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Hauptseminar: Biographie als Geschichte. Reiz und Risiko der biographischen Methode


Dozent(in): Prof. Dr. Marita Krauss
Termin: Mi., 10.00-11.30 Uhr
Gebäude/Raum: 4056

Inhalt:

Die biographische Methode galt früher als ein Königsweg der Geschichtswissenschaft: „Große Männer“ machten Geschichte und ihre Biographien bedienten den Heldenkult. Das ist lange vorbei: Mit dem geschärften Blick auf die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen der Geschichte verlor das Genre Biographie zunehmend an Boden.

Auf dem Umweg über Frauenbiographien, kollektivbiographische Studien, Familienbiographien, Unternehmerstudien, über biographische Mikrogeschichte und Funktionärsbiographien kehrte die Biographie in die historische Wissenschaft zurück. Die Programme historischer Publikumsverlage hatten sie nie verlassen.

Das Seminar wird an bayerischen und schwäbischen Beispielen untersuchen, wie sich vor dem Hintergrund heutiger Forschungsparadigmen Biographie und Struktur verbinden lassen, in welcher Weise sich psychoanalytische, sozialpsychologische und literaturwissenschaftliche Ansätze für historische Biographiearbeit heranziehen lassen und welchen Stellenwert Biographien für eine kritische Landesgeschichtsforschung heute haben können.

 

Einführende Lektüre:

- Winfried Schulze (Hrsg.): Ego-Dokumente. Annäherung an den Menschen in der Geschichte, Berlin 1996.

- Bios. Zeitschrift für Biographieforschung, Oral History und Lebenslaufanalysen (seit 1998). (darin etliche Artikel)

- Christian Klein (Hrsg.): Grundlagen der Biographik. Theorie und Praxis des biographischen Schreibens, Stuttgart 2002.

 

Beispielbiographien:

- Eberhard Weis, Montgelas. Zweiter Band: Der Architekt des Modernen Bayerischen Staates 1799-1838, München 2005.

- Bernhard Grau: Kurt Eisner 1867-1919. Eine Biographie, München 2001.

- Reinhard Weber: Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933, München 2006.