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DFG-Projekt: Neue Dialektometrie mit Methoden der stochastischen Bildanalyse


Projektstart: 01.06.2008
Laufzeit: 1. Phase: 2008 bis 2010; 2. Phase: 2010 bis 2012/13
Projektträger: Universität Augsburg
Projektverantwortung vor Ort: Prof. Dr. Stephan Elspaß
Prof. Dr. Werner König
Beteiligte Wissenschaftler der Universität Augsburg: Simon Pickl M.A.
Simon Pröll M.A.
Beteiligte Wissenschaftler / Kooperationen: Prof. Dr. Volker Schmidt
Prof. Dr. Evgeny Spodarev
Dr. Jonas Rumpf
Dr. Daniel Meschenmoser
Dipl.-Math. Henrik Haßfeld
Dipl.-Math. Aaron Spettl

Zusammenfassung

In diesem Projekt wird mit Hilfe der mathematischen Morphologie und räumlichen Statistik eine neue Methodologie für die Analyse von räumlich aufgelösten sprachlichen Daten entwickelt. Dazu wird ein komponenten-basierter Software-Ansatz erarbeitet. Das breite Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten des zu entwickelnden Systems soll vor allem an der Frage des Zusammenhanges zwischen sprachlichen Struktureigenschaften und Verbreitungstypologie erprobt werden. Grundlage für die Arbeit sind die Daten des an der Universität Augsburger entstandenen „Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben“ (mit über 2.700 Karten in 14 Bänden), an denen auch die Methoden entwickelt und die Programme erprobt werden sollen. Das Material des SBS wird dabei quantifizierend bearbeitet, und zwar nach Methoden, die über das, was es zurzeit in der dialektologischen Forschung gibt, erheblich hinausgehen.

Beschreibung


diam_2Flächenkarte der Bezeichnungen für ‘Heuboden (über dem Stall)’

diam_1
Geschätzte Vorkommenshäufigeiten der sprachlichen Variante -boden

Zielsetzung

Der wissenschaftliche Ertrag dieses Unternehmens liegt zunächst vor allem im methodologischen Fortschritt, der sich aus der schnellen, nach einheitlichen Maßstäben erfolgenden Analyse geographischer Strukturen und deren quantitativer Bewertung ergibt, und darauf aufbauend auch in der Lösung konkreter dialektologischer Fragestellungen.

Am Ende des Projekts soll ein Softwaresystem stehen, das auch auf andere Arten von Kulturdaten, die geographische Verteilungen zeigen, anwendbar ist, und das eine einfach zu bedienende Benutzeroberfläche bietet.

Projektverlauf

In der ersten Projektphase wurden die linguistischen und mathematischen Grundlagen geschaffen, um die geolinguistischen Daten verarbeiten und die Ergebnisse interpretieren zu können. Mit Hilfe automatisierter statistischer Methoden können nun aus den Ursprungsdaten Flächenkarten erzeugt werden, die eine notwendige Abstraktion und Interpretationshilfe darstellen. Mit ihrer Hilfe wird ein Index für jedes sprachliche Merkmal berechnet, der die Struktur der räumlichen Verbreitung seiner Varianten beschreibt.

Die Flächenkarten und der Strukturindex bieten zahlreiche weitere Analysemöglichkeiten. So kann etwa die Bedeutung außersprachlicher Faktoren, wie etwa Besiedelungsstruktur oder Geländetypologie, durch den automatischen Abgleich mit einer großen Zahl von Flächenkarten auf den Prüfstand gestellt werden. Die Automatisierung und Objektivierung komplexer Interpretationsverfahren eröffnet der Sprachforschung ganz neue Perspektiven, insbesondere bei der Erforschung von verbreitungstypologischen Strukturen und Sprachwandelphänomenen.

Auf der Agenda der zweiten Phase des Projekts stehen nun die Anwendung der erarbeiteten Analysemethoden, d.h. die Überprüfung dialektologischer Hypothesen anhand des Materials des SBS, die Ausdehnung der Anwendbarkeit des Systems auf weitere Kartentypen sowie die Programmierung einer graphischen Bedienoberfläche.


Dieses Forschungsprojekt wird von der DFG gefördert. Es wird in Zusammenarbeit mit dem Institut für Stochastik, Universität Ulm, bearbeitet.


Aus dem Projekt sind bislang folgende Publikationen hervorgegangen:

  • Meschenmoser, Daniel / Simon Pröll (i.E.). “Automatic Detection of Radial Structures in Dialect Maps: Determining Diffusion Centers.”

  • Meschenmoser, Daniel / Simon Pröll (i.E.). “Fuzzy clustering of dialect maps using the empirical covariance. Grouping maps in dialect corpora based on spatial similarities.”

  • Pickl, Simon / Jonas Rumpf (i.E.). “Dialectometric Concepts of Space. Towards a Variant-Based Dialectometry.” In: Hansen, Sandra / Christian Schwarz / Stoeckle, Philipp / Tobias Streck (Hrsg.): Dialectological and folk dialectological concepts of space. Berlin: Walter de Gruyter.

  • Pickl, Simon / Jonas Rumpf (2011). “Automatische Strukturanalyse von Sprachkarten. Ein neues statistisches Verfahren.” In: Glaser, Elvira / Jürgen Erich Schmidt / Natascha Frey (Hrsg.): Dynamik des Dialekts – Wandel und Variation. Akten des 3. Kongresses der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD). (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, Beihefte. Band 144.) Stuttgart: Steiner, 267–285.

  • Rumpf, Jonas / Simon Pickl / Stephan Elspaß / Werner König / Volker Schmidt (2010). “Quantification and Statistical Analysis of Structural Similarities in Dialectological Area-Class Maps.” In: Dialectologia et Geolinguistica 18, 73–100.

  • Rumpf, Jonas / Simon Pickl / Stephan Elspaß / Werner König / Volker Schmidt (2009). “Structural analysis of dialect maps using methods from spatial statistics.” In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 76/3, 280–308.