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Prof. Dr. Evamaria Schmidt


Schmidt Evamaria

Schmidt Evamaria, Dr. phil.

Professorin i.R. für Klassische Archäologie

Am 10. Juni verstarb Dr. Evamaria Schmidt, Professorin an der Universität Augsburg im Ruhestand. Sie hatte seit 1980 als erste Fachvertreterin die Klassische Archäologie in Augsburg gelehrt.

Schmidts persönlicher und beruflicher Werdegang war stark durch die deutsch-deutsche Teilung geprägt. 1926 in Dessau geboren, studierte sie seit 1945 Klassische Archäologie und Philosophie an der Universität Jena. Nach ihrem Abschluss wechselte sie 1951 auf eine wissenschaftliche Assistentenstelle bei dem Archäologen Ludger Alscher an der Berliner Humboldt-Universität, die sie bis 1961 inne hatte. 1955 wurde sie dort mit der Arbeit "Griechische Köpfe des 4. Jh.v.Chr. Ein Beitrag zur Untersuchung der Stilentwicklung" promoviert. Noch im August 1961 floh Schmidt in die Bundesrepublik, wo sie mit Stipendien und Werkverträgen an verschiedenen Institutionen und schließlich in der Funktion einer wissenschaftlichen Assistentin im Fachbereich Architektur der TU München tätig war. Dort habilitierte sie auch 1978 mit der Schrift "Die Geschichte der Karyatide". 1980 kam sie auf Initiative des damaligen Althistorikers Gunter Gottlieb an die Philosophische Fakultät der Universität Augsburg. Seit 1983 bis zu ihrer Pensionierung 1991 vertrat sie dort die Klassische Archäologie allein als Professorin – als Frau damals noch eine rare Ausnahme in diesem Fach.

In ihrer Zeit in Augsburg baute sie mit Hilfe der jeweils nur kurzzeitig finanzierten Assistenten Berthild Gossel-Raeck und Johannes Eingartner einen gut funktionierenden Lehrapparat mit Diathek und Photothek auf und begleitete intensiv die positive Entwicklung der archäologischen Abteilung an der Universitätsbibliothek. Drei Grabungskampagnen in dem westgriechischen Ort Oineadai ermöglichten den Studierenden, auch praktische Kenntnisse zu erwerben. Zu den von ihr betreuten Promovenden gehören Peter Kränzle, Die zeitliche und ikonographische Stellung des Frieses der Basilica Aemilia (1991) und Margit Brinke, Kopienkritische und typologische Untersuchungen zur statuarischen Überlieferung der Aphrodite Typus Louvre-Neapel (1991). Beide Arbeiten wurden zusätzlich in konzentrierter und hervorragend bebilderter Form auch in der prominenten Reihe Antike Plastik ( Bd. 23, 2002, bzw. 25, 1996) publiziert.

Schmidts eigenen Forschungen zeigten lange Zeit die Prägung durch ihren Lehrer Ludger Alscher. Sie nahm dessen akribische formalanalytischen Untersuchungen griechischer Plastik auf, bereicherte sie dann aber um den in den 70er und 80er Jahren aktuellen Aspekt der Kopienkritik. Mit ihren Studien zu den Stützfiguren, deren Thema sicher auch ihrer Tätigkeit an einer Architekturfakultät geschuldet war, schuf sie ein solides Referenzwerk. Eine zweite Gruppe von Schriften befasst sich mit der sog. Kleinkunst in verschiedener Ausprägung. So legte sie mehrfach katalogartige Arbeiten zu antiken Gemmen und Glaspasten vor, ebenso wie die umfassende Bestandsbeschreibung der Terrakotten am Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg. Über solche Werke der Kleinkunst fand sie auch die Brücke zu Funden in Bayern (Auerberg, Burghöfe), die Schmidt mit der Kenntnis und Methodik des Klassischen Archäologen erfasste und beschrieb.

Im Ruhestand verfolgte Schmidt die Entwicklung Ihres Faches in Augsburg fast nur noch aus der Ferne. Als Forscherin blieb sie dagegen unermüdlich tätig und gehörte bis ins hohe Alter zu den regelmäßigen Nutzern der Bibliothek des Archäologischen Instituts in München.