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„Beeinflusst vom Klima des Hauses“. Spiegelung, Darstellung und Interpretation von Demokratie im Roman der Weimarer Republik.


Dissertation von Kai Bleifuß


Wenn Autoren sich in ihren Büchern zu demokratischen Werten äußern, so ist das nicht dasselbe, als würden sie von Liebesbeziehungen, Abenteuern oder x-beliebigen anderen Themen sprechen. Sie berühren damit nämlich einen Punkt, welcher ihr komplettes gesellschaftliches Umfeld bestimmt, und je nachdem, wie sie sich dazu stellen, leisten sie möglicherweise einen Beitrag entweder zur Stärkung oder Schwächung der Demokratie, ergo der Position von kritischer Kunst und Kultur, ergo ihrer eigenen Position. Die vorzulegende Dissertation soll sich, aufbauend auf dieser besonderen Rolle von Volksherrschaft als literarischem Stoff, damit auseinandersetzen, auf welche Weise Autoren der Weimarer Epoche – die in puncto Politik besonders interessant und zugleich besonders problematisch ist – versuchen, die Vorteile eines demokratischen Systems herauszuarbeiten, aber auch, wie sie mit Schwierigkeiten der künstlerisch zu interpretierenden Materie umgehen. Im Mittelpunkt steht dabei die bislang kaum beleuchtete Frage nach genuin literarischen Strategien in der Beschäftigung mit dem Thema, d. h. die Frage, was die Literatur, in Abgrenzung etwa zu Politikern und politischen Theoretikern, an Eigenem zum Demokratiediskurs beitragen kann. Um zu differenzierten Ergebnissen zu gelangen, wird eine große Bandbreite an Primärliteratur in die Betrachtung einbezogen werden, u. a. Werke von Alfred Döblin, Hans Fallada, Martin Kessel, Mynona (Salomo Friedlaender), Erik Reger, Ludwig Renn und Jakob Wassermann (das Projekt wird durch die Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert). Die Dissertation ist 2012 unter dem Titel "Demokratie im Roman der Weimarer Republik. Annäherung und Verteidigung durch Ästhetik" erschienen.


Publikation:
Kai Bleifuß: Demokratie im Roman der Weimarer Republik. Annäherung und Verteidigung durch Ästhetik. Würzburg: Ergon 2012.


Projektbetreuung:
Prof. Dr. Mathias Mayer
Prof. Dr. Theo Stammen