Selbst elementare politische Handlungen setzen in vieler Hinsicht Fernkommunikation voraus. Dies betrifft ganz allgemein die Bildung von einzelnen Gruppen und Gesellschaften sowie Freund-Feind-Beziehungen, aber auch z.B. Verhandlungen über Krieg und Frieden, Handelskontakte oder ganz allgemein das Wissen über die Welt, da dieses das Selbst- und Fremdverständnis von Gesellschaften und deren Teilgruppen mitprägt.
Grundsätzlich stehen politische Macht und Herrschaft, aber auch Macht- und Herrschaftskrisen, in einem engen Verhältnis zu den vorhandenen Möglichkeiten, Nachrichten effizient und zuverlässig über größere Distanzen hinweg zu übermitteln. Staats- und Reichsbildungen benötigen ein funktionstüchtiges Nachrichtenübermittlungswesen zur Durchsetzung des politischen Willens, besonders auch im Kriegsfall. Je komplexer sich Herrschaftssysteme gestalten, je weiter sie transregional oder gar" in Form von Imperien" z.B. über (Sub-)Kontinente hinweg expandieren, desto notwendiger werden funktionierende Kommunikationsstrukturen, die Zentrum und Peripherie, Regierung und Provinz, Stadt und Land verbinden und eine effiziente Kontrolle des Herrschaftsraumes und seiner Umgebung ermöglichen.
Die Verbreitung von Informationen, Weisungen, Warnungen, geheimen Botschaften oder auch Gerüchten über den Nahraum hinaus gehörte wohl schon immer zur Geschichte politischer Systeme dazu und ist nicht auf die Geschichte von Diplomatie und Spionage beschränkt. Auch für Herrschaftslegitimation und -propaganda spielte und spielt Fernkommunikation eine wichtige Rolle, man denke z.B. an die Verbreitung von herrschaftslegitimierenden Mythen, an Herrscherlegenden oder die symbolische Repräsentation von Herrschaft (z.B. durch Münz- und andere Bildnisse bis hin zur Verwendung von Radio, Fernsehen und Internet). Vergleichbares gilt schließlich auch für die Integration von Regionen und die Entwicklung von neuen kollektiven Identitäten, aber umgekehrt auch für Desintegrations- und Spaltungsprozesse.