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Häufigkeit von Kosenamen

Die Top Ten

Benennungskategorien und -motive

Verwendungskontexte von Kosenamen

Kosenamen und Entstehungsgeschichten (in Auswahl)

 

 

 

 

Häufigkeit von Kosenamen

Das augenfälligste Ergebnis der Befragung betrifft die Häufigkeit des Vorkommens von Kosenamen. Zum einen gibt es die ‚klassischen‘ Kosenamen wie Schatz, Bär, Süße. Das sind Kosenamen, die häufig auftreten, die uns allen geläufig sind und die Generationen übergreifend sowie teilweise sogar für verschiedene Beziehungspartner verwendet werden. Zum anderen gibt es eine Gruppe von Kosenamen, die individuell an nur einen bestimmten Partner vergeben werden und deren Zustandekommen ohne weitere Erläuterungen häufig nicht transparent wird, wie etwa bei Lo Wü (Abkürzung für Lockenwürmchen in Anspielung auf die Frisur) oder Taf Taf (verdoppelte Abkürzung von Tollste aller Frauen). Gleichwohl werden auch Kosenamen genannt, deren Vorkommenshäufigkeit zwischen den Extremen ‚Klassiker-Kosename‘ und ‚Individual-Kosename‘ liegt. Unter den rund tausend untersuchten Kosenamen finden sich beispielsweise 25 Meldungen für Engel, zehn Meldungen für Prinzessin oder fünf Meldungen für Frosch. Wie häufig ein Kosename auftritt, lässt sich also am besten mit Hilfe einer Skala beschreiben.

 

Die „Top Ten“

Nachfolgend aufgeführt sind die zehn am häufigsten genannten Kosenamen, hinzugezählt wurden jeweils auch Varianten[1] (zu Schatz etwa Schatzerl, Schatzi, Schatzilein, Schätzchen, Schätzelchen, Schätzle, mein Schatz, Riesenschatz, Schnuckelschatz). Wie der Tabelle zu entnehmen ist, verwendet rund die Hälfte der Befragten (51%) einen Namen aus den „Top Ten“ (N=1083).

 

Schatz

163

15%

Maus

91

8%

Hase

75

7%

Bär

73

7%

Spatz

37

3%

Süße(r)

35

3%

Engel

25

2%

Schnuffel

22

2%

Schnuck

19

2%

Liebling

17

2%

 

557

51%

 

Benennungskategorien und -motive [2]

Es ist auffällig, dass bestimmte Bereiche des Wortschatzes bevorzugt verwendet werden, wenn Kosenamen vergeben werden. Am weitaus häufigsten verwenden die Befragten Ausdrücke für Tiere (373 Nennungen), wenn sie ihrem Partner einen Kosenamen verleihen, z. B. Äffchen, Bär, Biene, Eule, Faultier, Hase, Lämmlein, Mietzi, Mops, Pony, Schnecki, Seestern, Viech usw. Weniger, wenngleich auch vorhanden sind Ausdrücke aus dem Bereich der Botanik: Blümchen, Gürkchen, Möhre, Quecke.

Ebenfalls stark vertreten ist eine Fraktion von Kosenamen, die sich an Fiktionales anlehnen, indem auf Namen literarischer oder filmischer Figuren bzw. fiktionale Gegenstände zurückgegriffen wird, etwa bei Butze nach dem Film „Steinzeit Junior“, Hoppetosse nach „Pipi Langstrumpf“, Moppelpoppel in Abwandlung des Namens einer Sandmännchen-Figur, Prinz in Anlehnung an „Der kleine Prinz“, Spatzl in Anlehnung an „Monaco-Franze“.

Naheliegend sind natürlich auch Kosenamen, die auf bestimmte Eigenschaften des Beziehungspartners abzielen. Sehr viele Kosenamen beziehen sich auf die körperlichen Eigenschaften des anderen, etwa Dicke/Dicker (häufig aber auch ironisch für schlanke Partner), Große/Großer (auch mit dem Bedeutungsaspekt ‘großartiger Mensch’), Sprenkel (wegen Sommersprossen). Aber auch charakterliche Eigenschaften des/der anderen werden im Kosenamen verarbeitet (Chefin, Teufel in ironischer Verwendung).   

