Fernkommunikation stellt zweifellos ein Schlüsselelement der gesamten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit dar. Diese ist kaum ohne fortgesetzte Aktivitäten vorstellbar, Nachrichten über die Grenzen des jeweiligen Nahraums hinaus auszutauschen, d.h. "von draußen" zu erhalten oder "nach draußen" zu verbreiten. Dies diente vermutlich schon in den frühesten Gesellschaften elementaren Funktionen, wie z.B. dem Schutz: Mit einfachen optischen oder akustischen Mitteln der Fernkommunikation konnte man Warnsysteme betreiben, die von ferne nahende Gefahren früher meldeten, als dies Späher und Läufer tun konnten.
Ferner ist die menschliche Geschichte grundsätzlich nicht ohne überaus vielfältige Wanderungsbewegungen von Menschen und damit von Gütern und Technologien, aber auch von Wissen, Denksystemen und kulturellen Praktiken denkbar. Dies impliziert Fernkommunikation auch dann, wenn diese nicht intentional erfolgte und sich in kleinräumigen Teilstrecken über zahlreiche Knotenpunkte und Umschlagplätze hinweg vollzog. Insgesamt haben sich im Laufe der letzten 5000 Jahre die sozialen Interaktionen über den Horizont der "face-to-face communities" hinaus in sehr vielen Regionen mehr und mehr intensiviert.
Die Bedeutung von Fernkommunikation erschließt sich auch aus dem Wachstum der Weltbevölkerung, die seit dem Ende der letzten großen Eiszeit und der Besiedlung aller Kontinente vor rund 15.000 Jahren rasant angestiegen ist. Lebten um das Jahr 1 n. Chr. schätzungsweise rund 200 bis 300 Millionen und um 1500 etwa doppelt so viele Menschen (vgl. Cohen 1995, S. 77) in den bewohnbaren Erdregionen, so vergrößerte sich die Weltbevölkerung (Alternativkarte) in den letzten 500 Jahren auf immerhin rund 6,5 Milliarden Menschen.
Migrationen und Expansionen schufen immer wieder neue Kontaktzonen. Aus der geographischen, politischen, militärischen und besonders wirtschaftlichen Anziehungskraft einer Region heraus entwickelten sich schon vor mehreren tausend Jahren Ballungszentren, z.B. Städte oder Stadtstaaten, die auf den Kontakt mit Peripherien angewiesen und häufig an Fernhandelskontakte angeschlossen waren. Die Bildung der ersten Reichen und Großreiche bedeutete weiteren Bedarf an Fernkommunikation" im Inneren und nach außen.
Immer wieder wurden neue technische Erfindungen, darunter nicht wenige Zufallsentdeckungen, hervorgebracht, die eine weitere Verbesserung des Informationsaustauschs über große Entfernungen hinweg ermöglichten, unterstützten oder intensivierten. Hierbei spielten nicht nur Fernhandel, Transportmittel und -wege eine tragende Rolle, sondern auch die Verbreitung neuer Speichermedien (vgl. z.B. Schrift) und" sehr viel später " von Vervielfältigungsmöglichkeiten (vgl. z.B. (Buch-)Druck mit beweglichen Lettern).