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Publikation des Kolloquiums "Francesco Bianchini (1662-1729)"


Im September 2003 hatten Valentin Kockel (Klassische Archäologie) und
Brigitte Sölch (Kunstgeschichte) zusammen mit dem Institut für
Europäische Kunstgeschichte eine international besetzte Tagung
organisert zu dem Thema "Francesco Bianchini (1662-1729) und die
europäische gelehrte Welt um 1700" Nun sind die Akten als Band 21 der
Colloquia Augustana im Akademie Verlag erschienen.

Die Beträge von zehn Teilnehmern der Tagung beleuchten den
Universalgelehrten Francesco Bianchini aus unterschiedlichen
Blickwinkeln und nutzen dabei die Möglichkeit zum Dialog der
Disziplinen. Es wird deutlich, daß Bianchini, der seine
universalwissenschaftlichen Interessen mit dem internationalen
Aktionsradius eines Diplomaten in päpstlichem Dienst vereinen konnte,
als ein glänzender Reflektor des vielfältigen wissenschaftlichen
Aufbruchs der Zeit um 1700 verstanden werden kann. Anlaß zu reger
Diskussion gibt Bianchinis Verhältnis zum Objekt und zum Bild. Die
genaue Beobachtung des Objektes selbst — sei es nun astronomisch oder
archäologisch — war für ihn ein zentraler Punkt im Erkenntnisprozeß.
Das Objekt hatte denselben Zeugniswert wie eine schriftliche Quelle.
Bereits in seiner in jungen Jahren geschriebenen 'Istoria Universale'
und dann in all seinen Werken operierte er mit dem Medium Bild - als „
simbolo e prova“ – um das Erforschte sichtbar und verständlich zu
machen. Dabei entstand jedoch eine neue Wirklichkeit, die sich aus der
Autopsie der Forschungsgegenstände ebenso speiste wie aus bildlichen
Traditionen, wissenschaftlichen Modellen und Theorien sowie
zeitgenössischen Idealvorstellungen. "Bianchini, der Gelehrte der
Anschauung", so hätte aus der Sicht der Kunsthistoriker und Archäologen
auch der Titel des Kolloquiums lauten können. Und ausgelöst durch die
aus heutiger Sicht oft augefälligen Widersprüche von Text und Bild
drängte sich deshalb am Ende der Tagung als zentrales Problem eine
Klärung der Konzepte von Objektivität, Wahrheit, Wahrscheinlichkeit und
Kritik im frühneuzeitlichen Wissenschaftsverständnis auf.

[weiere Informationen zum Kolloquium]

Valentin Kockel, Brigitte Sölch (Hg.)
Francesco Bianchini (1662-1729) und die europäische gelehrte Welt um
1700
(Colloquia Augustana 21. Hg. von J. Burckhardt, Th. Stammen, W.E.J.
Weber)

Akademie Verlag Berlin 2005
ISBN 3-05-004133-1
274 S., 80 Abb., 170 x 240 mm
Gb. € 59,80

 

Inhaltsverzeichnis

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