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Die Verbreitung archäologischer Kenntnisse in deutscher Sprache im 18. Jahrhundert


Abb. 1 - 2
Abb. 3 - 4
Abb. 5
Abb. 6 - 7
 

Mit dem Ende des Latein als lingua franca und dem zunehmenden Gebrauch von Nationalsprachen auch für wissenschaftliche Werke, entstand i m 18. Jahrhundert ein zunehmender Bedarf an Übersetzungen, um italienische, französische oder englische Publikationen einer deutschen Leserschaft zugänglich zu machen. Das trifft auch für jene Schriften zu, die archäologisches Wissen vermitteln sollten, seien es nun Reiseberichte, Grabungspublikationen oder theoretische Arbeiten. Deren Zahl nahm im Laufe des Jahrhunderts ständig zu. Ihr Ziel war es, in allen, die selbst gereist waren, Erinnerungen wachzurufen, jenen aber, die die Reise nach Italien oder gar in den Orient nicht unternehmen wollten oder konnten, eine möglichst genaue Vorstellung von den antiken Stätten und Kunstwerken zu vermitteln. Doch nicht nur die vielfältigen Sprachbarrieren, auch der hohe Preis der oft prächtigen Stichwerke führte zum Wunsch nach preisgünstigen Versionen in deutscher Sprache.

Besonders interessant ist die deutsche Edition der Antichità di Ercolano, in denen die sensationellen Funde aus den Vesuvstädten vorgelegt und kommentiert wurden, und die zunächst nur als Geschenk den Königs von Neapel zu erhalten waren. Der Augsburger Verleger und Stecher Georg Christoph Kilian kopierte auf billigem Papier und verkleinert — in einem Verfahren, das wohl dem heutigen print on demand  entsprach — alle Bände jeweils nach deren Erscheinen (Abb. 5-7). Während anfangs die Bilder noch eigenständig erläutert wurden, reduzierte sich die Ausgabe später allein auf die Abbildungen, die offenbar vor allem als Bildvorlagen für Künstler gedacht waren.

Goethe und Schiller hatten die antike Kunst fern von Italien in den Gipsabgüssen des Mannheimer Antikensaals für sich entdeckt. Unsere Untersuchung hat gezeigt, daß im deutschen Sprachraum die Wahrnehmung der antiker Kunst und ihrer Denkmäler über die Druckwerke, eine unabdingbare Voraussetzungen für Klassizismus und Klassik, auf sehr viel breiterer Basis und oft ebenfalls in verwässerter Form erfolgte. Bei der Einschätzung einzelner Rezeptionsvorgänge wird dies in Zukunft zu berücksichtigen sein.

 

Die Ergebnisse sind mittlerweile als Buch erschienen:

Ulrike Steiner, Die Anfänge der Archäologie in Folio und Oktav. Fremdsprachige Antikenpublikationenen und Reiseberichte in deutschen Ausgaben. Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding 2005

Rezensionen:
Charlotte Schreiter
Christoph Höcker

 
Steiner1_Klein

 

Der Band begleitete gleichzeitig eine Reihe von Ausstellungen, die das Land Sachsen-Anhalt im Jahr 2005/06 unter dem Titel "Aufklärung – Antike in Buch und Bild" in Dessau, Stendal, Halle und Halberstadt organisiert hat. Am umfangreichsten war die Fassung, die im Oktober 2006 im Winckelmann-Museum in Stendal zu sehen war. Im Frühjahr 2007 wurde eine verkleinerte, aus den Beständen der Bibliotheken in Augsburg und München zusammengestellte Version unter dem Titel:
"Antike für den deutschen Leser" in der Universiätsbibliothek Augsburg ausgestellt.