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1.3 Zum Begriff "Fernkommunikation"


Die Notwendigkeit, Nachrichten über weite Strecken hinweg zu kommunizieren, entstand selbstverständlich nicht erst mit modernen Gesellschaften. Gleichwohl gibt es keinen feststehenden, verbindlichen Sammelbegriff für die Bezeichnung all jener akustischen, optischen und graphischen Verfahren der Nachrichtenfernübermittlung, deren sich menschliche Gesellschaften von den geschichtlichen Anfängen an bis heute bedient haben. Und der Begriff "Nachrichtenwesen", den viele historische Darstellungen im Bezug auf vormoderne Gesellschaften benutzen, unterscheidet nicht zwischen nah und fern, worauf es hier besonders ankommt.

Diese Darstellung verwendet den Begriff "Fernkommunikation" generell für Verfahren der nicht-elektrischen Nachrichtenübermittlung über weite Distanzen, d.h. sowohl für nicht-materielle Übermittlungsverfahren mit Hilfe von speziellen Zeichen (z.B. Licht-, Rauch- oder Klangzeichen) als auch für den Transport von mündlichen und schriftlichen Nachrichten durch Boten.
Nähe und Ferne sind jedoch relative Begriffe. Man kann die Distanz, die aus Kommunikation "Fernkommunikation" macht, nicht präzise bestimmen. Was als Nahbereich einer gegebenen Lebenswelt anzusehen ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab, so z.B. vom Mobilitätsgrad einer Gesellschaft bzw. von sozialen Teilgruppen, von subjektiven oder kollektiven "mental maps" oder auch von offiziellen Bestimmungen. So kann man heute beispielsweise in einer Großstadt ein "Ortsgespräch" über eine Entfernung hinweg führen, die anderswo als "Ferngespräch" gilt, weil sie dort Gemeindegrenzen überschreitet.
Erst recht gilt dies für den diachronen Vergleich. Der Radius der alltagsweltlichen Reichweite hat sich im Laufe der Geschichte lokal und regional immer wieder erheblich verändert, dabei allerdings niemals die Größenordnung der modernen (Post-)Industriegesellschaften erreicht. Heute legen nicht wenige Menschen auf ihrem täglichen Weg zum Arbeitsplatz" als denkbarem Indikator für "Nahbereich"" mehr als hundert Kilometer zurück und nutzen Telephon und E-Mail für eine massenhafte Individualfernkommunikation, die räumliche Distanzen weitestgehend aufhebt.
In dieser Darstellung soll jede Nachrichtenübermittlung als "Fernkommunikation" gelten, die über den "Nahbereich" hinausführt, wie immer dieser definiert sein mag. Keinesfalls aber sind nur internationale oder transkontinentale Fernstrecken gemeint. Auch soll der weit gefasste Begriff der Fernkommunikation keineswegs die tiefen medien- und kommunikationsgeschichtlichen Zäsuren in der Geschichte der Fernkommunikation nivellieren, die z.B. mit der Verbreitung von Schrift und Buchdruck oder der Telekommunikation auf elektrischer Basis verbunden sind. Vielmehr geht es darum, einen geschichtlichen Bezugsrahmen herzustellen, um Größe und Bedeutung von vergangenem und gegenwärtigem historischem Wandel besser abschätzen und einordnen zu können.

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