Fernkommunikation ist Interaktion. Man kann deren geschichtliche Voraussetzungen und Formen, Funktionen und Auswirkungen nicht losgelöst von umfassenderen geschichtlichen Zusammenhängen betrachten. Dies gilt auch für den Zeitraum von 1750 bis zum Ersten Weltkrieg, in dem sich das menschliche Zusammenleben auf der Erde rascher, tief greifender und folgenreicher wandelte, als dies jemals zuvor der Fall gewesen ist. Mehr und mehr gewannen Menschen den Eindruck, die Natur vollständig beherrschen und raumzeitliche Beschränkungen überwinden zu können. Die bisher mit Windantrieb (Segelschiffe) und Tierkraft gegebenen Beschränkungen der Reise- und Transportgeschwindigkeiten, die auch die Laufzeit von Nachrichten (weitere Karte) bestimmten, wurden zunächst durch Eisenbahnen und (Schnell-)Dampfer überwunden; schließlich wurde auch der alte Menschheitstraum vom Fliegen als regulärem Mittel der Fortbewegung realisiert.
Die telegraphische Fernkommunikation über die Ozeane hinweg konnte bis 1914 bereits in wenigen Stunden (weitere Karte), danach in Minuten und schließlich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nahezu ohne Zeitverzögerung erfolgen" mittels Telephon (seit 1956) sowie per Internet und E-Mail.
Millionenstädte entstanden, die auch nachts erleuchtet waren, und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts leben erstmals weltweit mehr Menschen in Städten bzw. urbanen Ballungsräumen als auf dem Lande. Zugleich wurden die Menschen in nie zuvor gegebenem Ausmaß mobil. Sie erkundeten Erde und Weltraum mit wissenschaftlichen Methoden, vermochten im 20. Jahrhundert erstmalig den Planeten vollständig zu kartieren und konnten diesen schließlich auch von außen betrachten. Sie wanderten in den größten Migrationsbewegungen der Menschheitsgeschichte über die Kontinente hinweg" teils freiwillig, teils unter Zwang", rückten gleichzeitig näher zusammen und trugen mit neuem, durch den technischen Fortschritt immens gesteigertem Gewaltpotential zunehmend mehr transregionale militärische Konflikte aus. Aus Kriegen wurden "Weltkriege".
Dies alles steht in engem, unauflöslichem Zusammenhang mit der Geschichte der Fern- und Telekommunikation. Diese hatte einen großen Anteil daran, dass die Erde mehr als je zuvor als ein zusammenhängender, interdependenter Informations-, Erfahrungs- und Handlungsraum begriffen wurde. Teils gingen die im Folgenden angesprochenen "Umwälzungen" der "Kommunikationsrevolution" voraus, teils begleiteten oder ergänzten sie diese.