Suche

Promotionsprojekt von Christian Weiblen: Weltbeschreibung zwischen Literatur und Wissenschaft – Raoul Schrotts /Erste Erde. Epos/ im Kontext von Alexander von Humboldts /Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung/


Der österreichische Schriftsteller, Literaturwissenschafter und Übersetzer Raoul Schrott hat 2016 mit Erste Erde. Epos einen Text vorgelegt, der das gesamte Wissen über die Welt in einem einzigen Buch zu fassen versucht – und sich somit in die Tradition eines Universalgelehrten wie Alexander von Humboldt einschreibt, der im 19. Jahrhundert mit seinem Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung ein ähnliches Unterfangen anstrebte, wenn auch mit anderen Mitteln, Zielen und Voraussetzungen. Schrotts Anspruch, das heutige Wissen über die Welt in einem einzigen Text zu vereinen, erscheint im hochgradig spezialisierten und ausdifferenzierten 21. Jahrhundert, in dem eine allumfassende Beschreibbarkeit von Welt stark infrage gestellt wird, erstaunlich. Gerade diesem – nicht zuletzt von den Erkenntnissen der modernen Physik des 20. Jahrhunderts ausgelöstem – Zweifel, stellt Schrott ein Werk entgegen, dass Dichtung und Wissenschaft zu einem universellen Epos vereint. Mit welchen literarischen Stilmitteln und narrativen Strategien versucht der Autor seinem Anspruch gerecht zu werden? Ist es heute überhaupt noch möglich, Welt zu beschreiben und wenn ja, welche Rolle spielt hierfür die Imaginationskraft der Literatur? An der Schnittstelle der Beantwortung dieser Fragen ergibt sich die Möglichkeit, das sich wandelnde Verhältnis von Literatur und Wissenschaft von Humboldt bis heute sichtbar zu machen sowie die von Schrott verwendete Gattung Epos neu zu begründen, sie als Wegweiser einer potenziellen Aufhebung der Dichotomie von Literatur und Wissenschaft zu begreifen und Konsequenzen für eine zeitgenössische Ethik des Schreibens aufzuzeigen.