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Kosenamen in Paarbeziehungen


Projektstart: 01.01.2005
Laufzeit: abgeschlossen
Projektträger: Universität Augsburg
Projektverantwortung vor Ort: Dr. J.-C. Freienstein

Zusammenfassung

Kosenamen erfüllen eine Funktion, die uns so wichtig ist, dass wir uns scheinbar unökonomisch verhalten: Wir verleihen jemandem, der bereits einen Namen trägt, einen weiteren Namen, den Kosenamen. Häufig verwenden wir dabei Wörter in einer besonderen Weise; wir meinen kein Tier, wenn wir Spatzl sagen, und es geht nicht ums Vermögen, wenn wir den anderen Schatz nennen. Warum also verwenden wir Kosenamen?

Beschreibung

Eine Antwort lautet, es gebe eine ‚Sprache der Liebe‘, zu der eben auch die Verwendung von Kosenamen gehöre.[1] So unterschiedlich die Darstellungen der ‚Sprache der Liebe‘ ausfallen, in einem aus sprachwissenschaftlicher Perspektive besonders interessanten Punkt ist man sich einig: Mit Paarbeziehungen gehen besondere Formen der Sprachverwendung einher, eine Emotion ‚Liebe‘ existiert demnach weder vor der Sprache noch sprachunabhängig.

Allerdings bleibt es aus wissenschaftlicher Sicht unbefriedigend, dass die postulierte ‚Sprache der Liebe‘ bislang vorwiegend bezogen auf literarische Texten behandelt wurde und die Ergebnisse empirisch nicht abgesichert sind – darüber, wie etwa Kosenamen im Alltag tatsächlich verwendet werden, erfährt man wenig oder gar nichts. Auf dieses Defizit reagiert die Untersuchung.



[1] Die These, es gebe eine besondere Sprache unter Liebenden, wird seit längerem vertreten. Nach wie vor umstritten ist jedoch, welche Merkmale für eine ‚Sprache der Liebe‘ konstitutiv sind. Während Ernst Leisi in seiner Schrift Paar und Sprache davon ausgeht, dass die Paarsprache als gruppenspezifische Variante der Gemeinsprache vor allem durch die Herausbildung eines Privatcodes gekennzeichnet sei, sieht Roland Barthes in den Fragmenten einer Sprache der Liebe den Liebesdiskurs nicht als dialogische Kommunikationsform, sondern gewissermaßen als inneren Monolog, der aus Redebruchstücken bestehe, die bis in die syntaktische Form hinein vorgeprägt seien. Zu lieben bedeute nichts anderes, als sich in vorgeprägten sprachlichen Szenen zu bewegen. Nach Niklas Luhmann (Liebe als Passion) hingegen ist Liebe kein Gefühl, sondern zählt zu den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien. Solche Medien sind „semantische Einrichtungen, die es ermöglichen, an sich unwahrscheinlichen Kommunikationen trotzdem Erfolg zu verschaffen. 'Erfolg verschaffen' heißt dabei: die Annahmebereitschaft für Kommunikation so zu erhöhen, daß die Kommunikation gewagt werden kann und nicht von vornherein als hoffnungslos unterlassen wird.“

 

Die Befragung

Erste Ergebnisse im Überblick

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