In diesem Überblick kann es nicht um eine systematische und ausführliche Skizze der Geschichte von Fern- und Telekommunikation in welthistorischer Perspektive gehen. Vielmehr soll ein elementarer, an grundlegenden Zäsuren orientierter Bezugsrahmen entstehen, der die Einschätzung und Einordnung von historischem Wandel erleichtern und Denkanstöße vermitteln will. Zum einen soll die grundlegende Bedeutung von Fernkommunikation für historische Gesellschaften betont werden, zum anderen soll diese verstärkt als fundamentales Phänomen der weltweiten Geschichte transregionaler Kontakte und Beziehungen wahrgenommen werden, die auf die einzelnen Gesellschaften zurückwirkte und oft genug zu deren Wandel beitrug.
Schließlich gilt das Interesse einer Erweiterung jener Geschichtsvorstellungen, die die üblichen Schulbuchinhalte vermitteln. Es geht um eine weltgeschichtlich orientierte Perspektive auf jenen großen historischen Bogen, den die Lehrpläne von den "Anfängen der Menschheit" über die ersten Großreiche, die griechisch-römische Antike, das lateinisch-christliche Mittelalter und die Frühe Neuzeit zur Moderne und Gegenwart zu schlagen pflegen. Damit will man den Heranwachsenden eine Traditionslinie nahe bringen, die als geschichtlicher "Weg" der eigenen Kultur und Nation in die Gegenwart gilt. Ein Nebeneffekt besteht jedoch darin, dass die einzelnen aufeinander folgenden historischen Gesellschaften bzw. Epochen weitestgehend von der sie umgebenden zeitgenössischen Welt isoliert werden, da man sie fast ausschließlich unter dem Aspekt betrachtet, welche Bedeutung sie für die eigene Geschichte haben. Dies aber führt dazu, dass überregionale Verflechtungen und Zusammenhänge zumeist stark vernachlässigt werden, ganz gleich, ob sie nun für den historischen Wandel vor Ort bedeutsam waren oder nicht. Damit entfallen auch Vergleichsmöglichkeiten, die das historische Verständnis vertiefen könnten.
Das Thema "Geschichte von Fern- und Telekommunikation" bietet gute Möglichkeiten, sowohl die Geschichte einzelner Gesellschaften als auch die zeitgenössischen transregionalen und -kulturellen Kontakte und Netzwerke in den Blick zu nehmen, worin jene eingebettet waren. Somit kann man die obligatorischen Lehrplanthemen mit erweiterten geschichtlichen Perspektiven verknüpfen und ein geschichtliches Denken anregen, das bestrebt ist, ortsgebundene historische Phänomene in umfassendere geschichtliche Zusammenhänge einzuordnen" per Beziehungsgeschichte (d.h. die Geschichte transregionaler oder -kultureller Beziehungen) oder per Vergleich. Da die Erweiterung der Perspektiven bei den vertrauten Themen beginnen soll, orientiert sich der hier vorgestellte Überblick am Inhaltskanon der deutschen Geschichtslehrpläne und -schulbücher, der freilich nicht nur in der Schule, sondern weit darüber hinaus von geschichtskultureller Bedeutung ist.
Der Überblick setzt drei Schwerpunkte:
Im Kapitel "Geschichtliche Anfänge der Fernkommunikation" (Kapitel 4) geht es um jene Formen der Fernübermittlung von Nachrichten, die bereits vor der Domestikation von Tieren in Gebrauch waren. Dieses Kapitel befasst sich mit den Voraussetzungen und der frühen Entwicklung menschlicher Fernkommunikation und bezieht dabei die Evolution und Ausbreitung des Menschen sowie die Rolle von Sprachen, Werkzeugen und Zeichensystemen ein.
Das 5. Kapitel, "Von der Neolithischen Revolution zur Verbreitung des Buchdrucks", greift in einem sehr großen zeitlichen Bogen exemplarisch einzelne Aspekte mit grundlegender Bedeutung für die Geschichte der Fernkommunikation auf: die Herausbildung sesshafter Gesellschaften, die Domestikation von Tieren, die Entstehung von Stadtstaaten, Reichen und Großreichen, die Entwicklung und Verbreitung der Schrift sowie die Transportwege und Verkehrsnetze für den Fernhandel.
Das 6. Kapitel, "Fernkommunikation in der Moderne", wendet sich schließlich der Telekommunikation zu, die sich im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung mit der Nutzung von Elektrizität entwickelt und verbreitet hat und die bislang vorhandene Fernkommunikation von Grund auf veränderte.