Ein weiterer Bereich von Kosenamen ist auf Sinneseindrücke bezogen. Im Vordergrund stehen zumeist Wahrnehmungen, die das Schmecken betreffen, etwa Honey, Süße/Süßer, Zuckertier. Aber auch Taktiles geht in die Kosenamenfindung mit ein, wie die Beispiele Pelznase („Mein Verlobter hat winzige flauschige Härchen auf der Nasenspitze, und wenn man da mit den Lippen drüberfährt, fühlt sich das eben kuschelweich wie ein Pelz an.“) oder Zuckerkrümel („Mein Mann rasierte sich die Brust […], und wenn die Haare nachwachsen, fühlt sich das an, als wenn er Krümel auf der Brust hat – daher Krümel. Um das Ganze aber zu ‚verinniglichen‘ hängte ich ein Zucker- vor den Krümel.“).

 

Verwendungskontexte von Kosenamen

Die Verwendung von Kosenamen nimmt ab, je öffentlicher die Kommunikationssituation[3] ist. Nur 39 der tausend befragten Personen gaben an, den Kosenamen für den Beziehungspartner in allen Kontexten zu verwenden (Zweisamkeit, engerer Familienkreis, Verwandtschaft, Freundeskreis, Bekanntenkreis, Arbeitsleben, Öffentlichkeit). Wie zu erwarten war, nimmt die Verwendung im engeren Familienkreis im Vergleich zur Zweisamkeit deutlich ab, nur noch 425 befragte Personen verwenden den Kosenamen im Familienkreis, im weiteren Verwandtschaftskreis sind es lediglich 254 Teilnehmer. Interessanterweise verwenden mehr Befragte den Kosenamen in Gesprächssituationen im Freundeskreis (484) als im Verwandtschaftskreis – offensichtlich sind die Befragten eher bereit, Freunden Einblicke in die Paarbeziehung zu gewähren als Verwandten. Im Bekanntenkreis nimmt die Verwendung wieder deutlich ab: Hier werden nur von 251 Personen Kosenamen verwendet. Eher unüblich ist die Verwendung von Kosenamen im Arbeitsumfeld – hier nutzen sie nur 55 Gewährspersonen. Offensichtlich wird die Kommunikation im Arbeitsumfeld als formeller empfunden als öffentliche Kommunikationssituationen (etwa an der Supermarktkasse) – immerhin 240 Befragte geben an, den Kosenamen öffentlich zu verwenden.

 

Kosenamen und Entstehungsgeschichten (in Auswahl)

Affe:

„Karneval bin ich als Pipi Langstrumpf gegangen und meinte zu meinem Freund, er könnte mein Äffchen, Herr Nielson, sein.“

Amore:

Ein schönes Beispiel dafür, dass Benennungsmotive nicht immer transparent sind. U. a. wurde angegeben, dass der Kosename gewählt wurde, weil die Buchstabenfolge zum ersten Platz im Handy-Telefonbuch verhilft.

Ata:

Ein Beispiel für einen individuellen Kosenamen, der nicht nur dauerhaft Verwendung findet, sondern obendrein außerhalb der Paarbeziehung etabliert worden ist:

„Meine kleine Schwester konnte meinen Namen, Bianca, als Kind nicht aussprechen und kam auf diesen Namen. Irgendwann hat meine Familie mich so genannt. Das ist 25 Jahre her und mein Mann hat diesen Namen von Anfang an übernommen.“

Bibbi:

Benennung nach einer Bettwäsche des Möbelkonzerns Ikea, die das Paar gemeinsam gekauft hatte.

Bätzer:

           Als Erklärung zu diesem Kosenamen wird im Fragebogen angegeben: „Das ist ein fränkisches Wort.“

Vielleicht gibt es einen Zusammenhang zum Ausdruck Bens/Benz für ‘Kater’, der sich auf die Eigennamen Berthold oder Bernhard zurückführen lässt (vgl. König, Werner/Renn, Manfred: Kleiner Bayerischer Sprachatlas. München 2005. Karte Nr. 93, S. 196).

