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6.4.1 Krieg und humanitäre Hilfeleistung


Es ist unbestritten, dass die politische und wirtschaftliche Überlegenheit der "westlichen Moderne" in der Welt des 19. und 20. Jahrhunderts auch darauf gründete, dass die neuen, zunächst leitungsgebundenen und später auch drahtlosen Mittel zur Fernkommunikation die Durchdringung und Kontrolle alter wie neuer Kolonial-, "Schutz-" und Einflussgebiete wie auch die Ausbreitung "westlicher" kultureller Muster höchst wirksam unterstützten. Ebenso ist bekannt, dass die wirtschaftliche und politische Vernetzung der Welt von Beginn an stets auch heftige Bewegungen der regionalen Abschottung und des Widerstandes hervorbrachte, der sich mitunter auch direkt gegen die neuen Transport- und Telekommunikationssysteme (Eisenbahn, Telegraphie) richtete. So gehörten, um nur ein Beispiel unter vielen anderen anzudeuten, Anschläge auf Telegraphenmasten in europäischen und US-amerikanischen Kolonien (so z.B. in Tansania oder auf den Philippinen) zu wirkungsvollen Machtmitteln des Widerstandes der einheimischen Bevölkerung. Ebenso kann man auf den Sapoy-Aufstand in Indien verweisen.

Nicht nur die Geschichte der modernen Kriege erhielt immer wieder starke Impulse von militärischer Seite, man denke beispielsweise an die Geschichte des Rundfunks im Ersten Weltkrieg oder das Internet im "Kalten Krieg" bzw. im Atomzeitalter. Vielmehr steht auch die Geschichte internationaler humanitärer Hilfeleistungen in einem unauflöslichen Zusammenhang mit der Entwicklung der Telekommunikation. Ohne die Mittel moderner Telekommunikation sind weder eine effiziente Entwicklungspolitik noch eine wirksame Katastrophenprävention und -hilfe möglich, welche heute selbst in sehr abgelegenen Regionen in internationaler Kooperation und äußerst kurzfristig erfolgen kann.

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