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Dr. Robert Bauernfeind


Die Ikonographie der Erdteile – Zur Ausprägung von Stereotypen im frühneuzeitlichen Kulturkontakt

Mitte des 16. Jahrhunderts etablierte sich mit den ‚Vier Erdteilen‘ ein neues Thema in der Ikonographie der europäischen Kunst, das die vier damals bekannten Kontinente Europa, Asien, Afrika und Amerika als Personifikationen mit charakteristischen Attributen aus den Bereichen der Natur und Kultur repräsentierte. Hatten sich frühere Ansätze zur Personifizierung von Weltteilen zumeist auf Figuren der biblischen Historie wie die Heiligen Drei Könige oder die drei Söhne Noahs bezogen, so war mit der Entdeckung Amerikas nicht nur die Neukonzeption einer Gruppe von vier Figuren nötig geworden; die rasch zunehmenden Kenntnisse über die ‚Neue Welt‘ und insbesondere ihre Bewohner stellten Künstler auch vor die Herausforderung, dem Anderen Züge zu geben, die nicht nur für die eigenen Sehgewohnheiten nachvollziehbar, sondern in einem visuellen Modell der Welt auch verbindlich sein sollten. Spätestens um 1600 hatte sich eine programmatische Auffassung des Themas etabliert, das nicht zuletzt eine globale zivilisatorische Hierarchie entwarf und zu den am meisten verbreiteten Themen von Bildprogrammen des Barock avancierte.

Das Thema der ‚Vier Erdteile‘ eignet sich daher in besonderem Maße für eine Fallstudie zur Ausprägung von Stereotypen im frühneuzeitlichen Kulturkontakt. Die projektierte Veranstaltung soll aufzeigen, auf welche Text- und Bildquellen Künstler der Frühen Neuzeit zurückgriffen, um insbesondere Bilder fremder Kulturen zu erzeugen, und an exemplarischen Werken den Einsatz der ‚Vier Erdteile‘ im Sinne höfischer Repräsentation, aber auch bürgerlicher Handelsansprüche erläutern. Damit sollen nicht nur Grundlagen der Geschichte der europäischen Fremdwahrnehmung vermittelt, sondern auch Methoden und Theorien vorgestellt werden, mit denen diese im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs diskutiert werden.

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