einer Nachricht vom Absender zum Empfänger mehr oder minder in einem einzigen "Transportsystem", während beim materiellen Transport von Nachrichten zumeist verschiedene Systeme miteinander verbunden wurden und werden. So bringt man heute beispielsweise einen Brief zu Fuß zu einem Postkasten, von wo aus er zunächst mit einem Auto, dann mit der Eisenbahn und möglicherweise sogar mit Schiff oder Flugzeug transportiert wird, bevor er in vielen weiteren Schritten seinen Bestimmungsort erreicht.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts erfolgte im Zuge der Industrialisierung eine nie zuvor gekannte Beschleunigung der Laufzeiten von Nachrichten (vgl. z.B. London-Bombay oder London-New-York). Diese Entwicklung beruhte nicht allein auf der Etablierung der elektrischen Nachrichtenübermittlung, sondern ebenso auf der "Verkehrs- und Transportrevolution", zu der motorengetriebene Schienen- und Wasserfahrzeuge, Automobile und später auch Flugzeuge sowie der Bau von Eisenbahnlinien, Straßen, Brücken, Tunnel, Kanälen sowie Schiffs- und Flughäfen entscheidend beigetragen haben.
Für die so genannte "Kommunikationsrevolution" aber war es von entscheidender Bedeutung, dass die neuen Systeme der elektrischen Fernübermittlung von Nachrichten alsbald für den nicht-staatlichen Gebrauch geöffnet wurden. Dabei setzte jedoch die uns vertraute massenhafte individuell-private Telekommunikation noch nicht mit der Telegraphie des späten 19. Jahrhunderts, sondern erst mehrere Jahrzehnte später mit der Telephonie ein.
Für eine erste begriffliche Orientierung sei festgehalten, dass Fern- und Telekommunikation unter den Oberbegriff des Nachrichten(übermittlungs)wesens fallen und dieser wiederum unter den Sammelbegriff des Verkehrswesens einzuordnen ist, der den Transport von Menschen, Gütern und Nachrichten umfasst.