Für den größten Teil der Geschichte wurden Menschen und Tiere als Transport-"Vehikel" für die mündliche oder schriftliche Fernkommunikation eingesetzt. So kommen menschliche "Postboten" in vielen, teilweise sehr alten Überlieferungen vor: Sie überbrachten Schreckens- und Freudenbotschaften, meldeten drohende Gefahren oder verkündeten Krieg und Frieden. Oft handelten sie im Auftrag und waren durch äußerlich sichtbare Attribute, z.B. eine bestimmte Kleidung, oder auch akustische Signale (z.B. das Spielen von Instrumenten, Glöckchen) gekennzeichnet, die den Boten-Status auswiesen und zugleich Schutz einforderten.
Die Bedeutung des Botenwesens spiegelt sich zudem in weit verbreiteten Vorstellungen von menschenähnlichen Götterboten wider, die Nachrichten aus der metaphysischen in die menschliche Sphäre transportieren. Als Beispiel ist zum einen das jüdisch-christlich-islamische Konzept des Engels (von griech. "angelos": Bote) zu nennen, einer menschenähnlichen Figur, die mit dem Botensymbol der Flügel ausgestattet ist. Zum anderen könnte man an den Götterboten Hermes erinnern, dem die griechische Mythologie bekanntlich Flügelschuhe und Heroldstab als spezielle Attribute beigegeben hat.
Für den allergrößten Teil der Menschen, die von den geschichtlichen Anfängen bis zur Industrialisierung lebten, dürfte die einzige Form einer "Fernkommunikation", die sie selbst praktizierten, darin bestanden haben, mit Ahnen und metaphysischen oder göttlichen Wesen zu kommunizieren. An dieser Stelle soll deshalb kurz darauf eingegangen werden, weil in überlieferten Mythen, Sagen und religiösen Texten nicht nur menschenähnliche Flügelwesen, sondern auch Tiere, besonders auch Vögel, als Boten fungierten, die "Nachrichten" aus metaphysischen Welten überbringen und, wie im antiken Rom, als Orakel dienten. Im Gilgamesch-Epos, das innerhalb des langen Zeitraumes vom 21. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet von Südbabylonien bis nach Kleinasien überliefert wurde und unter anderem auch die Erzählung von einer großen Sintflut (11. Tafel) beinhaltet, kommen bereits, wie später auch in der Genesis (vgl. 1. Buch Mose, 8) Raben, Tauben und als Botenfiguren vor, die den Wasserstand verkündeten.
Gewiss, solche teils mythischen, teils religiösen Vorstellungen haben kaum etwas mit der "realen" Geschichte der Fernkommunikation und der Boten zu schaffen. Indirekt aber verweisen sie auf die Ausbreitung der Weltreligionen im ersten nachchristlichen Jahrtausend, die für die Geschichte der "irdischen" Fernkommunikation eine kaum zu unterschätzende Bedeutung gewonnen hat. Denn mehr vielleicht als einzelne Expansionen und Handelsnetze haben die Weltreligionen zur Schaffung und langfristigen Etablierung weit reichender transregionaler und -kultureller Fernkommunikationsnetze, z.B. zwischen religiösen Zentren und Peripherien, beigetragen.