Als "Telegraphie" bezeichnet man verschiedene Formen der Weiterleitung primär von Texten, die " im Unterschied zu Sprechfunk und Telephonie" nicht gesprochen, sondern mit Hilfe von Kodes (z.B. Verschlüsselung der Buchstaben der Alphabetschrift) in graphischer Form übermittelt werden. Hinzu kommt die Übertragung von feststehenden Bildern. Im Unterschied zu Sprechfunk und Telephonie erfolgt die telegraphische Kommunikation uni- und nicht bidirektional. Da Telegraphiezeichen nur zwei Zustände (z.B. Licht oder Strom, kein Licht oder kein Strom) haben, erfolgt die Übertragung in einem Binärcode mithilfe von Telegraphenalphabeten. In der drahtlosen Telegraphie hingegen werden die Signale durch Modulation oder Tastung eines Senders erzeugt und im Empfänger durch Demodulation hörbar gemacht.
Die optische Telegraphie (auch: Lichttelegraphie), die vorwiegend für militärische Zwecken genutzt wurde, gilt als geschichtlicher Vorläufer der elektrischen Nachrichtenübertragung auf Leitungen. Deren Leistungsfähigkeit war jedoch beschränkt. Zwar vermochte der "Flügeltelegraph" (Semaphor) am Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Nachrichten mit sehr hoher Geschwindigkeit und schneller als jedes andere bisher bekannte Medium übermitteln, doch war er witterungsabhängig und wenig für komplexe Botschaften geeignet. In beiden Aspekten sollte sich die elektrische Telegraphie, die die optische ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu ersetzen begann, entschieden als überlegen erweisen.
Transregionaler Wissenschaftsaustausch und Kulturtransfer spielten bereits bei der Verbreitung der optischen Telegraphie eine wichtige Rolle. In Ägypten beispielsweise wurde unter dem Einfluss europäischer Eliten zur Zeit Muhammad Alis (1805-49), des Statthalters von Ägypten, eine optische Telegraphenlinie zwischen Alexandria, Kairo und Suez nach französischem Vorbild eingerichtet, ebenso im indischen Kalkutta, das bereits zu Beginn der 1830er Jahre zu einem Zentrum des indischen Handels mit Baumwolle, Indigo, Salpeter, Zucker und Seide geworden war. Dabei diente jedoch die bedeutende Telegraphenlinie von Kalkutta nach Chunar (Grenzfestung) weniger wirtschaftlichen als primär militärischen Zwecken.