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Wintersemester 2007/2008


Dozent(in): Prof. Dr. Valentin Kockel/Prof. Dr. Marion Lausberg/Prof. Dr. Gregor Weber
Termin: Dienstag (vierzehntägig), 18.00 c.t.
Gebäude/Raum: HS III

Inhalt:

Zum Altertumswissenschaftlichen Kolloquium werden Wissenschaftler von anderen Universitäten und Forschungsstätten eingeladen, die von ihren neuen Forschungen berichten.

Siehe besondere Aushänge. Studenten aller Semester sehr anzuraten.

 

 

Das ptolemäische Ägypten – Kulturbegegnungen in hellenistischer Zeit

 

Als einer der engsten Vertrauten Alexanders des Großen begründete der Makedone Ptolemaios nach dessen Tod im Jahre 323 v.Chr. eine eigene Herrschaft. Diese erstreckte sich vornehmlich auf Ägypten, das Land am Nil. Ptolemaios ließ sich 306/05 zum König ausrufen und steht damit am Beginn einer Dynastie, die wir heute als Ptolemäer bezeichnen. Von allen Nachfolgestaaten des Alexanderreichs konnte sie sich am längsten gegen konkurrierende Reiche und die aufstrebende Weltmacht Rom bis zum Tod von Kleopatra VII. im Jahre 30 v. Chr. behaupten.

 

Die Ptolemäer standen vor dem Problem, sich zusammen mit ihren Helfern aus Makedonien und der gesamten griechischen Welt in der neuen Umgebung zu etablieren. Sie stießen ihrerseits auf eine Kultur, die zwar in einer Jahrtausende alten eigenständigen Tradition stand, aber auch bereits eine erste Fremdherrschaft durch die Perser überstanden hatte. Es mussten also nicht nur konkrete Formen des Zusammenlebens in Dörfern und Städten gefunden werden (oder sich einspielen), sondern es stellte sich vor allem die Frage, mit welchen Mitteln und mit welchen inhaltlichen Aussagen, d.h. Ideologien, die Herrschaft der Griechen und Makedonen legitimiert und gesichert werden konnte.

 

Tangiert waren viele Bereiche: Zum einen ging es um effektive Kontrolle, erreicht durch die Stationierung und Ansiedlung von Soldaten im Land und durch die Etablierung eines Verwaltungssystems. Besonders wichtig war auch die Errichtung und der Ausbau einer Zentrale, eines Königshofes, in der neuen und prosperierenden Hauptstadt Alexandreia, einer der ersten Großstädte des Altertums. Auf der anderen Seite war eine entsprechende herrscherliche Selbstdarstellung erforderlich: Hierzu gehörte genauso ein Agieren als Wohltäter gegenüber Griechen und Ägyptern wie ein beispielloses Mäzenatentum in allen Bereichen von Wissenschaft und Kunst, das sich insbesondere in der Gründung der berühmten Bibliothek als Forschungsstätte im Palastbereich konkretisierte. Schließlich gehörte dazu auch die Überhöhung der eigenen Person und Dynastie in der kultischen Verehrung. Gerade die Verbindung der beiden ganz unterschiedlichen religiösen Welten gehörte zu den wichtigen Voraussetzungen für die Akzeptanz des neuen Staatswesens durch sein Bevölkerung.

 

Die Erforschung des ptolemäischen Ägyptens hat in den vergangenen zwanzig Jahren vielfältige Impulse erhalten. Diese gründen alle auf einer verstärkten interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen altertumswissenschaftlichen Disziplinen. Archäologen erforschen einzelne Siedlungen und Nekopolen im Niltal und den Oasen, ebenso wie die Hauptstadt selbst und den vor ihr liegenden Meeresgrund. Durch eine spektakuläre Ausstellung in Berlin und Bonn wurden die neuen Ergebnisse in diesem Jahr auch in Deutschland bekannt. Ägyptologen widmen sich der für sie eher ungeliebten 'Spätzeit' mit ihren neuen theologischen und kultischen Implikationen. Papyrologen edieren und interpretieren weiterhin den immensen Materialfundus an griechischen und demotischen (spätägyptischen) Texten, die ausschließlich in Ägypten in dieser Form erhalten blieben. Philologen interpretieren neu gefundene Dichtung und kontextualisieren die umfangreichen, mit dem ptolemäischen Ägypten und insbeondere seinem Königshof verbundene Literatur. Althistoriker versuchen schließlich die neu etablierten Wirtschafts- und Herrschaftsstrukturen zu erfassen, die über dreihundert Jahre hinweg alles andere als statisch waren.

 

Drei Dozenten der altertumswissenschaftlichen Fächer an der Universität Augsburg nehmen mit eigenen Forschungen an dieser internationalen Diskussion teil. Das Altertumswissenschaftliche Kolloquium lädt deshalb im Wintersemester 2007/08 weitere international profilierte Wissenschaftler ein, neue Forschungsergebnisse zu präsentieren. Von besonderem Interesse ist hierbei das weite Feld der Kulturbegegnungen. Anhand ausgewählter Themenkomplexe – Wirtschaft, Kunst, Literatur, Religion – werden vor allem die Berührungspunkte zwischen griechisch-makedonischer und ägyptischer Kultur in den Blick genommen und gefragt, in welcher Weise das jeweils Andere/Fremde wahrgenommen, rezipiert und adaptiert wurde.

 

 

Terminübersicht zum Altertumswissenschaftlichen Kolloquium im Wintersemester 2007/08

 

23.10.    Prof. Dr. Gregor Weber (Augsburg)

              Kulturbegegnungen im ptolemäischen Ägypten. Geschichte – Probleme – Perspektiven

 

6.11.      Prof. Dr. Marianne Bergmann (Göttingen)

              Der Gott Sarapis und die hellenistischen Skulpturen vom Dromos seines Tempels in Memphis

             

20.11.    PD Dr. Stefan Schmidt (Augsburg/München)

              Nekropolis - Grabarchitektur und Totenfeiern im hellenistischen Alexandria

 

4.12.      PD Dr. Sitta von Reden (Augsburg)

              Geld und Macht im Ptolemäischen Ägypten

 

18.12.    Prof. Dr. Karl-Heinz Stanzel (Tübingen)

              Neuer Wein in neuen Schläuchen? Der Mimepiker Theokrit, der Mimiambiker Herodas und der Iambiker Kallimachos

 

15.1.      PD Dr. Stefan Pfeiffer (Trier)

                                    Ägyptische Priester und ägyptischer Herrscherkult unter den Ptolemäern

 

29. 1.     Prof. Dr. Marie-Francoise Boussac (Lyon)

              Taposiris and Plinthine. The french excavations in two towns of Mareotis near Alexandria

 

              Prof. Dr. Irmgard Männlein-Robert (Tübingen)

              Das Land der Griechen mit der Seele suchend oder: Griechische Dichter im ptolemäischen Alexandria
Wegen Terminschwierigkeiten muß der Vortrag auf den Beginn des Sommersemesters verschoben werden.

 

Die Vorträge finden jeweils um 18 Uhr c.t. im Hörsaal III, Universitätsstraße 10 statt.