Die Erfordernisse der Kolonialherrschaft vermittelten ihrerseits intensive Impulse zur Verbesserung nicht nur des Personen- und Gütertransports, sondern auch des Nachrichtenverkehrs. So ließen beispielsweise politische Krisensituationen in europäischen Kolonien, wie der Sapoy-Aufstand in Indien, das Interesse am Ausbau der Telegraphennetze stark ansteigen und trugen dazu bei, der Steuer zahlenden Öffentlichkeit den hohen Kostenaufwand für die Verlegung und den Betrieb von Seekabeln plausibel zu machen.
Ebenso stellte der Prozess des nation building eine wichtige Triebfeder der Entwicklung der Telekommunikation dar. Hierbei ist nicht nur an den Ausbau der nationalen Infrastruktur zu denken (z.B. Straßen-, Kanal-, Eisenbahn-, Brückenbau; Ausbau von Transport- und Kommunikationssystemen), sondern auch an die zunehmend sich verschärfende internationale Rivalität und Konkurrenz um politische und wirtschaftliche Einflusssphären. Gestützt auf einheimische Unternehmen, beteiligten sich viele der alten und neuen Staaten in Europa, Asien und Amerika am Auf- und Ausbau transnationaler Netze, sei es um sich Anteile an internationalen Telekommunikationsmärkten zu sichern, sei es um Zugänge zu Netzen zu kontrollieren und nationale Hoheitsrechte im internationalen Nachrichtenverkehr zu sichern.
Neben einem verstärkten nation building sah die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts auch das Entstehen großer und einflussreicher internationaler Bewegungen (z.B. Sozialismus, Pazifismus, Feminismus, Esoterik und religiöse Bewegungen). Auch diese Entwicklungen sind kaum unabhängig von der Geschichte der Telekommunikation denkbar.
Schließlich muss im Kontext von nation building und Imperialismus zum einen auf die Geschichte des Krieges hingewiesen werden, der im Zuge der Industrialisierung fundamentale Veränderungsprozesse erlebte, wobei eben auch die Telekommunikation" oft genug fungierten militärische Belange als Impulsgeber für neue technische Entwicklungen " eine wichtige Rolle spielte. Zum anderen sind in diesem Kontext auch die wachsende Zahl politischer Revolten und Revolutionen sowie das weltweit wachsende Verlangen nach politischer Partizipation und einer entsprechend informierten Öffentlichkeit zu nennen.