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Susanne Wanninger, M.A.

 

Rudolf Buttmann (1885-1947) 

Politiker und Bibliothekar zwischen bürgerlicher Tradition und Nationalsozialismus

Rudolf Buttmann (1885-1947) trat sowohl als Politiker als auch als Bibliothekar in führender Stellung in Erscheinung. Von 1925 bis 1933 fungierte Buttmann, der nach seinem Wechsel zur NSDAP am 27. Februar 1925 die Mitgliedsnummer 4 führte, als Fraktionsvorsitzender der Nationalsozialisten im Bayerischen Landtag; von 1933 bis 1935 zeichnete er als Ministerialdirektor im Reichsministerium des Innern unter anderem für die Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl und dem deutschen Episkopat über die Ausführungspraxis des Reichskonkordats vom 20. Juli 1933 verantwortlich; 1935 kehrte er auf eigenen Wunsch nach München zurück, wo er bis 1945 als Generaldirektor der bayerischen staatlichen Bibliotheken amtierte.

Diesem Karriereverlauf zufolge war Buttmann offenbar einerseits so hoch qualifiziert und hatte sich so sehr um die Partei verdient gemacht, dass er 1933 nicht wie zahlreiche andere Anhänger Hitlers aus der Frühzeit der nationalsozialistischen Bewegung einfach fallengelassen oder mit einem reinen Versorgungsposten abgespeist werden konnte; andererseits scheint das NSDAP-Mitglied Nr. 4 aber auch nicht einer herausragenden Funktion in Staat oder Partei für würdig erachtet worden zu sein.

Eine Erklärung hierfür bietet folgende, dem Dissertationsprojekt zugrunde liegende These: Rudolf Buttmann nahm innerhalb der NSDAP die Position eines social broker ein. Das heißt, Buttmann wirkte bis 1935 als Vermittler zwischen den Nationalsozialisten und (rechts-)konservativ eingestellten, zumeist bürgerlichen Kreisen in Politik und Gesellschaft. Nach der Rückkehr in seinen von der Pike auf erlernten Beruf versuchte er schließlich, einen Ausgleich zu schaffen zwischen bibliothekarischen Traditionen und den Anforderungen, die das NS-Regime an das Bibliothekswesen stellte.     

Die Biographie Rudolf Buttmanns berührt in erster Linie drei Forschungsfelder: die bayerische Landesgeschichte, die kirchliche Zeitgeschichtsforschung und die Bibliotheksgeschichte. Was den methodischen Ansatz betrifft, orientiert sich die Arbeit an der neuen Biographieforschung sowie der Netzwerkanalyse.

 

E-Mail: susanne.wanninger@phil.uni-augsburg.de