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Förderpreis des Bezirks Schwaben für Dr. phil. Eva Bendl


Preisverleihung Eva Bendl

Dr. phil. Eva Bendl

Philologisch-Historische Fakultät

Dissertation

Gutachterin: Prof. Dr. Marita Krauss



Inszenierte Vergangenheit – 

Geschichtsbilder in historischen Museen. Museale Sinnbildung in Bayerisch-Schwaben vom 19. Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit


Zu den expansivsten und interessantesten Sektoren der aktuellen kulturhistorischen Forschung zählt unzweifelhaft die Museologie, genauer die Analyse der Voraussetzungen, Erscheinungsformen und Wirkungen der institutionalisierten Ausstellung historischer Objekte.

Diesem Thema widmet sich Frau Bendl in ihrer Dissertation. Sie entfaltet einen großen geschichtspolitischen Bogen vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute, sie befasst sich mit Akteuren und Institutionen, mit Bürgern und Beamten, mit Denkmalpflegern und Sponsoren. Konkret geht es um die Geschichte von zehn Museen des bayerisch-schwäbischen Raumes, in dem sich lokal-regionale Geschichtsprägungen, bayerisch-zentralistische historische Aneignungs-versuche und national-deutsche Überformungen in wechselnder Form und Gewichtung miteinander verschränkten. Die Institution Museum wird durch Frau Bendls Dissertation als wichtige sinnstiftende Einrichtung von Gruppen erkennbar, deren wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Einfluss ihnen auch die Deutungsmacht über Geschichte ermöglichte: In historischen Museen verwirklichten die Bürger unmittelbar ihre Vorstellungen. Die Arbeit geht dabei weit über eine regionalgeschichtliche Betrachtung hinaus: Die Situation im Untersuchungsgebiet Bayerisch-Schwaben erscheint bei Frau Bendl immer in ihrer Besonderheit, gleichzeitig aber in vergleichender Einordnung. Einzelakteure werden in ihren Partikularinteressen und gesellschaftlichen Hintergründen sichtbar, stehen aber dennoch exemplarisch in größeren Zusammenhängen. Besonders die Teile der Arbeit, die sich mit der Stadt-Land-Polarisierung über die Heimatschutzbewegung seit der Jahrhundertwende befassen, sind fulminant und aufschlussreich für oft bis heute weiterlebende Traditionen. Frau Bendl beschreibt und analysiert diese Prozesse höchst erhellend und konzentriert, führt die vorhandene Literatur zu Museen dicht zusammen und verbindet die Museumsthematik eng mit der Bürgertumsgeschichte. An den Aktivitäten des „Schwäbischen Museums-verbandes“ und des Landesamtes für Denkmalpflege zeigt sie dann, wie der Siegeszug des bis heute weiterlebenden „Heimatmuseums“ zustande kam. Eva Bendls gut lesbar geschriebene Dissertation zeichnet sich aus durch hohe methodisch-theoretische Kompetenz, durch begriffliche Präzision, substantielle Analysekraft und eine kenntnisreich und überzeugend gebändigte Materialfülle. Sie ist methodologisch auf höchstem Niveau, detailreich ohne Detail-versessenheit und voller wichtiger Untersuchungsstränge, die eigene Aufsätze verdient hätten. Die Arbeit verbindet souverän die nationale und internationale Forschung mit lokalen Quellen. Es entsteht so das vielgestaltige Bild einer besonderen Museumslandschaft. Die Dissertation erfüllt damit alle Ansprüche, die man an eine geschichtswissenschaftliche Dissertation stellen kann: Ein besonderes Thema, analysiert auf hohem Niveau, auf der Basis breitester Literaturkenntnis und höchst solidem Aktenfundament, anschlussfähig zu etlichen aktuell diskutierten Forschungsfeldern und Fragestellungen, erarbeitet mit originellem Zugriff und eigenständigen interdisziplinären Zugängen. Es entsteht eine beispielhafte Geschichte der Musealisierung auf lokaler und regionaler Ebene und ihrer Einbindung in die Strömungen der jeweiligen Epoche.

Prof. Dr. Marita Krauss

(Foto: Peter Neidlinger)

Meldung vom 17.05.2015