Walle, walle, manche Strecke!

"Der Zauberlehrling" besucht die Klasse 3 d 

Volksschule Volkach, Schuljahr 2005/2006

 

 

Zur didaktischen Konzeption

Goethes Ballade "Der Zauberlehrling" (1797) ist ein wichtiges Stück Literatur. Das Drama des eigenmächtigen und die Kontrolle verlierenden Azubis ist ein beispielhafter Text der deutschen Klassik und ein Klassiker des Deutschunterrichts. Der unheilvoll stümpernde Zauberlehrling oder die Geister, die man ruft und nicht mehr los wird, sind als Sprachbilder in den allgemeinen Wortschatz eingegangen. Für die Wirkmächtigkeit der Ballade spricht weiter, dass sie eine Reihe medialer Adaptionen erfahren hat: in einer sinfonischen Dichtung von Paul Dukas (1897), in einem Zeichentrickfilm von Walt Disney (Fantasia, 1940) oder in einem experimentellen Kurzfilm von Dieter Deventer (Zauberlehrling, 1990). 

Kann ein solcher Text der "Hochliteratur" aber auch im Deutschunterricht der Grundschule bereits sinnvoll behandelt werden? 

Mit dieser Unterrichtseinheit versuchen wir ein Ja auf diese Frage. Literaturgeschichtliche, autorbiographische, gattungspoetische und sprachästhetische Aspekte traten dabei dem Alter von Drittklässern gemäß zurück. Ziel war vielmehr ein Textumgang, der die packende Geschichte vielfältig erfahrbar macht: über ein gestaltendes Sprechen der Zauberformel, über gemalte Bilder und geschriebene Ergänzungen, über einen dramatisierenden Vortrag und Dukas´ Musik, über ein abstraktes Legebild - und über diese kleine Netzseite. Ein Stück ging der Textumgang über die  ästhetische Anmutung aber auch hinaus: Wie ist die Handlungsweise des Zauberlehrlings zu bewerten? (Ist er mutig oder verantwortungslos?) Haben wir eine ähnliche, analoge Situation schon selbst erlebt?

Gezeigt werden sollte ein Literaturunterricht, der vielfältige Formen der Textaneignung praktiziert, literarische Wirklichkeiten sinnlich erfahrbar macht und Lesen und Literatur als Verbund verschiedener Medien ausweist. Über den Erwerb der Schriftsprache, über funktionales Lesen und über die Anregung von Lesefreude mittels "einfacher" Texte hinaus kann und sollte Lesen auch bereits in der Grundschule weiterführen zu literarischer Erziehung. Dazu gehört, so wie hier, die Erfahrung der Andersartigkeit von gestalteter Sprache und die Aneignung fremder und entlegener fiktionaler Wirklichkeiten. Hochliteratur und Lesefreude müssen dabei kein Gegensatz bleiben.  

(c) Klaus Maiwald