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PD Dr. Regina Dauser


Richteramt der Öffentlichkeit? Die Diskussion um Herrschaftskontrolle im Frankreich der Aufklärung

Die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der kritischen öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Handeln von Regierungen wird angesichts von „fake news“, Vorwürfen der „Schmähung“ von Politikern und Versuchen der Unterdrückung publizistischer Regierungskritik gegenwärtig in einer Intensität diskutiert, mit der vor wenigen Jahren wohl kaum jemand gerechnet hätte. Das Öffentlichkeitsverständnis, das dabei zur Diskussion steht, geht im Kern auf die Zeit der Aufklärung zurück, in der die Forderungen nach Aufhebung der Beschränkungen publizistischer Betätigung mit wachsender Vehemenz geäußert wurden.

Im Zentrum der Veranstaltung steht eine Rede Chrétien-Guillaume de Lamoignon de  Malesherbes’, eines hohen Amtsträgers der französischen Krone, vor der Académie française im Jahr 1775. Malesherbes, der zeitweilig der obersten Zensurbehörde Frankreichs vorstand, reflektiert in dieser Rede – in einer auf den ersten Blick womöglich überraschenden Weise – die Bedeutung der publizistischen Meinungsäußerung und der öffentlichen Debatte für die Kontrolle und die gerechte Ausübung monarchischer Herrschaft. In diesem Zusammenhang postuliert er erstmals ein „Richteramt der Öffentlichkeit“. Die Rede, die in deutscher Übersetzung vorgestellt wird, dient als Ausgangspunkt für eine Diskussion über Grundlagen, Funktion und Wandel von Öffentlichkeit in westlichen Gesellschaften seit der Aufklärung.

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