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Promotionsprojekt von Olga Hog: Fremdheit und Differenzerfahrung in Texten von Autoren und Autorinnen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur


Im Rahmen des Dissertationsprojekts werden Texte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur von Autorinnen und Autoren aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion im Hinblick auf Subjektkonstitution, Fremdheit und Differenzerfahrung untersucht. Ziel ist es, einen neuen Umgang mit Sprache und die Entwicklung eines neuen Subjektverständnisses herauszuarbeiten. Die Thematik der Vergangenheitsbewältigung ist allen Texten gemein und verbindet diese miteinander. Die Subjektdarstellung erfolgt mithilfe der Aufarbeitung des Geschehenen und wird individuell vollzogen. Familiäre Beziehungen, das Verhältnis zur Religion, territoriale Entfremdung und ein neuer Zugang zur Sprache dienen hierbei als Vergleichsmomente der unterschiedlichen Texte. Das dort jeweils präsentierte Subjekt ist keinesfalls autonom. Um diese Argumentation zu stützen, wir neben Lévinas’ Auseinandersetzung mit dem Anderen auch Ricoeurs Phänomenologie des Selbst herangezogen. Kernelement ist die narrative Identität, die dem Projekt einen Zugang zur Untersuchung im hermeneutischen Kontext gestattet. Ricoeur entwickelt ein Konzept der Ipseität/Selbstheit, die an einem Ort jenseits des Subjektdenkens der Neuzeit wie ihrer Dekonstruktion zu verorten ist. Die Abhängigkeit des vermeintlich primären Subjekts von einem ihm fremden Anderen ist auch hier eines der Leitmotive und ergänzt Lévinas‘ Ausführungen. Es soll belegt werden, dass die anhaltende Infragestellung des Subjekts in den zeitgenössischen deutschsprachigen Texten von Autoren und Autorinnen aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ein andauerndes Spiel mit eben diesem bedingt, das im Schwellenmoment vollzogen wird. Entscheidendes Element ist hierbei die Sprache, durch welche die Situation des Dazwischen geschaffen wird und welche die grundlegende Fremdheitserfahrung im Selbst markiert.