Big:

Nicht seltener anzutreffender Fall der Benennung nach medialem Vorbild: „Wir haben uns sehr gern zusammen die Serie ‚Sex and the City‘ im TV angeschaut, und der Traummann der Hauptdarstellerin hatte in der Serie nur den Namen ‚Big‘.“

Chefin:

„Mein Mann machte sich vor ca. 2 Jahren selbstständig, ich habe mit seinem Geschäft beruflich gar nichts zu tun. Da ich aber ab und zu mit auf Baustellen fahre und manchmal auf das ein oder andere ‚Fehlerchen‘, in meinen Augen!, hinweise, fühlt er sich nun genötigt, mich seit diesen Tagen ‚Chefin‘ zu nennen!!!“

Dezemberkönig:

„Benennung des Partners nach der schönen kleinen Geschichte ‚Der kleine König Dezember‘ von Axel Hacke.“

Dicker:

„Mein Mann ist bei einem Gewicht von knapp 70 kg und einer Größe von etwas mehr als 1,70 m alles andere als dick. Vielmehr betitele ich alles was mir lieb ist mit dem Vorwort ‚dick‘. Wir haben Tiere (allesamt normalgewichtig!), die dann ‚dicker Hund‘ oder ‚dicker Hundemann‘, ‚dickes Mädchen‘ oder ‚dickes Cara-Mädchen‘, ‚dicke Katze‘ oder ‚dicke Lilly (-Katze)‘ und auch ‚dickes Huhn‘ (unser Vogel) heißen. Also sage ich zu meinem Mann konsequenterweise auch ‚dicker Mann‘. Das kommt daher, dass Lakota-Indianer bei dem Wort für ‚Fett‘ auch an pausbäckige Kinder denken. Es heißt dann so viel wie: mein Süßer/meine Süße.“

Frau Schpu:

„Zuerst war es Schpatzerl (von Spatzerl), dann war ein Kosename auch Pupserl (von...), danach wurde aus Pupserl und Schpatzerl der Name Schpupserl. Da mein Nachname Kaiser ist (wie in ‚Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer’), war ich oft die Frau Kaiser von... Daraus wurde dann Frau Schpupserl und letztendlich die Kurzform Frau Schpu.“

Gestrüpp:

„Bei einem Spaziergang recht früh in unserer Beziehung verfing sich meine Kleidung in einem Gestrüpp (es war, glaube ich, ein Brombeerstrauch). Als mein jetziger Mann mich kurze Zeit später dann im Spiel fest hielt, bezeichnete ich ihn als ‚bösartiges Gestrüpp‘... und das Gestrüpp hat sich gehalten. Es wird nun in allen Situationen benutzt und in jeder Variation: ‚liebes/böses/kuscheliges/nerviges .. etc. Gestrüpp’.“

Hase bzw. die Abkürzung T.H.:

„Der Name hat sich durch eine enge, innige Beziehung ergeben. Die Weiterentwicklung ist auch eine Abkürzung mit der niemand etwas anzufangen weiß.  T.H.: Tschö Hase. Das Tschö oder auch Tschöges kommt aus Mitteldeutschland und wird von Partnern verwendet, die sich sehr nahe stehen.“ 

Katze:

Wird mehrfach genannt, eine Erklärung dazu: „Der Kosename basiert auf dem Film ‚Monster AG‘, wo das kleine Mädchen das große blaue Monster ‚Katze‘ nennt. Genauso süß wie das Mädchen das Wort ausspricht, wird er von uns ausgesprochen.“

Klötzchen:

Benannt nach dem Steckspielzeug für Kleinkinder, bei dem Holzklötzchen der Form nach in Löcher einzuordnen sind (quadratischer Bauklotz in quadratischen Ausschnitt, runder Bauklotz in kreisförmigen Ausschnitt usw.): „Wenn man das Quadrat versucht, in das Kreisloch zu packen, dann klappt das nicht, für jedes Loch gibt es genau ein passendes Klötzchen, wie bei Beziehungen auch. Bei nicht zusammengehörigen Partnern ist es wie Quader und Kreis, aber wenn man den einen Menschen fürs Leben getroffen hat, dann ist derjenige das einzig passende Klötzchen für die eigene Leerstelle im Leben.“

Krümel:

Bei vielen Nennungen geht der Kosename darauf zurück, dass der Partner während des Essens krümelt. Abweichend davon die Geschichte zur Variante Zuckerkrümel: „Mein Mann (damals Freund) rasierte sich die Brust, damit man sein Tattoo sieht, und wenn die Haare nachwachsen, fühlt sich das an, als wenn er Krümel auf der Brust hat - daher Krümel. Um das Ganze aber zu ‚verinniglichen‘ hängte ich ein Zucker- vor den Krümel, weil er ja so ‚süß‘ sein konnte.“

Löwenzähnchen:

