Die Fernkommunikation bildet einen konstitutiven Faktor nicht nur in der Geschichte der Globalisierung, sondern auch im makrohistorischen Prozess der zunehmenden Ausweitung und Verdichtung transregionaler Kontaktzonen und Netzwerke. Dieser Prozess vollzog sich zunächst über sehr große Zeiträume überaus langsam und unstet, beschleunigte sich aber ab dem 16. Jahrhundert gewaltig und gewann seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine historisch neuartige Qualität. Hierzu trug wesentlich die Revolutionierung der Kommunikations-, Transport- und Verkehrssysteme im Zuge der Industrialisierung bei.
Die Etablierung eines telegraphischen Weltnetzes, das nach einer rund 40-jährigen Aufbauzeit im Jahre 1902 in Betrieb ging, kann als Symbol für die Entstehung der einen, global vernetzten Welt der Gegenwart stehen, auch wenn der Globalisierungsprozess nicht dem Muster eines linearen Wachstums folgte und gerade im 20. Jahrhundert erhebliche Rückschläge zu verzeichnen waren. Man denke nur an die Folgen des Ersten Weltkrieges.
Doch schon vor dem Beginn der Kommunikationsrevolution und Globalisierung (im engeren Sinne) konnten beispielsweise die Eliten der (früh-)neuzeitlichen Welt, in der Europa zur politisch und wirtschaftlich führenden Region aufstieg, weitaus mehr an Nachrichten in einem immer größeren Radius schneller und zuverlässiger als je zuvor kommunizieren. Hierzu trugen die Entdeckungsreisen, die enorme Ausweitung der weltweiten Handels- und Verkehrsnetze zu Wasser und zu Land sowie die Verbesserung der Transportmittel und -systeme, z.B. für Briefpost, bei. Ebenso sind hier die neuen schriftsprachlichen Vervielfältigungsmöglichkeiten (vgl. (Buch-)Druck mit beweglichen Lettern) oder wegweisende wissenschaftliche und technische Entwicklungen zu nennen. Auch die Verbreitung des Fernrohrs kann als Meilenstein in der Geschichte der Fernkommunikation gelten. Doch erst mit der Fertigstellung des weltumspannenden Telegraphennetzes (1902) wurde es möglich, Nachrichten zwischen Weltmetropolen wie z.B. London und New York, Zentren der außereuropäischen Welt, z.B. Kalkutta, oder auch Transitplätzen, wie z.B. Aden oder Mombasa, innerhalb weniger Minuten (Alternativkarte) auszutauschen.
Der in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts neu entstandene Weltmarktes konzentrierte sich mehr und mehr auf die Knotenpunkte der globalen Telekommunikation. Dies bedeutete für jene Regionen, denen die Weltmächte keine oder eine bloß marginale wirtschaftliche und politische Bedeutung beimaßen (insbesondere z.B. Polargebiete, zentralasiatische Regionen, Teile von Afrika südlich der Sahara), dass sie nicht "verkabelt" und damit im Vergleich noch randständiger wurden, als sie dies zuvor waren. Die später vorgenommene Unterscheidung in Erste, Zweite und Dritte Welt beruht somit auch auf der "(Tele-)Kommunikationsrevolution" des 19. Jahrhunderts und ihrer Funktion für die Etablierung einer weltweiten politischen und wirtschaftlichen Dominanz des Westens. Wie eng die Chancen zur Partizipation an Welthandel und -politik mit der Geschichte der Fern- bzw. Telekommunikation verbunden sind, tritt auch heute noch überaus deutlich hervor, wenn man die Entwicklung der weltweiten Verteilung von Internetservern und -usern historisch betrachtet.