Für die weltweite kommunikative Vernetzung der Zentren der Erde bedurfte es eines weiteren Schritts: der Überwindung der Ozeane durch Seekabel.
Unter Königin Viktoria (1837-1901) entwickelte sich das British Empire zum ersten wirklichen "Welt-Reich" der Geschichte. Damit wuchs das Interesse verschiedener britischer Gesellschaftskreise an einem schnellen transozeanischen Nachrichtenaustausch" vorwiegend auf transatlantischer Ebene, aber auch im Hinblick auf Kolonien und Dominions (vgl. Handel mit Indien) " für den man submarine Telegraphenkabelleitungen benötigte.
Deren Verlegung stellte jedoch eine weitaus größere technische und finanzielle Herausforderung als bei Landkabeln dar. Für die Isolierung der Kupferdrähte im Meereswasser beispielsweise" eines der vielen mit submarinen Kabeln verbundenen Probleme" entwickelten Wissenschaftler und Unternehmen, z.B. neben den insgesamt führenden britischen Unternehmen auf deutscher Seite auch Siemens & Halske, ein Verfahren zur Ummantelung von Kupferdrähten mit Guttapercha, eines vornehmlich in Singapur und Malaysia gewonnenen gummiähnlichen Stoffes. Insofern als chinesische Kontraktarbeiter die Guttapercha-Bäume in Malaysia fällten, europäische Unternehmer daraus den Isolierstoff Guttapercha entwickelten, diesen verschifften und an das Britische Empire verkauften, welches wiederum Firmen beauftragte, die Telegraphenkabel zu verlegen spiegelt die Geschichte der submarinen Kabel auch jenseits der Telekommunikation im engeren Sinne die Geschichte der beginnenden Globalisierung wider.
Im Jahre 1851 wurde das erste submarine Telegraphenkabel zwischen Calais und Dover verlegt, das eine Verbindung zwischen den Binnennetzen in Großbritannien und auf dem Kontinent schuf. In verstärkter Kooperation, aber auch in verschärftem Wettbewerb trieben europäische Volkswirtschaften den weiteren Ausbau von Seekabelverbindungen voran, etwa im Mittelmeer und nach Nordafrika. Innerhalb von wenigen Jahrzehnten entstand bis 1902 ein zusammenhängendes Weltkabelnetz, das sich zum größten Teil in den Händen britischer Betreibergesellschaften befand.
1866 wurde sodann die erste dauerhaft funktionstüchtige nordatlantische Kabelverbindung in Betrieb genommen, die Großbritannien und die USA und damit die Alte mit der Neuen Welt verband. Etwa zur selben Zeit folgte die Fertigstellung der ersten Telegraphenlinie von England nach Indien. Aber auch außerhalb von Europa und den USA kam es zum Aufschwung der telegraphischen Telekommunikation, wie z.B. in Persien, China, Japan, Australien, Südamerika und zuletzt auch in großen Teilen der afrikanischen Küste sowie des südlichen Afrikas " insbesondere im Kontext des so genannten "Scramble for Africa" ("Wettlauf um Afrika") ab den 1880er Jahren.
Japan, um nur ein Beispiel hervorzuheben, begann im Zuge einer forcierten Industrialisierung und Reformpolitik in den 1860er Jahren mit dem Bau von Eisenbahnen und Telegraphennetzen, die beide wesentlich mit britischen Kapitalanleihen finanziert wurden. Im Jahre 1869 wurde zwischen Tokio und Yokohama die erste Landtelegraphenverbindung in Betrieb genommen. Bereits zwei Jahre später übernahm man den Morsekode und errichtete transnationale Telegraphenverbindungen von Nagasaki nach Shanghai und Wladiwostok, wodurch der japanische Telegrammverkehr an den europäischen angebunden wurde. War 1878 bereits fast ganz Japan "verkabelt", so wurde dann bereits 1906 auch die erste submarine Verbindung zu den USA realisiert.
Insgesamt gesehen entwickelte sich jedoch die Erschließungsdichte der Telegraphenkabel auf der Erde bis zum Ersten Weltkrieg und darüber hinaus außerordentlich unterschiedlich. Südostasien, große Teile Ozeaniens und Tropen- und Polarregionen blieben weitestgehend von dieser neuen Form der Telekommunikation ausgeschlossen, was einerseits die Rolle dieser Regionen in der zeitgenössischen Weltwirtschaft widerspiegelt und andererseits deren marginale Position zusätzlich verstärkte.