„Mein Mann ist vom Sternzeichen des Löwen, ist also im Sommer geboren, womit man diese Blume eigentlich auch assoziiert und hat sich während seiner Bundeswehrzeit kurz vor einem allgemein besonders beliebten Einsatz eine Löwenzahnblüte auf's Auge gedrückt. Er wusste, dass er darauf allergisch reagiert, das Auge schwoll zu und er bekam frei und konnte leeeeiiiider nicht zum Einsatz mit. Nachdem er mir das erzählt hatte, nannte ich ihn ‚Löwenzähnchen‘.“

Madame Kontroletti:

„Durch immer wiederkehrende Hinweise, das Licht nicht ausgemacht zu haben, die Türen im Haus nicht geschlossen zu haben o. Ä. entstand der Kosename als Konsequenz dieser ‚Kontrolle‘.“

Möhre:

Hier ein Beispiel für zwei unterschiedliche Motivationen ein und desselben Kosenamen, zum einen die Benennung nach körperlichen Merkmalen, zum anderen in Anspielung auf einen bereits vorhandenen Kosenamen: 

1. „Partner hatte lange Haare, leicht rötlich. Diese hochgebunden zu einem ‚Zopf‘. Sah aus wie eine Möhre.“

2.  „Da der Kosename meines Freundes Hase war, wurde bald klar, dass ich dann die Möhre sein muss. ;)“

Nudel:

„Ich liebe Pasta und mein Partner ist manchmal eine kleine Ulknudel.“

Pünktchen:

Geht zurück auf aus Kästners ‚Pünktchen und Anton‘ und ‚Hey Arnold‘, einer Zeichentrickserie, wo die Oma von ihrem Partner so genannt wird.

Quecke:

„Die Gemeine Quecke ist eine Pflanzenart, die bei einem gemeinsamen Gartenbesuch entdeckt wurde und als ironische und bewusste unromantische sowie seltene Bezeichnung verwendet wurde (zunächst).“

Raupi:

„Sie isst für eine dünne Frau verdammt viel.“

Schloti:

„Weil meine Freundin so viel raucht wie ein Schlot.“

Seestern:

Beim Umarmen klammert sie sich fest wie ein Seestern an seiner Beute.

Susebek:

„In Hamburg an der Alster gibt es einen Ausflugsdampfer, der so heißt, und da ich Susanne heiße, wurde ich kurzerhand umgetauft.“

Taf Taf:

„Taf Taf ist die Kurzform für ‚Tollste aller Frauen‘, mein Äquivalent für meinen Mann ist dementsprechend ‚Tam Tam‘. Der Kosename entstand kurz nach unserer Heirat, da mein Mann es sehr genossen hat, mich als ‚meine Frau‘ bezeichnen zu können.“

Zuckertier:

„Mein Ex-Freund war so ziemlich von Anfang an auf der Suche nach einem passenden Tier für mich. Nach einigen unbefriedigenden Besuchen beschloss er einfach, an meinem außergewöhnlichen Nachnamen ein ‚-tier‘ anzuhängen. Das gefiel mir nicht, und ich erzählte ihm, dass meine Uroma meine Mama oft wegen der Klangähnlichkeit zu meinem Nachnamen ‚Frau Zucker‘ nennt. So entstand das Zuckertier. Wir erschufen im Laufe der Beziehung ein richtiges kleines Universum für Zuckertier und Hase (das war er).“

 



[1] Zu diesen Leitvarianten wurden alle Determinativkomposita mit entsprechendem Grundwort sowie Kopulativkomposita nach ihrem letzten Bestandteil gezählt.

[2] Es ist nicht einfach, die erhobenen Kosenamen nach klar bestimmten Kategorien zu ordnen. Viele Kosenamen beziehen sich auf bestimmte Bereiche unserer Lebenswelt – etwa den Bereich ‚Tierwelt‘ –, indem die entsprechenden sprachlichen Ausdrücke (Bärli, Hase, Spatzl) verwendet werden. Man könnte versucht sein, bestimmte Bereiche des Wortschatzes (‚Wortfelder‘) zu benennen, die besonders häufig verwendet werden. Allerdings setzte eine solche Vorgehensweise voraus, dass der Wortschatz klar nach bestimmten Kategorien  geordnet wäre – eine sprachwissenschaftlich problematische Vorstellung. Zudem zeigt schon die Untersuchung der Benennungsmotive, dass sich Zuordnungen zu solchen Kategorien schwerlich konsequent durchhalten lassen. Nachfolgend findet sich eine nur vorläufige Darstellung, die auf Wortschatz und Benennungsmotive in eher unsystematischer Weise eingehen.

[3] Nur bei Anwesenheit des Partners.